Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Indien).
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Neueste Beiträge:

  • Tage 60 und 61 in Indien: Triund Hill

    Auf 1.700 Meter Höhe über dem Kangra-Tal in den Voralpen des Himalaya gelegen, ist McLeod Gani guter Ausgangspunkt verschiedener Trecks in die Berge. Die, wohl zu Recht, populärste Tour führt auf den Triund Hill und verspricht tolle Blicke auf die dahinter liegende Dhauladhar-Kette. Ich will nicht nur zum Triund Plateau, sondern hoch bis zum Gipfel und entscheide mich deshalb für die zweitägige Variante. Wozu schleppe ich sonst seit drei Monaten ein Zelt mit mir herum? Anders als in Nepal mit seinen farbenfrohen Wäldern, ist es hier bereits ab 2.000 Metern Höhe trocken und karg. Das Plateau auf 2.850 Meter bietet die letzten Möglichkeiten für Einkehr und Übernachtung. Es herrscht reges Treiben. Und es gibt auch genügend Platz für Cricket. Das Ziel der Wenigen, die weiter gehen, ist Snowline, der Beginn der Schneefelder. Selfies im Schnee sind in Indien begehrt. Ab hier bin ich auf den letzten hundert Höhenmetern allein. Technisch ist die Tour, vielleicht abgesehen vom Grat unter dem Gipfel, nicht schwierig. Aber 1.890 Höhenmeter auf 10,5 Kilometer wollen bestiegen werden. Auf dem kleinen Gipfelplateau finde ich einen hinduistischen Schrein und ein offenes Dach. Ob das Dach zum Tempel gehört oder eine Art Shelter ist, ist unklar. Als ich auch bei Einbruch der Dunkelheit noch allein bin, entscheide ich auf Shelter und baue mein Zelt darunter auf. Auf 3.280 Metern Höhe sitze ich den 4.500 Meter hohen Gipfeln der Dhauladhar-Kette direkt gegenüber. Preis für den Sonnenuntergang und -aufgang sind nicht Auf- und Abstieg, sondern die eiskalte Nacht dazwischen.

  • Tage 54 bis 61 in Indien: McLeod Ganj

    Vier Wochen nach Pokhara in Nepal erreiche ich wieder den Himalaya. Diesmal im äußersten Norden Indiens. Mit dem Bus (200 km, 5 1/2 Stunden, die Federung ist komplett durch) komme ich von Amritsar nach McLeod Ganj: Ursprünglich ein kleines Dorf auf 1.700 Meter Höhe in den Steilhang gebaut. Aber nach seiner Flucht aus Tibet seit 1960 Exil des Dalai Lama, Sitz der tibetischen Exilregierung und Zuflucht mehrerer tausend Exil-Tibeter. Klein-Tibet in Indien! Es gibt keine historischen Heiligtümer, aber der Ort ist geprägt vom Sitz und persönlichen Tempel, Tsuglagkhang-Komplex, des Dalai Lama am Ortsrand, vielen tibetisch-buddhistischen Klöstern, Schulen und Einrichtungen und buddhistischen Mönchen und Nonnen im Straßenbild. Der Tempel seiner Heiligkeit ist zugänglich und viel besucht. Ruhig ist es am Umrundungsweg Kora Circuit. Etwas unterhalb vom Dorf ist der Sitz der Exilregierung mit Verwaltung, Ministerien und dem Parlament. Und dem gut gestalteten Tibet Museum.

    Für eine öffentliche Audienz, blessing line, beim 14. Dalai Lama kann ich mich nicht registrieren. Es finden wohl nicht mehr viele statt. Aber zur monatlichen Long-Life-Prayer-Zeremonie im Haupttempel bekomme ich Zugang. Bei seiner Ankunft (aus der gegenüber liegenden Residenz), der Begrüßung und Verabschiedung, stehe ich seiner lächelnden Heiligkeit plötzlich überraschend nahe. Die Zeremonie im Tempel verfolge ich mit vielen Menschen auf der Großbildleinwand. Buttertee und Biskuits werden auch uns gereicht. Die Zeremonie ist ein gelebtes Beispiel für die tibetisch buddhistische Gelugpa Tradition des Dalai Lama, mit der ich mich im Museum nur theoretisch befasst habe. Und gleichzeitig erinnert mich die Veranstaltung an die Pilger-Audienz bei Papst Leo XIV. im vergangenem Jahr. Elektronische Geräte dürfen nicht mitgebracht werden. Aber das Office seiner Heiligkeit (OHHDL) stellt einen live Mitschnitt zur Verfügung. Daraus stammen meine Bilder:

    Bilder: OHHDL

    Ich besuche den Musikabend im tibetischen Kulturinstitut. Es wird betont dass es nicht nur um Musik oder Folklore geht, sondern um die Bewahrung der Identität eines Volkes durch seine Kultur. Der buddhistische Gaden Jangtse Lahmo Khang Tempel ist zwischen den beiden Hauptgassen des Dorfes eingezwängt. Zunächst ist er nur eine Hülle für einen großen Stupa. Der eigentliche kleine Tempel steht wie ein Penthouse auf dem Dach. Wanderungen durch den Wald und die Nachbardörfer bringen mich zur protestantischen neugotischen Kirche St. John in the Wilderness mit einem kleinen christlichen Friedhof aus dem 19. Jhd. mitten im Wald, zum Bhagsu Naag Tempel der der mystischen Schlangengottheit geweiht ist die auch Herrin über das Wasser ist, es darf gebadet werden, zum Wasserfall in der Schlucht dahinter und zu einem weiteren einsamen Naag Tempel.

  • Tage 51 und 52 in Indien: Amritsar

    Weitere 250 Kilometer fahre ich mit der Bahn durch den Punjab in Richtung Nordwest, nach Amritsar. Nur noch 30 Kilometer trennen mich dort von Pakistan. Die letzten Gefechte zwischen den leider verfeindeten Nachbarn in diesem Bereich sind noch kein Jahr her. Ich bleibe diesseits der Grenze. Amritsar: Das historische Hauptzentrum und bis heute spirituelle Zentrum des Sikhismus. Dort befindet sich Akal Takht, der höchste Sitz religiöser Autorität im Sikhismus und (in derselben Anlage) mit dem Harmandir Sahib, dem Goldenen Tempel, das wichtigste Pilgerziel der Sikhs. Nach dem Sahib Gurudwara in Patna, einem der fünf wichtigsten Tempel der Sikhs, am zweiten Tag meiner Reise, nun also, elf Wochen später, ihr wichtigster und prächtigster Tempel. Langsam schließt sich für mich der Kreis der Reise. In seinen Grundzügen stammt der Tempel aus dem 16./17. Jahrhundert. Die 400 Kilogramm Blattgold kamen später darauf. Verehrt wird keine Gottheit oder Skulptur, sondern die Lehre. Verkörpert durch die heiligen Schriften deren Originale hier aufbewahrt werden. Die (Leidens-) Geschichte der Sikh im Punjab ist lang. Im Jahr 1984 stürmte die indische Armee auf Anordnung von Premierministerin Indira Gandhi den Tempelkomplex weil sich dort Sikh-Separatisten verschanzt hatten. Die Kämpfe dauerten mehrere Tage und Nächte. Wieviel hunderte Tote es gab ist bis heute umstritten. Ausdrücklich in diesem Zusammenhang wurde die Premierministerin dann von ihren Sikh-Leibwächtern ermordet. Beim folgenden bundesweiten Pogrom wurden wiederum etwa 2000 Sikhs getötet. Nachdem ich meine Schuhe ausgezogen, den Kopf mit einem Tuch bedeckt, Füße und Hände gewaschen habe, bekomme ich Zugang und erlebe die Tempelanlage friedlich und, wie bei den Sikhs Standart, ruhig und würdig. Der Tempel liegt in einem künstlichen See. Die Wartezeit vor und auf dem Steg beträgt über eine Stunde. Aber es herrscht gelassene Ruhe. Bei knapp 40 Grad. Standard am Sikh-Tempel ist auch Langar: Kostenloses Essen für jeden der kommt. Am Goldenen Tempel sind es täglich mehrere zehntausend Mahlzeiten die zubereitet und ausgeben werden. Auch ich setze mich in die Reihen der großen Halle. In meinen Blechteller bekomme ich Dal und Reis, Gemüsecurry und Brot, Milchreis mit Früchten.

    Mit dem Shri Durgiana Tempel haben auch die Hindus ein wichtiges Pilgerziel in Amritsar. Der jetzige Bau stammt aus dem frühen 20. Jhd. und ähnelt dem Goldenen Tempel frappierend. Offenbar wollte man den Sikhs nicht nachstehen. Sehr schön sind die Tore aus Silber. Anders als im Goldenen Tempel, wo wegen der Massen nur ein Durchgehen gestattet ist, kann ich mich hier zu den chantenten Gläubigen setzen und Mittags am Arati teilnehmen. Wie erstmals schon in Vrindavan und Mathura, entdecke ich auch in Amritsar ein Gaushala: Ein Kuhschutzheim. Wie eine karitative Einrichtung wird es vom „Komitee für den Dienst an der Kuh“ betrieben. So wie vor den Tempeln an Straßenständen die nötigen Opfergaben verkauft werden, kaufen vor dem Kuhasyl die Menschen vorbereitetes Gemüse, um es den Tieren aus der Hand zu füttern. „Alle Götter wohnen in der Kuh“. Die Gedenkstätte Jallianwala Bagh erinnert an ein Massaker an der Bevölkerung 1913: Die britischen Machthaber ließen das Feuer auf friedliche Demonstranten und feiernde Familien eröffnen, über Tausend Menschen starben. Geschichte wiederholt sich.