Herzlich willkommen!
Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
Schön, dass du dabei bist!
Welcome!
On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey (current: Indien).
Glad you’re here!
Neueste Beiträge:
- Tage 51 und 52 in Indien: Amritsar

Weitere 250 Kilometer fahre ich mit der Bahn durch den Punjab in Richtung Nordwest, nach Amritsar. Nur noch 30 Kilometer trennen mich dort von Pakistan. Die letzten Gefechte zwischen den leider verfeindeten Nachbarn in diesem Bereich sind noch kein Jahr her. Ich bleibe diesseits der Grenze. Amritsar: Das historische Hauptzentrum und bis heute spirituelle Zentrum des Sikhismus. Dort befindet sich Akal Takht, der höchste Sitz religiöser Autorität im Sikhismus und (in derselben Anlage) mit dem Harmandir Sahib, dem Goldenen Tempel, das wichtigste Pilgerziel der Sikhs. Nach dem Sahib Gurudwara in Patna, einem der fünf wichtigsten Tempel der Sikhs, am zweiten Tag meiner Reise, nun also, elf Wochen später, ihr wichtigster und prächtigster Tempel. Langsam schließt sich für mich der Kreis der Reise. In seinen Grundzügen stammt der Tempel aus dem 16./17. Jahrhundert. Die 400 Kilogramm Blattgold kamen später darauf. Verehrt wird keine Gottheit oder Skulptur, sondern die Lehre. Verkörpert durch die heiligen Schriften deren Originale hier aufbewahrt werden. Die (Leidens-) Geschichte der Sikh im Punjab ist lang. Im Jahr 1984 stürmte die indische Armee auf Anordnung von Premierministerin Indira Gandhi den Tempelkomplex weil sich dort Sikh-Separatisten verschanzt hatten. Die Kämpfe dauerten mehrere Tage und Nächte. Wieviel hunderte Tote es gab ist bis heute umstritten. Ausdrücklich in diesem Zusammenhang wurde die Premierministerin dann von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet. Beim folgenden bundesweiten Pogrom wurden wiederum etwa 2000 Sikhs getötet. Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen, den Kopf mit einem Tuch bedeckt, Füße und Hände gewaschen habe, bekomme ich Zugang und erlebe die Tempelanlage friedlich und, wie bei den Sikhs Standart, ruhig und würdig. Der Tempel liegt in einem künstlichen See. Die Wartezeit vor und auf dem Steg beträgt über eine Stunde. Aber es herrscht gelassene Ruhe. Bei knapp 40 Grad. Standard am Sikh-Tempel ist auch Langar: Kostenloses Essen für jeden der kommt. Am Goldenen Tempel sind es täglich mehrere zehntausend Mahlzeiten die zubereitet und ausgeben werden. Auch ich setze mich in die Reihen der großen Halle. In meinen Blechteller bekomme ich Dal und Reis, Gemüsecurry und Brot, Milchreis mit Früchten.
Mit dem Shri Durgiana Tempel haben auch die Hindus ein wichtiges Pilgerziel in Amritsar. Der jetzige Bau stammt aus dem frühen 20. Jhd. und ähnelt dem Goldenen Tempel frappierend. Offenbar wollte man den Sikhs nicht nachstehen. Sehr schön sind die Tore aus Silber. Anders als im Goldenen Tempel, wo wegen der Massen nur ein Durchgehen gestattet ist, kann ich mich hier zu den chantenten Gläubigen setzen und Mittags am Arati teilnehmen. Wie erstmals schon in Vrindavan und Mathura, entdecke ich auch in Amritsar ein Gaushala: Ein Kuhschutzheim. Wie eine karitative Einrichtung wird es vom „Komitee für den Dienst an der Kuh“ betrieben. So wie vor den Tempeln an Straßenständen die nötigen Opfergaben verkauft werden, kaufen vor dem Kuhasyl die Menschen vorbereitetes Gemüse, um es den Tieren aus der Hand zu füttern. „Alle Götter wohnen in der Kuh“. Die Gedenkstätte Jallianwala Bagh erinnert an ein Massaker an der Bevölkerung 1913: Die britischen Machthaber ließen das Feuer auf friedliche Demonstranten und feiernde Familien eröffnen, über Tausend Menschen starben. Geschichte wiederholt sich.
- Tage 48 bis 50 in Indien: Chandigarh

Als ich im Februar 2024 den Film „Kraft der Utopie – Leben mit Le Corbusier in Chandigarh“ im Kino gesehen habe, wusste ich noch nicht, ob ich die Stadt je erreichen kann. Nun hat eine achtstündige Bahnfahrt, durch Delhi und in den Norden, genügt. Nach der Teilung Indiens und des Punjab im Jahr 1947 sollte für den indischen Bundesstaat Punjab am Fuß des Himalaya eine neue Hauptstadt entstehen. Auf besonderen Wunsch des Ministerpräsidenten wurden Planung und Architektur dem modernen schweizerisch-französischen Architekten Le Corbusier übertragen, der damit sein Lebenswerk vollendete. Chandigarh, kein Pilgerziel für Gläubige sondern für Architekten. Auch wenn der Beton inzwischen bröckelt.
Neben der Stadtplanung war Le Corbusier als Architekt für das Regierungsviertel The Capitol Complex verantwortlich. Heute ist es UNESCO-Weltkulturerbestätte. Seine Utopie, dass sich das Volk in den weiten Flächen und auf dem künstlichen Hügel Geometric Hill zwischen den Regierungsgebäuden tummelt, während die Regierenden in den Gebäuden das ihrige tun, hat sich so nicht erfüllt: Nur auf Anmeldung und nach einer Sicherheitsüberprüfung ist das abgeriegelte Areal in einer kleinen Gruppe zugänglich.
„Chandigarh – The City Beautiful“: Tatsächlich ist die erste Planstadt Indiens anders, als jeder Ort den ich bisher in Indien gesehen habe. Sie ist in Sektoren geplant, die zum Wohnen mit den Grunderfordernissen dienen oder spezielle Zwecke haben. In den Sektoren leben die Menschen in Wohnungen und nicht in Ruinen oder auf der Straße. Es gibt genug Platz für alle. Zwischen den Sektoren verlaufen vier- oder sechsspurige Straßen mit Rad- und Gehwegen (alles mit Grünstreifen voneinander getrennt), die sich in großflächigen Kreisverkehren treffen. Es gibt offene Plätze und große Grünflächen. Kinder betteln nicht sondern planschen in Springbrunnen.
Die Sikhs sind im sonst eher säkularen Stadtbild präsent. Zum Gedenktag für ihren 10. Guru Gobind Singh wird eine Prozession veranstaltet. Einer der mitgeht erklärt mir, dass der Umzug wichtig für sie ist, weil sie keinen großen Tempel in der Stadt haben. Im Gegensatz zum strengen modernen Chandigarh von Le Corbusier steht der verspielte Rock Garden von Nek Chand aus den 1960er Jahren. Ursprünglich heimlich aus Bauschutt und Restmaterialien des Städtebaus gebaut, ist er heute Ausflugsziel vor allem für Familien. The Rose Garden soll der größte seiner Art in Asien sein und ist offen für alle. Ein schönes Naherholungsgebiet ist der Suknah Lake am Rand der Stadt, vor den ersten Ausläufern des Himalaya.
- Tage 45 und 46 in Indien: Mathura

Mathura, nur eine 45-minütige TukTuk Fahrt von Vrindavan entfernt, ist ebenfalls Stadt Krishnas: Bevor die Gottheit, nach der Mythologie, Kindheit, Jugend und insbesondere die Liaison mit seiner ewigen Gefährtin Rada in Vrindavan verbracht hat, wurde er in Mathura geboren. Bekanntlich in einer Gefängniszelle. Deshalb ist der Kern des großen Krishna Janmasthan Temple Complex wie eine kleine Festung/Gefängnis gestaltet. Ein enger, verwinkelter Gang führt zur „Zelle“ die den eigentlichen Ort der Geburt entsprechen soll. Daneben gibt es einen großen Haupttempel aus dem 20. Jhd. und mehrere kleinere im Komplex. Gegen ein kleines Eintrittsgeld können, einer Volksfestattraktion nicht unähnlich, wieder farbenfrohe Darstellungen aus dem Leben Krishnas bewundert werden. Aber auch das (Miss-) Verhältnis zwischen den Religionen ist erkennbar: Die höchste Außenmauer und Stacheldraht trennen den Tempel von der benachbarten großen Moschee. Das ganze Gelände wird geradezu militärisch gesichert. Handys und andere elektronische Geräte dürfen in den Komplex erst gar nicht hineingebracht werden, die Kontrollen sind streng.
Den zweiten Tag in Mathura verbringe ich in meinem Zimmer: Ein Verdauungsinfekt gehört vielleicht auch zu jeder Indienreise. Dass es mich noch so massiv erwischen wird, hätte ich nach über zwei Monaten nicht mehr gedacht. Der Infekt ist nach zwei Tagen ausgestanden. Die Zahnschäden nach dem Sturz wegen Dehydrierung werden mir bleiben.































































































