So wie die Tempelanlagen typische Elemente haben, kann (muss aber nicht) auch jeder Tempelbesuch einem typischen Ablauf folgen. Nach mehr als drei Dutzend Tempelbesuchen hat sich eine schöne Routine eingestellt: Die Anlage wird durch das Haupttor betreten. Am dafür bestimmten Becken erfolgt die rituelle Reinigung: Mit der rechten Hand wird Wasser aus der Kelle über die linke Hand gegossen. Dann mit der linken Hand über die rechte. Dann wird (symbolisch) der Mund gereinigt. Praktischer Weise verstohlen auch die verschwitzte Stirn des Pilgers. Die Kelle wird so zurückgelegt, dass noch etwas Wasser reinigend über den Griff läuft. Am Glockenturm einmal die große Tempelglocke läuten. Dem Klang lauschen und die Schwingungen spüren. Im Tempel-Office wird gegen eine kleine Gebühr der Besuch im eigenen (S)tempelbuch eingetragen: Mit drei großen roten Stempeln und einer schönen Tusche-Kalligraphie darüber. Eine langjährige lokale Pilgerin zeigt mir ihr Buch: Bei wiederholten Besuchen des gleichen Tempels gibt es keine neuen Einträge, sondern neben den bereits vorhandenen roten Stempeln werden weitere neue gesetzt. Zu besonderen Anlässen oder in besonderen Jahren gibt es außerdem besondere, andersfarbige Stempel. Zusätzlich zum Eintrag erhalte ich eine kleine Abbildung der Hauptgottheit des Tempels. Vor dem Hondo, der Haupthalle, werden ein paar Räucherstäbchen in den Kessel gedrückt, dann ein Osamefuda, ein vorgedruckter Zettel mit dem eigenen Namen, der Herkunft und dem Datum des Besuchs, in eine Box gelegt, eine kleine Münze in den Opferkasten geworfen und einmal der Gong geschlagen. Bei den meisten Tempeln wird die Halle (bzw. das Gebäude) nicht betreten sondern der Pilger steht davor und kann bestenfalls hinein sehen. Frisch und in adretter Pilgerkleidung aus ihren Autos gestiegene japanischer Pilger rezidieren die Mantras und chanten die Sutras die für den jeweiligen Tempel bzw. dessen Gottheit vorgesehen sind. Pudelnass von Schweiß oder Regen oder meist beidem und nach drei Wochen Fußmarsch irgendwie abgerissen, stelle ich mich dazu und höre zu. Zeit für die persönliche Andacht. An der Nebenhalle, Daishido, könnte dieser Ablauf wiederholt werden. Bei einem kleinen Spaziergang werden die weiteren Gebäude, Skulpturen und Besonderheiten des Tempels entdeckt. Und mit einem Vesper die Vielfalt japanischer Snacks.
Nach dem Sunday Market und den Sweet Riceballs zum zweiten Frühstück, wandere ich aus Kochi-City hinaus, durch die Vororte bis Tempel 33. Weiter bis Tempel 34 wird es wieder ländlicher, durch Felder von Dorf zu Dorf. In einem findet ein kleines Musik Open Air statt. Ich werde eingeladen für eine Pause dabei zu sein. Bis T 36 ist es wieder ein Tagesmarsch, schweißtreibend aber schön über einen Pass durch den Wald. Die Tempel (bzw ihre Büros) schließen um 17 Uhr. Mit dem Fahrrad der Unterkunft, ein paar Kilometer an Pazifikstränden entlang, kann ich ihn noch rechtzeitig erreichen.
Zwei weitere Tage sind es bis Tempel 37. Die Uranouchi Bay durchquere ich mit der kleinen Personenfähre. Das ist legitim denn auch Mönch Kukai soll das Boot benutzt haben. Die Überfahrt dauert eine knappe Stunde, ich bin der einzige Fahrgast. Aber am Ableger werde ich vorher vom Betreiberpaar vom Hostel John Man grandios verabschiedet! Am trotzdem noch langen Weg liegt immerhin der Bekkaku-Tempel 5. Ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert wurde er 1707 von einem Tsunami weggespült. Heute liegen das Office und die Nebenhalle an der Straße im Ort und der Glockenturm und die Haupthalle auf dem kleinen Plateau eines Hügels darüber. Weiter der Route 56 folgend, sind es auch die Tage der Straßentunnel. Der zunächst längste ist 966 Meter lang.










































