Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Japan).
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Neueste Beiträge:

  • Shikoku Henro, Tage 8 bis 11

    In den meisten buddhistischen Tempelanlagen des Henro, oder in ihrer unmittelbaren Nähe, gibt es auch kleinere oder größere Shinto-Schreine. Japanische Pilger bringen (mit etwas unterschiedlichen Ritualen) sowohl am buddhistischem Tempel, als auch am Shinto-Schrein Verehrung dar. Manche Tempel sollen in ihrer langen Geschichte mehrfach zwischen Buddhismus und Shintoismus gewechselt haben. Viele Shinto-Schreine oder andere Shinto-Heiligtümer sehe ich am Weg. Als Urreligion Japans war der Shintoismus hier schon Jahrhunderte verwurzelt, bevor der Buddhismus ab dem 6. Jahrhundert aus China importiert wurde. Verehrt werden zahlenmäßig unbegrenzte Kami: Heilige Kräfte in Bergen, Felsen, Bäumen, Wasserfällen, Ahnen, Herrscherlinien, lokalen Schutzgottheiten oder Alltagsgegenständen. Als sakral gekennzeichnet durch Shimenawa, das „heilige“ Strohseil oder Torii, das Shinto-Tor (durch das der Schrein leicht vom buddhistischen Tempel unterschieden werden kann). Es ist kein Widerspruch dass sich die große Mehrheit der Japaner zu beiden Religionen bekannt: Shintoismus mit Festen zu freudigen Anlässen für Schutz und gutes Leben im Diesseits, Buddhismus für Befreiung aus dem Leiden und Nirvana im Jenseits. Und noch etwas neues kommt hinzu: Im Hostel erzählt mir ein Japaner aus Osaka, dass es beliebt ist in Kapellen nach christlichem Ritus zu heiraten. Aber wichtig nach buddhistischem Ritus bestattet zu werden. Auch ich habe kein Problem damit, mein christliches Gebet am buddhistischen Tempel zu verrichten.

    Zunächst entlang der Landstraße, dann durch schöne Wälder, schließlich, ab Tempel 22 entlang der Landstraße Route 55, erreiche ich am späten Nachmittag die Kleinstadt Hiwasa. Und damit, nach acht Tagen und rund 160 Kilometern Berge, Hügel und Reisfelder, das was eine Insel ausmacht: Das Meer! Genauer gesagt den Pazifik an der Südostküste Shikokus. Der Ohama-Beach darf in den Sommermonaten bei Dunkelheit nicht betreten werden: Zum Schutz der Meeresschildkröten die dort ihre Eier ablegen. Über dem Ort liegt schön beleuchtet die Pagode von Tempel 23, Yakuo-ji, dem „Tempel des Medizinkönigs“.

    76 Kilometer liegen zwischen den Tempeln 23 und 24. Drei Tage stets entlang der Pazifikküste von Hiwasa zum Kap Muroto. Mit Übernachtungen bei Ozuna-Beach und Ikumi-Beach: Der Wirt erzählt, dass im Frühjahr und Herbst die Pilger kommen und im Sommer die Surfer. Ich bin antizyklisch unterwegs. Er selbst ist des Surfens wegen aus Osaka hierher gezogen. Der Pazifik ist aber offenbar nicht immer sportlich: In jedem Dorf gibt es Tsunami-Evakuierungspläne und -Rettungsorte. Im Wald über der Steilküste habe ich tolle Aussichten und treffe wieder auf Marderhunde, Hirsche, kleine Frösche und sehr große Tausendfüßler und die eine und andere Schlange. Kurz nach Indien auch wieder auf wild lebende Affen. Die japanischen haben aber offenbar keine Zueignungsabsichten. Die längsten Abschnitte hinweg folgt der Weg jedoch einfach der Route 55. Direkt an der Straße liegt immerhin Yasaka-ji: Von den 20 sog. Bekkaku-Tempel, separat gezählte Tempel die auch eine eigene Pilgerreise darstellen können, die Nummer vier. Seine Besonderheit sind zwei gewundene Tunnel als unterirdische Pilgerreisen: Im linken Tunnel können, entlang entsprechender Fotos, verschiedene buddhistische Pilgerziele abgeschritten werden. Ich erkenne auch meine Ziele in Indien und Nepal wieder. Im rechten Tunnel werden bildlich die 88 Tempel Shikokus abgeschritten, er endet in einem sehr schönen weiteren Tempel.

  • Shikoku Henro, Tage 4 bis 7

    In Nordindien habe ich an den Ursprungsorten des Buddhismus Buddhisten aus verschiedenen Ländern und Traditionen bei ihren unterschiedlichen Ritualen beobachtet. In Kathmandu tibetischen Buddhismus und in Mc Leod Gani die Tradition des Dalai Lama erlebt. Nun möchte ich mehr über den japanischen Buddhismus erfahren. Abgesehen von wenigen Ausnahmen stehen die Tempel am Pilgerweg nicht etwa in der Tradition des Zen-, sondern des Shingon- des sog. esoterischen Buddhismus. Vom Mönch Kukai nach einer Chinareise am Anfang des 9. Jahrhunderts (und damit mehrere Jahrhunderte vor dem Zen) in Japan und insbesondere in seiner Heimat Shikoku etabliert. Im Shingon-Buddhismus wird nicht nur der historische Buddha, sondern viele weitere Buddhas und Bodhisattvas verehrt. Aber alle gelten als Erscheinungsformen der einen kosmischen Wirklichkeit. So hat jeder Tempel sein eigenes Honzen, seine eigene Hauptverehrungsfigur.

    Der Abschnitt zwischen den Tempeln 11 und 12 gilt als einer der schwierigsten des Weges. Nr. 12, Shosan-ji, liegt in über 700 Meter Höhe und erfordert lange steile Anstiege. Zwischen den Übernachtungsorten sind, auf 16 Kilometern Distanz, 1.180 Höhenmeter zu bewältigen. Heute bei schwül-warmen Wetter. Aber es ist auch ein sehr schöner Abschnitt, in einem mystischen Wald mit vielen Skulpturen, kleinen Scheinen und schönen Aussichten. Am höchsten Punkt wartet Kukai unter der riesigen Zeder Joren-an. Und auch der Tempel ist von bis zu 500 Jahre alten Zedern umgeben.

    Die Tempel 13 bis 16 liegen in Vororten bzw am Stadtrand von Tokushima. So bringt mich der Tag zurück in die Stadt in der ich bereits nach der Anreise übernachtet habe. Zunächst, wieder im Wald, begleitet mich ein Kupferfasan ein kurzes Stück. Der japanische Marderhund hingegen fremdelt. Gegenüber Tempel 13, ursprünglich eine Einheit, liegt der schöne Shinto-Schrein Ichinomiya-Jinja mit lebensgroßen Pferdeskulpturen. Die Tempel 14, 15 und 16 kommen dann in dichter Folge bevor mich die Bahn ins Stadtzentrum zum Hostel bringt.

    In Tempel 17, Ido-ji, gibt es einen Brunnen der auch auf den Pilger-Mönch Kukai im 9. Jahrhundert zurückgehen soll. Wer beim Hineinblicken sein eigenes Spiegelbild sieht, dem wird eine glückliche Zukunft versprochen. Yes! Bis Tempel 18 führt der Weg entlang den Straßen wieder durch die Vororte der Stadt. Dann aber auch durch einen schönen Bambus-Wald. Bei Tempel 19 treffe ich überraschend den jungen Pilger aus LA, den ich bereits bei der ersten Übernachtung kennengelernt habe. Sonst sind wenig Menschen zu Fuß auf dem Weg. Auch bei meiner heutigen Übernachtung in der Pilgrims Lodge Oturu bin ich der einzige Gast. Aber die Gastgeberin hat bereits ein fantastisches japanisches Menü für mich vorbereitet!

    Drei besonders schöne Tempel an drei besonders schönen Orten erfordern drei besonders herausfordernde Aufstiege. Ein Abstecher vom Weg führt mich zunächst hoch zum kleinen Tempel am Hoshino-Iwaya Wasserfall. Vielleicht der schönste Ort am bisherigen Weg. Ein schmaler Pfad führt hinter den Wasserfall in eine kleine Höhle mit einem Schrein. Die Tempel 20 und 21 gelten, wie schon 12, als Nanshos, als schwer zugängliche Orte. Sie liegen auf gegenüber liegenden Berggipfeln. Und die Wege dort hin als Henro-Korogashi: Wo der Pilger stürzt. Aber auch diese Wege durch den Bergwald sind (ohne Sturz) zu bewältigen und lohnen sich. Vom letzten Berg soll mich die Seilbahn zum Übernachten ins Tal nach Wajiki bringen. Zu meiner Überraschung fährt die Seilbahn zunächst nicht nach unten sondern nach oben: Über den Gipfelsattel hinweg auf die andere Seite des Berges. Die Aussicht über die Berge bis zum Meer ist fantastisch. Und im Hotel wartet wieder ein Onzen.

  • Shikoku Henro, Tage 1 bis 3

    Klassische Pilgerwege und Pilgerziele der Weltreligionen: Ausschlaggebend für meine Reise nach Japan war zunächst der Shikoku Henro, bzw. 88-Tempel-Pilgerweg, der auf Shikoku, der viertgrößten Hauptinseln Japans, rund um die Insel 88 buddhistische Tempel und eine Vielzahl von Shinto-Schreinen miteinander verbindet. Ohne lohnende oder ungewollte Umwege soll die Strecke rund 1.150 Kilometer betragen. Historisch und in seiner Bedeutung im Buddhismus und im asiatischen Raum, ist der Shikoku Henro dem Jakobsweg im Christentum und in Europa durchaus ebenbürtig. Begründet wurde der Weg, oder zumindest einige Tempel am Weg, vom Mönch Kukai im 9. Jahrhundert. So besitzt das Pilgern auf Japanisch seine ganz eigenen Traditionen und Rituale. Ich freue mich darauf!

    Wenige Hundert Meter sind es vom Bahnhof der Kleinstadt Bando zum Tempel 1, Ryozen-ji. Wieder schließt sich für mich in gewisser Weise ein Kreis: Der Tempel ist nach dem Geierberg, Griddhakuta, benannt, an dem der historische Buddha meditierte und erstmals das Lotus-Sutra lehrte. Und den ich deshalb vor vier Monaten zu Beginn meiner großen Indienreise bestiegen habe. Im kleinen Pilger-Shop des Tempels kann ich mich mit der Grundausstattung für die Tempelbesuche versehen, insbesondere mit dem Nokyocho, dem Buch in dem jeder Tempelbesuch mit drei roten Stempeln und einer schönen Kalligrafie dokumentiert wird. Gleich hinter Tempel 1 führt mich ein Umweg zum schönen Shinto-Schrein Ooasahiko-Jinja und dem dahinter liegenden Park mit zwei „deutschen Brücken“, gebaut von deutschen Kriegsgefangenen während des ersten Weltkriegs. Am Umweg liegt auch das große German House. Neben Germany-Souvenirs aller Art, ist man stolz darauf, dass hier Beethovens neunte Sinfonie erstmals in Asien aufgeführt wurde. Die rund 1.000 deutschen Kriegsgefangene wurden offenbar fair behandelt und schlossen Freundschaften mit der lokalen Bevölkerung. Das ehemalige Lagergelände ist heute Park mit deutschen und japanischen Ehrenmalen und einem Mahnmal für Deutsch-Japanische Freundschaft. Zurück am Hauptweg gelange ich heute auch noch zu den Tempeln 2 bis 5.

    Neben den Tempeln 6 und 7 führt mich am zweiten Tag ein 2 x 5 km langer Abstecher zum schönen Tempel Taisan-ji (außerhalb der 88er Zählung), der sehr schön auf einem 450 Meter hohen Plateau mit einem 800 Jahre alten Gingko Baum liegt.

    Da ich nach wie vor nicht tätowiert bin, kann ich am Abend das erste Mal einen Onzen besuchen. Mit Tätowierungen ist der Besuch nach wie vor nicht gestattet. Im traditionellen heißen Thermalbad mit verschiedenen Innen- und Außenbecken und Saunen herrschen vorgesehene Abläufe und mannigfache Regeln, die nur in japanischen Schriftzeichen vorgetragen sind. Aber von den (außer mir ausschließlich) lokalen Besuchern lässt sich abschauen was zu tun und zu lassen ist. Zum Onzen gehört auch ein Restaurant. Jedes Essen in Japan ist mir ein Fest.

    Weiter führt der Pilgerweg durch Vororte, sehr stille Dörfer, Reisfelder und Obstplantagen. Highlights und nationale Kulturgüter Japans sind die Pagode des Tempels 10, von einem Samurai Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet, und die fast 900 Jahre alte geschnitzte Hauptgottheit des Tempels 11. Meine Herberge liegt am Tempel 11 aber damit etwas abseits. Mit einem Fahrrad der Herberge fahre ich am Abend in die Kleinstadt Kamojima, wieder Onzen und Abendessen im Ramen-Restaurant.