Muxia 2022

Tage 87 bis 90 in Indien: Delhi / New Delhi I

Für die letzten sechs Tage meiner Reise bringt mich der Bus in sechs Stunden von Rishikesh nach New Delhi. Auch der Hauptstadt wird i.d.R. nachgesagt dass sie chaotisch, laut und schmutzig ist. Und sie ist es auch. Aber nach Großstädten wie Patna, Varanasi, Gorakhpur und Lucknow, kommt mir Delhi moderner und leichter zu händeln vor. Benutzbare Gehwege und funktionierende Ampeln erhöhen meine Überlebenschancen als Fußgänger im Straßenverkehr. Und mit der Metro lässt sich die 28-Millionen-Metropole gut erschließen. „Pilgerziele und Heilige Orte der Weltreligionen“: In Delhi gibt es einen besonderen Tempel einer mir neuen Weltreligion: Baha’i ist, nach dem Christentum, die in den meisten Ländern der Welt vertretene Religion. Im 18. Jahrhundert in Persien entstanden, ist ihr Kern die Einheit: Die Einheit Gottes, unabhängig von Religionen und die Einheit der Menschen unabhängig von ihrer Herkunft. „Es gibt nur einen Gott und nur ein Land“. Der Lotus-Tempel, von den Baha’i „House of Worship“ genannt, ist auch architektonisch eine Besonderheit. In der großen Andachtshalle gibt es keinerlei religiöse Symbole: Jeder soll sich für sein Gebet seiner Religion willkommen fühlen.

Der Red Fort Complex, Humayun’s Tomb und Qutb Minar sind UNESCO-Welterbestätten. Ähnlich wie in Agra ist das Red Fort weniger eine militärische Festung, sondern eine große repräsentative Palastanlage. Regierungssitz der Mogulkaiser, im 17. Jahrhundert von Shah Jahan (der auch das Taj Mahal errichten ließ) erbaut, der damit auch Delhi gründete. Gegenüber, auf einem Hügel über dem Basar, thront Jama Masjid vom gleichen Erbauer: Die große Freitags-Moschee. Zusammen bilden sie das Herz von Old Delhi. Delhi liegt am Yamuna-River, dem heiligen Fluss, dessen Ursprung in Yamunotri und Mündung in den Ganges in Prayagraj ich erlebt habe. Am Raj Ghat am Fluss wurden 1948 die sterblichen Überreste von Mahatma Gandhi verbrannt. Heute als Gandhi Samadhi eine Gedenkstätte für den geistigen Vater des modernen Indien.

Der Akshardham-Tempel ist ein moderner hinduistischer Tempel-Großkomplex der neueren BAPS-Strömung. Trotz seiner gigantischen Ausmaße ist er beeindruckend schön gestaltet. Der Tempel ist außen aus rotem Sandstein und innen aus weißem Marmor. Den Sockel umfassen 148 unterschiedliche Elefantenskulpturen. Neben dem Tempel und den großen Außenanlagen gehören zum Besuch auch die Exhibition Hall mit Darstellungen des mythologischen und eines modernen Hinduismus mittels animierter Figuren, ein Filmtheater mit riesiger Leinwand, ein „Cultural Boat Ride“ durch die Kulturgeschichte Indiens und schließlich nach Sonnenuntergang die Wasser- und Lasershow! Ein spirituelles, hinduistisches Disney-Land. Das Mitbringen von Kameras, Handys und elektrischen Geräten in die Anlage ist allerdings untersagt. Die Kontrollen sind streng.