Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Japan).
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Neueste Beiträge:

  • Shikoku Henro, Tage 12 bis 15

    Die Tempel am Weg sind keine einzelne Tempelgebäude sondern mehr oder weniger große Tempelanlagen, oft auf einem Berg oder am Hang auf verschiedenen Ebenen gebaut. Alle sind unterschiedlich aber sie haben typische Elemente:

    Die Anlage wird durch ein Tor, Nio-mon, betreten, an dem die beiden Tempelwächter A-Gyo und Un-Gyo nur die passieren lassen die reinen Herzens sind und böse Elemente abwehren. Zuweilen gibt es ein inneres, zweites Tor. Chozuya ist das Becken mit Kellen für die rituelle Reinigung. Im Glockenturm Shoro, manchmal auch im Tor, hängt die Tempelglocke. Das Tempel-Office, Nokyosho, ist wichtig für die Einträge im Stempelbuch. Manchmal hat es auch einen kleinen Shop. Im Hondo, der Haupthalle bzw dem Haupttempel wird die jeweilige Schutzgottheit des Tempels verehrt. Daishidō ist die meist kleinere Halle in der der Pilgermönch Kukai verehrt wird. Unverzichtbar ist offenbar mindestens eine Kukai-Statue. Viele Tempel haben darüber hinaus eine Pagode, die meisten einen kleinen oder auch großen Shinto-Schrein. Und in jeder Anlage gibt es noch mehr zu entdecken: Weitere Tempelhallen, Schreine, Statuen, insbesondere Jizo, die Schutzfiguren für Kinder und Reisende die rote Lätzchen oder Mützen als Opfergaben tragen, Wasserfälle, Teiche, Gärten…

    Wieder im Regen gehe ich am Morgen die letzten Kilometer zum Kap Muroto. In einer kleinen Höhle soll Kukai hier meditiert und schließlich Erleuchtung gefunden haben. In der Nachbarhöhle steht ein kleiner Shinto-Schrein. Durch den Wald führt der Aufstieg zu Tempel 24 über dem Kap. Tempel 25 ist leicht zu erreichen, 26 wieder nur mit einem heftigen Anstieg im Wald. Dazwischen liegt weiter die Route 55.

    Zwei Tage zwei Tempel. Aber besonders schöne. T27, Konomine-ji, „Tempel des göttlichen Gipfels“, liegt wieder 450 Meter über der Küste, der Aufstieg gilt als Sekisho, als spiritueller Kontrollpunkt. Es ist der Familientempel des Mitsubishi-Gründers Yataro Iwasaki.

    Küche und Esszimmer des traditionellen Guesthouse in Aki verwandeln sich drei Mal in der Woche in ein Pub. Barkeeper ist ein Amerikaner der wohl irgendwie hängen geblieben ist und den Henro inzwischen vier Mal komplett gegangen ist. Die japanische Inhaberin freut sich über die Gäste: Eine junge amerikanische, ein junger dänischer und der älter gewordene fränkische Pilger und immerhin eine Japanerin aus dem Ort.

    Zenraku-ji, Tempel 30, liegt bereits am Stadtrand von Kochi. Eindrucksvoller als der buddhistische Tempel ist allerdings der direkt daneben liegende Shinto-Schrein Tosa Jinja, eigentlich eine Schrein-Anlage. Zehn Tage nach Tokushima, d.h. zehn ruhige Tage an der Küste, zwischen Bergen und Reisfeldern, erreiche ich mit Kochi-City wieder eine Stadt. Beide sind die Hauptstädte der gleichnamigen Präfekturen.

  • Shikoku Henro, Tage 8 bis 11

    In den meisten buddhistischen Tempelanlagen des Henro, oder in ihrer unmittelbaren Nähe, gibt es auch kleinere oder größere Shinto-Schreine. Japanische Pilger bringen (mit etwas unterschiedlichen Ritualen) sowohl am buddhistischem Tempel, als auch am Shinto-Schrein Verehrung dar. Manche Tempel sollen in ihrer langen Geschichte mehrfach zwischen Buddhismus und Shintoismus gewechselt haben. Viele Shinto-Schreine oder andere Shinto-Heiligtümer sehe ich am Weg. Als Urreligion Japans war der Shintoismus hier schon Jahrhunderte verwurzelt, bevor der Buddhismus ab dem 6. Jahrhundert aus China importiert wurde. Verehrt werden zahlenmäßig unbegrenzte Kami: Heilige Kräfte in Bergen, Felsen, Bäumen, Wasserfällen, Ahnen, Herrscherlinien, lokalen Schutzgottheiten oder Alltagsgegenständen. Als sakral gekennzeichnet durch Shimenawa, das „heilige“ Strohseil oder Torii, das Shinto-Tor (durch das der Schrein leicht vom buddhistischen Tempel unterschieden werden kann). Es ist kein Widerspruch dass sich die große Mehrheit der Japaner zu beiden Religionen bekannt: Shintoismus mit Festen zu freudigen Anlässen für Schutz und gutes Leben im Diesseits, Buddhismus für Befreiung aus dem Leiden und Nirvana im Jenseits. Und noch etwas neues kommt hinzu: Im Hostel erzählt mir ein Japaner aus Osaka, dass es beliebt ist in Kapellen nach christlichem Ritus zu heiraten. Aber wichtig nach buddhistischem Ritus bestattet zu werden. Auch ich habe kein Problem damit, mein christliches Gebet am buddhistischen Tempel zu verrichten.

    Zunächst entlang der Landstraße, dann durch schöne Wälder, schließlich, ab Tempel 22 entlang der Landstraße Route 55, erreiche ich am späten Nachmittag die Kleinstadt Hiwasa. Und damit, nach acht Tagen und rund 160 Kilometern Berge, Hügel und Reisfelder, das was eine Insel ausmacht: Das Meer! Genauer gesagt den Pazifik an der Südostküste Shikokus. Der Ohama-Beach darf in den Sommermonaten bei Dunkelheit nicht betreten werden: Zum Schutz der Meeresschildkröten die dort ihre Eier ablegen. Über dem Ort liegt schön beleuchtet die Pagode von Tempel 23, Yakuo-ji, dem „Tempel des Medizinkönigs“.

    76 Kilometer liegen zwischen den Tempeln 23 und 24. Drei Tage stets entlang der Pazifikküste von Hiwasa zum Kap Muroto. Mit Übernachtungen bei Ozuna-Beach und Ikumi-Beach: Der Wirt erzählt, dass im Frühjahr und Herbst die Pilger kommen und im Sommer die Surfer. Ich bin antizyklisch unterwegs. Er selbst ist des Surfens wegen aus Osaka hierher gezogen. Der Pazifik ist aber offenbar nicht immer sportlich: In jedem Dorf gibt es Tsunami-Evakuierungspläne und -Rettungsorte. Im Wald über der Steilküste habe ich tolle Aussichten und treffe wieder auf Marderhunde, Hirsche, kleine Frösche und sehr große Tausendfüßler und die eine und andere Schlange. Kurz nach Indien auch wieder auf wild lebende Affen. Die japanischen haben aber offenbar keine Zueignungsabsichten. Die längsten Abschnitte hinweg folgt der Weg jedoch einfach der Route 55. Direkt an der Straße liegt immerhin Yasaka-ji: Von den 20 sog. Bekkaku-Tempel, separat gezählte Tempel die auch eine eigene Pilgerreise darstellen können, die Nummer vier. Seine Besonderheit sind zwei gewundene Tunnel als unterirdische Pilgerreisen: Im linken Tunnel können, entlang entsprechender Fotos, verschiedene buddhistische Pilgerziele abgeschritten werden. Ich erkenne auch meine Ziele in Indien und Nepal wieder. Im rechten Tunnel werden bildlich die 88 Tempel Shikokus abgeschritten, er endet in einem sehr schönen weiteren Tempel.

  • Shikoku Henro, Tage 4 bis 7

    In Nordindien habe ich an den Ursprungsorten des Buddhismus Buddhisten aus verschiedenen Ländern und Traditionen bei ihren unterschiedlichen Ritualen beobachtet. In Kathmandu tibetischen Buddhismus und in Mc Leod Gani die Tradition des Dalai Lama erlebt. Nun möchte ich mehr über den japanischen Buddhismus erfahren. Abgesehen von wenigen Ausnahmen stehen die Tempel am Pilgerweg nicht etwa in der Tradition des Zen-, sondern des Shingon- des sog. esoterischen Buddhismus. Vom Mönch Kukai nach einer Chinareise am Anfang des 9. Jahrhunderts (und damit mehrere Jahrhunderte vor dem Zen) in Japan und insbesondere in seiner Heimat Shikoku etabliert. Im Shingon-Buddhismus wird nicht nur der historische Buddha, sondern viele weitere Buddhas und Bodhisattvas verehrt. Aber alle gelten als Erscheinungsformen der einen kosmischen Wirklichkeit. So hat jeder Tempel sein eigenes Honzen, seine eigene Hauptverehrungsfigur.

    Der Abschnitt zwischen den Tempeln 11 und 12 gilt als einer der schwierigsten des Weges. Nr. 12, Shosan-ji, liegt in über 700 Meter Höhe und erfordert lange steile Anstiege. Zwischen den Übernachtungsorten sind, auf 16 Kilometern Distanz, 1.180 Höhenmeter zu bewältigen. Heute bei schwül-warmen Wetter. Aber es ist auch ein sehr schöner Abschnitt, in einem mystischen Wald mit vielen Skulpturen, kleinen Scheinen und schönen Aussichten. Am höchsten Punkt wartet Kukai unter der riesigen Zeder Joren-an. Und auch der Tempel ist von bis zu 500 Jahre alten Zedern umgeben.

    Die Tempel 13 bis 16 liegen in Vororten bzw am Stadtrand von Tokushima. So bringt mich der Tag zurück in die Stadt in der ich bereits nach der Anreise übernachtet habe. Zunächst, wieder im Wald, begleitet mich ein Kupferfasan ein kurzes Stück. Der japanische Marderhund hingegen fremdelt. Gegenüber Tempel 13, ursprünglich eine Einheit, liegt der schöne Shinto-Schrein Ichinomiya-Jinja mit lebensgroßen Pferdeskulpturen. Die Tempel 14, 15 und 16 kommen dann in dichter Folge bevor mich die Bahn ins Stadtzentrum zum Hostel bringt.

    In Tempel 17, Ido-ji, gibt es einen Brunnen der auch auf den Pilger-Mönch Kukai im 9. Jahrhundert zurückgehen soll. Wer beim Hineinblicken sein eigenes Spiegelbild sieht, dem wird eine glückliche Zukunft versprochen. Yes! Bis Tempel 18 führt der Weg entlang den Straßen wieder durch die Vororte der Stadt. Dann aber auch durch einen schönen Bambus-Wald. Bei Tempel 19 treffe ich überraschend den jungen Pilger aus LA, den ich bereits bei der ersten Übernachtung kennengelernt habe. Sonst sind wenig Menschen zu Fuß auf dem Weg. Auch bei meiner heutigen Übernachtung in der Pilgrims Lodge Oturu bin ich der einzige Gast. Aber die Gastgeberin hat bereits ein fantastisches japanisches Menü für mich vorbereitet!

    Drei besonders schöne Tempel an drei besonders schönen Orten erfordern drei besonders herausfordernde Aufstiege. Ein Abstecher vom Weg führt mich zunächst hoch zum kleinen Tempel am Hoshino-Iwaya Wasserfall. Vielleicht der schönste Ort am bisherigen Weg. Ein schmaler Pfad führt hinter den Wasserfall in eine kleine Höhle mit einem Schrein. Die Tempel 20 und 21 gelten, wie schon 12, als Nanshos, als schwer zugängliche Orte. Sie liegen auf gegenüber liegenden Berggipfeln. Und die Wege dort hin als Henro-Korogashi: Wo der Pilger stürzt. Aber auch diese Wege durch den Bergwald sind (ohne Sturz) zu bewältigen und lohnen sich. Vom letzten Berg soll mich die Seilbahn zum Übernachten ins Tal nach Wajiki bringen. Zu meiner Überraschung fährt die Seilbahn zunächst nicht nach unten sondern nach oben: Über den Gipfelsattel hinweg auf die andere Seite des Berges. Die Aussicht über die Berge bis zum Meer ist fantastisch. Und im Hotel wartet wieder ein Onzen.