Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Japan).
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Neueste Beiträge:

  • Naoshima

    Naoshima: The Art Island, Zentrum für Gegenwartskunst in Japan. Die Fähre bringt mich für zwei Tage auf die kleine Insel vor Takamatsu. Bereits am Hafen von Miyanoura grüßt Red Pumpkin von Yayoi Kusama, ein Wahrzeichen der Insel. Das 2025 eröffnete Naoshima New Museum of Art wurde, wie die weiteren großen Museen der Insel, vom japanischen Stararchitekt Tadao Ando designed. Minimalistisch, harmonisch in die Natur der Insel eingefügt und daher überwiegend unterirdisch. Es präsentiert zeitgenössische Kunst aus Asien, weitgehend für das Museum geschaffen. Die monumentale Installation „Head On“ des chinesischen Künstlers Cai Guo-Qiang hingegen wurde ursprünglich für das Guggenheim Museum in Berlin geschaffen. Mit seiner gläsernen Wand spielt es auf die Berliner Mauer und die Wiederholung historischer Fehler an.

    Für das Art House Project in Honmura wurden leerstehende traditionelle Häuser von Künstlern in Kunstwerke verwandelt. Und damit Kunst in das Dorfleben integriert. Mein Favorit ist Minamidera von James Turrell: Ein Vorhang aus einem Minimum Licht. 10 Minuten absolute Dunkelheit benötigen die Augen bis er wahrnehmbar ist. Fotografieren wäre auch technisch nicht möglich. Am Abend besuche ich das Sento: Das Naoshima Public Bath „I Love Yu“ ist traditionelles Badehaus und surreale Gegenwartskunst.

    Bewegend schön ist die Ausstellung im Chichu Art Museum. Reduziert auf drei Künstler auf drei unterirdischen Ebenen: Die großformatigen Seerosenbilder von Claude Monet, für die das Museum designet wurde, die Lichtinstallation von James Turrell (der mein Favorit bleibt) und Installationen von Walter De Maria, die wiederum für das Museum geschaffen wurden. Nichts davon darf fotografiert werden. Aber die Insel präsentiert noch viel mehr.

  • Shikoku Henro, Tage 42 bis 45

    Zurück am Pilgerweg sind es weitere 3 1/2 Tage bis zum nächsten Zwischenstopp: 90 Kilometer, die Tempel 71 bis 83 und am Ende jeden Tages ein Bergtempel mit heftigem Aufstieg. Nach längerem Suchen finde ich im Pilger-Shop bei T 77 endlich drei der typischen roten Lätzchen für die Jizo-Statuen. Drei für drei (Enkel-) Kinder. Nun schaue ich in den Wäldern nach drei Jizo ohne Lätzchen. T 75, Zentsu-ji, besitzt mit 45.000 Quadratmetern die größte Anlage der Insel. Mit wunderbaren Gebäuden aus verschiedenen Epochen, Skulpturen und zwei über 1000 Jahre alten Kampferbäumen. Ich könnte mehr als die tatsächlichen knapp zwei Stunden in der Anlage verbringen. Muss aber weiter: An diesem Tag sind es fünf Tempel und 24 Kilometer. Der hintere Bereich der Nebenhalle von T 71 öffnet sich überraschend in einen Altarraum in einer Höhle, in der Kukai im 9. Jahrhundert meditiert haben soll.

    In und um einen größeren Kiosk an einem schönen Teich, tummeln sich gegen Mittag erstaunlich viele Menschen. Und alle essen freudig das gleiche: Tokoroten. Ich schließe mich an. Den eher unauffälligen Tempel 83, Ichinomiya-ji, erreiche ich knapp vor der Schließung. Schreine hingegen haben keine Schließzeiten: Spektakulär und ein schöner Abendspaziergang ist die große Anlage des direkt daneben liegenden Shinto-Schrein Tamura-jinja. Viele rote Torii und ein goldenes. viele Drachen und Füchse (Boten des Inari). Mit dem Erreichen der 80er Tempel kommt auch die Erkenntnis, dass auch eine über Tausend Kilometer lange Pilgerwanderung ihr Ende haben wird. Aber vorher kommt noch ein Zwischenstopp: Für Naoshima.

  • Uwajima Ushi-oni Matsuri

    Tausche Tempel gegen Dämonen: Um die Höhepunkte des Ushi-oni Sommerfestes zu erleben, reise ich mit der Bahn zurück nach Uwajima, das ich auf dem Pilgerweg bereits 14 Tage vorher passiert habe. Bühne und Festkomitee befinden sich in der überdachten, 600 Meter langen Einkaufsstraße. Offenbar muss jeder größere Ort in Japan eine solche Straße besitzen und so wie in anderen Orten, versprüht auch diese eher den Charm der 60er bis 80er Jahre und hat Leerstand. Aber heute ist ein Festtag. Er beginnt mit der Kinder-Ushi-oni-Parade und, zum Jubiläum, dem Sendai Suzume Odori, dem Spatzentanz einer Gruppe aus der Partnerstadt im Norden Japans. Alles wirkt noch sehr lokal.

    Ushi-oni, Stier- bzw. Ochsendämonen aus der japanischen Mythologie, sind die Stars am Nachmittag. In der Parade werden sie durch die Stadt getragen. Mit ihren beweglichen langen Hälsen schauen sie in die Häuser und führen (Schein-) Angriffe insbesondere gegen das Festkomitee durch.

    Tanzwettbewerb ist der Uwajima Odori Taikai. Während ich bereits auf dem Weg zum Schrein bin, kommen mir die Gruppen in der Kisaiya Road entgegen. Und tanzen synchron den Nagashi Odori Prozessionstanz.

    Das spirituelle Fundament des Festes liegt im Shintoismus. Die Götter des Warei-Schrein, der mich bereits vor zwei Wochen beeindruckt hat, sollen besänftigt und milde gestimmt werden. Dazu nehmen die Gottheiten des Schreins vorübergehend in Mikoshi, goldenen tragbaren Schreinen, Platz und werden durch die Stadt getragen. Nach Flötenspielern und Trommlern marschieren Lampionträger an der Spitze der Prozession. Ein großer roter Ushi-oni folgt vor den drei Schreinen. Die Geistlichen des Schreins gehen am Ende in traditionellen Gewändern. Weitläufig zieht die Prozession durch die Stadt. Immer wieder werden die schweren Schreine vor einzelnen Häusern in die Höhe gestemmt. In einem ersten Höhepunkt umkreisen die Schreine vor dem Marunouchi-Schrein eine hohe Bambusstange. Dem zweiten Teilnehmer gelingt es an der Stange hoch zu klettern. Die Spitze der Stange biegt sich dabei bedrohlich. Die kleineren Mikoshi Schreine werden auf das Gelände des Marunouchi-Schrein gebracht. Die Geistlichen beider Schreine führen eine Shinto-Zeremonie durch. Die Prozessionsteilnehmer hingegen stärken sich mit Bier und Riceballs. Der eigentliche Höhepunkt wird erst noch folgen: Bei Dunkelheit erreicht die Prozession nach einem langen Weg endlich den Hafen. Mit Fackelschein und Trommeln wird jeder Schrein auf ein eigenes geschmücktes Boot geladen. Die Boote fahren mit den Prozessionsteilnehmern hinaus aufs Meer. Kehren aber zurück: An der Mündung des Suka-Fluss verlässt die Prozession die Boote und bewegt sich nun flussaufwärts im hüfttiefen Fluss zu Fuß zurück zum Warei-Schrein. Vor dem Schrein steht eine weitere, höhere Bambusstange im Fluss: Verbindung zum Himmel, die von einem Teilnehmer erklommen wird. Tatsächlich erreicht er die Shinto-typischen Papierstreifen im Wipfel der Stange. Nachdem sich die Zuschauer etwas zerstreut haben, gehe ich nochmal zum großen Schrein. Die kleinen wurden inzwischen hinein gebracht. Das Schrein Gebäude ist nun dunkel, aber offen. Von außen kann ich erahnen, wie die, nun in weiße Gewänder gekleideten, Geistlichen in einer besonderen Zeremonie die Gottheiten aus den Mikoshis heraus, zurück zu ihren angestammten Wohnsitzen tief hinten im Schrein bringen.