Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
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Neueste Beiträge:

  • Tage 81 und 82 in Indien: Char Dham IV – Badrinath

    Letzte Etappe meiner Char Dham Yatra ist der Tempel in Badrinath. Relativ einfach: Ort und Tempel sind mit dem Bus direkt erreichbar. Obwohl Sonprayag und Badrinath Luftlinie nur etwa 40 km voneinander entfernt sind, ist die Fahrt über Pässe und durch das Tal des Alaknanda wieder 230 km lang. Es erfordert kumuliert mehr als 9.200 Höhenmeter aufwärts um das Ziel auf 3.100 Meter zu erreichen. In Bus lasse ich mich von drei Heranwachsenden befragen. Sie selbst kommen aus Kerala, ganz im Süden Indiens, haben aber nur für die halbe Char Dham Zeit und wollen auf der Rückreise noch nach Varanasi. Der Höhe entsprechend ist es auch in Badrinath lausig kalt. Weder die Länge der Warteschlange noch die voraussichtliche Wartezeit lässt sich am Ende der Schlange zum Tempel abschätzen. Mir scheint zunächst dass es ruhiger als in Kedarnath ist und so stellt ich mich ohne Schuhe ans Ende der Schlange. Nach 1 1/2 Stunden kann ich einen Becher heiße Milch kaufen, die die eiskalten Füße jedoch nicht erreicht. Nach knapp 3 1/2 Stunden erreiche ich das Gedränge vor dem Tor des Tempels. Nochmal der Vergleich: In Europa habe ich solche Massen von Menschen weder im Heiligen Jahr 2025 in Rom, noch im Heiligen Jahr 2022 in Santiago de Compostela erlebt. In Indien sind es ganz normale Tage an Tempeln auf über 3.000 Meter Höhe im Himalaya. Auch die indischen Pilger haben eiskalte Füße, nehmen das aber genauso als gegeben hin wie die stundenlangen Wartezeiten, die tagelangen schwierigen Busfahrten und die chaotischen Aufstiege. Wichtig ist ihnen Darshan: Der kurze Augenblick in dem sie der Gottheit im Tempel in die Augen sehen und von der Gottheit gesehen werden. Um dann von den Nachdrängenden wieder hinausgeschoben zu werden. Bis zum Tor des Tempels stehen sie (und ich) dafür ruhig an. Nur als ein paar Heranwachsende sich durch die gespannten Seile nach vorne mogeln wollen, wird es ausgesprochen unruhig. Eine Frau wirft einen Stein. Im Badrinath-Tempel wird Vishnu verehrt, der Tempel ist eines der wichtigsten Vishnu-Heiligtümer Indiens. Im großen Innenhof hinter der farbenfrohen Fassade steht der eigentliche Tempel aus Granit aus dem frühen 19. Jahrhundert.

    Mir selbst ist Darshan nicht wichtig und ich gehe auch nicht davon aus durch die Char Dham Yatra einen Kreislauf von Wiedergeburten zu durchbrechen. Aber es berührt mich, dass ich diese vier heiligen Orte, die Quelle der Yamuna in Yamunotri, den Oberlauf des Ganges in Gangotri, das Shiva-Heiligtum in Kedarnath und das Vishnu-Heiligtum in Badrinath, zu denen Menschen mythologisch bereits ewig, nachweislich mindestens seit dem 8. Jahrhundert kommen um ihre Spiritualität zu leben und ihrem Gott nahe zu sein, ebenfalls besuchen durfte. Auf die gleiche Weise wie der indische Pilger heute. Nur mit entspannterem Zeitansatz: 11 Tage sind es geworden plus drei fantastische Tage Trek nach Gaumukh und Tapovan. Und 1.330 Kilometer haarsträubende Busfahrten.

  • Tage 78 bis 80 in Indien: Char Dham III – Kedarnath

    Der Pilger soll sich kasteien. Wer den Kedarnath-Tempel auf 3.600 Meter Höhe erreichen (und wieder verlassen) will, erfährt tagelange Kasteiung. Optimistisch steige ich nach der Zwischenübernachtung in Uttarkashi in den Bus zum Ausgangsort Sonprayag (260 km). Doch aus unerfindlichen Gründen fährt der Bus nur 160 Kilometer bis Srinagar. Einigen indischen Mitfahrern (wie immer bin ich der einzige Nicht-Inder im Bus), von denen ich weiß dass sie dasselbe Ziel haben, hinterher, springe ich in den nächsten Bus. Sitzplätze gibt es nicht mehr. Die Straße folgt in diesem Bereich schön dem breiten Lauf des Alaknanda-River, der aus Badrinath (letzte Station meiner Char Dham) kommt und sich flussabwärts mit dem Bhagirathi zum Ganges vereinigen wird. Doch eine Stunde und 30 km weiter, in Rudraprayag, endet auch diese Fahrt. Ein „Shared Jeep“ muss organisiert werden. Es hat sich eine Art Pilgergruppe zusammen gefunden. Ich wecke Neugier und da sich der Fahrpreis des Einzelnen mit der Anzahl der Mitfahrer reduziert, bin ich weiterhin gern gesehen. Zu zehnt quetschen wir uns in den kleinen Van. Auf der überfüllten Bergstraße pflegt der Fahrer eine robuste Fahrweise. Aber einige Kilometer vor Sonprayag geht nichts mehr: Der Rückstau vom Ortseingang bringt den Verkehr komplett zum Erliegen. Es dauert lang bis ich meine Mitfahrer davon überzeugen kann das Gepäck vom Dach zu holen und die letzten zwei bis drei Kilometer zu Fuß zu gehen, statt eingeängt open end im Jeep zu verharren. Indische Denkweise wäre das Gegenteil. Nach 15 Stunden komme ich in Sonprayag an. Der Höhenunterschied zwischen Start und Ziel beträgt nur 700 Meter. Aber über die Bergpässe waren es für Fahrzeuge und mich über 5.000 Höhenmeter aufwärts. Eine weitere Stunde kletter ich in der Dunkelheit an Hängen herum: Wieder einmal hat die Lagebezeichnung des Homestay in der App mit der Realität nichts zu tun.

    Der Aufstieg zum Kedarnath-Tempel, von 1.700 auf knapp 3.600 Höhenmeter, erfolgt (sofern man sich nicht tragen lässt) zu Fuß. Zunächst durch den Ort, dann vier Kilometer entlang einer von Shuttle-Jeeps überfüllten und blockierten Straße, zum eigentlichen Startpunkt des Tracks. Landschaftlich wunderschön folgt der Weg dann 18 Kilometer der Schlucht des Mandakini-River in nicht enden wollenden Serpentinen steil nach oben. Und ist wieder völlig überfüllt. Wie in Yamunotri verschaffen sich Träger (von Menschen) und Führer von Pferden (bzw Maultieren) die Menschen tragen, schreiend und stoßend ihre Bahn. Die Fußpilger drängeln und schieben sich dazwischen gegenseitig. Mein persönliches Handicap ist mein komplettes Reisegepäck auf dem Rücken. Also stoisch, Schritt für Schritt immer weiter. Mitten im Gedränge fragt mich ein junger Mann (nach dem üblichen „where you come from?“) wie mir der Trak gefällt. Meine ehrliche Antwort fällt nicht wie erwartet aus. Ob es wohl mein erster Trek in Indien sei? (eigentlich nicht). Was „normal“ ist, ist eine Frage der Maßstäbe. Und Indien hat seine eigenen Maßstäbe. Am späten Nachmittag, bei leichtem Schneefall, ist das Tempeldorf erreicht.

    Mehr als zwei Stunden heißt es dann für den Zugang zum Tempel anzustehen. Wegen der Kälte gilt es die Schuhe möglichst kurz vor dem Zutritt durch die Gitter des Wartebereich nach außen zu bugsieren. Aber so, dass sie nachher wieder gefunden werden können. Die Pilgerschaft nach Kedarnath und Badrinath soll auf Adi Shankaracharya zurückgehen, einem großen hinduistischen Philosophen und Reformator des 8. Jahrhunderts. Sein Grab wird hinter dem Tempel vermutet. Der heutige massive Tempel aus dem 18. Jahrhundert hat auch innen ein schönes Gewölbe aus Granit. Verehrt wird hier Shiva, nicht als Lingam sondern in einer unregelmäßigen Steinform. In einem der Camps die das Dorf umgeben, habe ich mir ein kleines Zelt gemietet. Da es für max. drei Personen angeboten wird, finde ich drei warme Decken darin. Und komme damit gut durch die Nacht.

    Am Vormittag ist die Schlange zum Tempel nochmal deutlich länger und zieht sich durch das ganze Dorf. Immerhin ist es wieder sonnig. Ob die Menschen wissen, dass sie den halben Tag warten werden? Jedenfalls hat das keine große Relevanz.

  • Tage 75 bis 77 in Indien: Gaumukh und Tapovan

    Gaumukh: Die Quelle des Heiligen Fluss Ganges (Bhagirathi) im Nordwesten des Himalaya auf knapp 4.100 Höhenmeter. Tatsächlich ist es keine Quelle sondern das Tor (Gaumukh: Kuhmaul) des Gangotri-Gletschers, aus dem das Wasser sichtbar austritt. Meines Erachtens der heiligste Ort im Hinduismus. Seit ich vor vier Jahren begonnen habe über die Ziele dieser Reise nachzudenken, stand Gaumukh auf der Wunschliste immer ganz oben. Und gleichzeitig blieb immer offen, ob ich es, abhängig vom Winterende, organisatorisch und physisch dort hin schaffen kann. Ab Gangotri wird es realistisch: Das Ziel liegt im Gangotri National Park. Für den Aufstieg benötige ich eine Erlaubnis. Und für die Erlaubnis den Nachweis einer internationalen Krankenversicherung, ein Gesundheitszertifikat (kurze Untersuchung), sowie einen zertifizierten Guide. Im ersten Gespräch eröffnet mir der Guide, Anuj, die Option über Gaumukh hinaus nach Tapovan auf knapp 4.500 HMR aufzusteigen. Ein alter Ort der Askese, direkt am 2.000 Meter höheren Shivling, dem Berg Shivas. Dann dauert der Treck, statt zwei bis drei, drei bis vier Tage. Ich denke etwas darüber nach. Aber wie oft werde ich eine solche Möglichkeit noch haben?

    Vom Start ab folgt der Weg hoch oben der Schlucht des Flusses und bietet wunderbare Blicke auf die 5.000 bis 6.000 Meter hohen Gipfel zu beiden Seiten. Kontinuierlich geht es nach oben: Am ersten Tag von 3.050 (Gangotri) auf 3.800 Meter. Nur wenige Menschen sind auf dem Weg, es ist sonnig und ruhig. Zwei kurze Bereiche müssen wegen höherer Steinschlaggefahr zügig durchquert werden. Gegen Mittag öffnet sich der Blick auf den 6.000 m hohen Berg Nandi. Wie der Stier und Begleiter vor dem Tempeln Shivas, steht er auch hier vor dem Shivling, den wir morgen erreichen wollen. Das „Blue Sheep“, das nur in den hohen Regionen Indiens, Tibets und der Mongolei vorkommt, zeigt sich überraschend nahe. Da es hier am Berg Shivas lebt, wird es als Tier Shivas verehrt und hat vom Mensch nichts zu befürchten. Erster Etappenort (bzw. einziger Ort am Treck) ist die kleine Ansiedlung Bhojwasa. Übernachtet wird in den niedrigen Steinhütten des Shri Ram Baba Yogashram. Es schneit und ist eiskalt. Entgegen den Gepflogenheiten darf ich mich in die Küchenhütte, die ich als einzig wärmeren Platz ausmache, auf den Boden setzen und sehe zu wie drei Männer, ebenfalls auf dem Boden, mit einfachsten Mitteln das Abendessen zubereiten. Und unzählige Naan Brote backen. Gegessen wird mit allen ebenfalls in der Küche, auf dem Boden, ohne Besteck. Dass ich bei Dal mit Reis kapituliere, löst wieder einmal Erheiterung aus. Ob ich wirklich nicht gelernt habe ohne Besteck nur mit der rechten Hand zu essen?

    Am Morgen lässt die intensive Sonne die Kälte vergessen. Zunächst muss mit einer, mit Muskelkraft betriebenen, Lastenseilbahn der Fluss überquert werden. Die höher gelegene Eisbrücke ist vor einigen Jahren eingestürzt. Nahe dem Fluss folgt der Weg weiter durch die einzigartige Landschaft, die der geschaffen hat, nach oben. Am Abzweig nach Gaumukh erklärt Anuj dass es besser ist dort morgen, im Abstieg, hin zu gehen. Ich bin etwas enttäuscht aber er wird wissen warum. Kurz darauf sehe ich die Gletscherzunge von oben und wähne mich so doch am Ziel meiner Reise. Technisch wäre der Aufstieg bis hier her wohl auch ohne Guide möglich gewesen. Aber Anuj gibt mir Sicherheit und hat ein digitales Funkgerät mit dem er regelmäßig unseren Standort durchgibt. Über 4.000 Meter Höhe ändert sich der Charakter des Weges. Bzw. es gibt keinen definierten Weg mehr. In Geröllfeldern muss, wegen hoher Steinschlaggefahr, vorsichtig aber möglichst schnell und ohne Pause steil nach oben gestiegen werden. Die Luft ist dünn! Ohne Guide wäre der Aufstieg nicht mehr zu verantworten. Ein gut gelaunter Sadu schließt sich uns an. Auch er wird wissen dass es besser ist nicht allein zu gehen. Tapovan erreichen wir gerade rechtzeitig zum Lunch im kleinen Moni Baba Ashram. Übernachtung auch hier auf knapp 4.400 Meter Höhe in einer niedrigen Steinhütte. Heute Boden statt Pritsche. Aber der Blick auf den direkt gegenüber liegenden Berg Shivling und die umgebenden weiteren 6.000er ist faszinierend schön. Der Gletscher darunter ist von Staub und Geröll grau. Und es ist erkennbar, dass er schrumpft und sich zurück zieht. Baba lebt hier seit 2008 in seiner Steinhütte. Sommer wie Winter. In Winter kann er die Hütte oft nicht verlassen, nicht wegen der minus 35 Grad sondern wegen „high-speed-wind“. Wie für Sadus seit Jahrhunderten, ist der Platz am Berg Shivas für ihn heilig. Und er genießt die einzigartige Natur.

    Am Morgen liegt wieder Eis auf den Wasserbehältern und über dem Bach. Aber die Sonne scheint zuverlässig. Nochmal kurz hoch zum Shiva-Heiligtum am höchsten Punkt, dann der Abstieg über die Geröllfelder. Das letzte Stück nach Gaumukh gehen wir bequem über einen flachen weißen Sand-„Strand“: Gestein das der Fluss über Jahrtausende zermahlen hat. Am Kuhmaul, dem Ursprung des Ganges, ist es am Vormittag erstaunlich ruhig. Eine halbe Stunde habe ich den besonderen Platz für mich allein. Etwa zwei Kilometer flussabwärts verweist Anuj auf einige Felsen im Flussbett: „old Gaumukh“. Vor ca. 20 Jahren war die Gletscherzunge noch dort. Bereits am Mittag erreichen wir wieder Bhojwasa. Da das Wetter für den Abstieg optimal ist, entscheide ich mich gegen eine weitere Nacht in der Kälte. Der Abstieg gelingt gut, Gangotri ist am späten Nachmittag erreicht.