Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Japan).
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Neueste Beiträge:

  • Shikoku Henro, Tage 25 bis 30

    Osettai: So wie der Pilgerweg seine eigenen Traditionen und Rituale hat, haben auch die Menschen am Weg ihren traditionellen Umgang mit den Pilgern. Osettai ist die gängige Praxis Pilgern Hilfe anzubieten und kleine Geschenke zu machen. An einem Tempel sitzt eine ältere Frau und schenkt jedem Pilger eine hübsche Origamiarbeit. Auf solche Situationen etwas vorbereitet, überreiche ich ihr eine Postkarte mit Motiven der fränkischen Heimat. Das freut sie offenbar so, dass ich wiederum, exklusiv, ein handgenähtes Täschen für Taschentücher bekomme. Nach rund 700 Kilometern auf dem Weg schleppe ich eine ansehnliche Sammlung von Origamiarbeiten mit mir herum. Meine Postkarten werden nicht ausreichen. Staubig und verschwitzt als Pilger zu Fuß erkennbar, bekomme ich in manchen Tempelbüros ein kaltes Getränk oder japanische Süßigkeiten. Einmal ein kleines besticktes Handtuch. In Dörfern laufen mir rufend Leute hinterher, um mir ein Getränk, Kekse oder Obst zu schenken. So lerne ich Kawachi Bankan kennen, die japanische Pampelmuse, die speziell in der Präfektur Ehime angebaut wird. Ungefragt bietet mir, nachdem ich gerade im strömenden Regen losgetrottet bin, eine Autofahrerin an mich mitzunehmen. 25 km bis zum nächsten Tempel. Man sollte Osettai nicht ablehnen. Ein Autofahrer hält neben mir und reicht mir aus dem Fenster eine Packung Kekse. Ein anderer eine Tüte mit einer Dose Eiskaffee und einer Flasche Wasser. Gekühlt, er muss mich bereits vor dem Einkauf gesehen haben. Am Ausgang des neuen schönen Onsen fragt mich eine Mitarbeiterin was ich in Japan mache. Als ich bestätige, dass ich den Pilgerweg zu Fuß gehe, gibt sie mir, Osettai, mein Eintrittsgeld zurück. Eine kleine Herausforderung wird das Geschenk einer Bäuerin (?) die mitten in der Tagesetappe mit dem Moped neben mir anhält: Zwei rohe Eier.

    Quer über das Südende Shikokus folge ich dem Weg zur Westküste der Insel. Aus dem Pazifik wird die Seto-Inlandsee. Schräg gegenüber liegt Hiroshima, dazwischen viele kleine Inseln. In Uwajima beeindruckt der Warei-Jinja Schrein. Sein Steintor soll eines der höchsten Torii Japans sein. Und, direkt am Fischereihafen, Sushiemon mit dem denkbar besten, frischesten Sushi.

    In Unomachi bedeuten mir Anwohner dass ich etwas warten soll. So kann ich Ōji-jinja Natsu-matsuri miterleben: Den Festumzug des Sommerfestes des Oji-Schreins. Es ist ein kleiner lokaler aber vielleicht gerade deswegen authentischer Umzug, in den insbesondere Kinder und Jugendliche eingebunden sind. Dem Umzug voran wird Ushi-oni, ein typischer Rind-Dämon getragen. Die Gottheit des Schreins folgt in einem goldenen Mini-Schrein. In Ozu hingegen wurde vor dem Schrein für einige Tage ein Schilfring aufgebaut. Der Schreinpriester lädt per Aushang dazu ein, diesen in einer vorgegebenen Art und Weise mehrfach zu durchschreiten. Ein Reinigungsritual, das ich von einer Seniorengruppe beobachten kann. Beim heutigen Tempel Bekkaku 8 „Brücke der zehn Nächte“ soll Pilgermönch Kukai im 9. Jahrhundert gezwungen gewesen sein unter einer Brücke zu schlafen. Und geklagt haben dass sich die eine Nacht wie zehn angefühlt habe. Heute gibt es gleich zwei Statuen des schlafenden Kukai unter der Brücke der Route 56. Durch Uchiko führt eine Straße mit schön restaurierten historischen Häusern. Seit 2011 ist es Partnerstadt von Rothenburg o.d.T.

  • Shikoku Henro, Tage 21 bis 24

    Zum Kap Ashizuri! Weitere 85 km liegen zwischen den Tempeln 37 und 38. Weiter durch Wälder, über Hügel, entlang Flüssen und der Route 56, nicht zuletzt durch einen 1.620 Meter langen Straßentunnel. Und dann einen Tag entlang der Pazifikküste an der Halbinsel, über Strände zum südlichsten Punkt Shikokus, dem Kap Ashizuri. Das Kap liegt auf dem selben Breitengrad wie San Diego in Kalifornien oder der Norden Marokkos. Es sind die letzten Tage der Regenzeit.

    Am Kap, sehr beeindruckend mit seiner hohen Steilküste, wartet John Manjiro, im 19. Jahrhundert nach einem Schiffbruch der erste Japaner in Amerika, der später entscheident zur Öffnung Japans beigetragen hat. Und der abgelegene Tempel 38, Kongofuku-ji, der „Tempel des ewigen Segens“. Seine historischen Gebäude gruppieren sich um einen schönen Teich.

  • Shikoku Henro, Tage 17 bis 20

    So wie die Tempelanlagen typische Elemente haben, kann (muss aber nicht) auch jeder Tempelbesuch einem typischen Ablauf folgen. Nach mehr als drei Dutzend Tempelbesuchen hat sich eine schöne Routine eingestellt: Die Anlage wird durch das Haupttor betreten. Am dafür bestimmten Becken erfolgt die rituelle Reinigung: Mit der rechten Hand wird Wasser aus der Kelle über die linke Hand gegossen. Dann mit der linken Hand über die rechte. Dann wird (symbolisch) der Mund gereinigt. Praktischer Weise verstohlen auch die verschwitzte Stirn des Pilgers. Die Kelle wird so zurückgelegt, dass noch etwas Wasser reinigend über den Griff läuft. Am Glockenturm einmal die große Tempelglocke läuten. Dem Klang lauschen und die Schwingungen spüren. Im Tempel-Office wird gegen eine kleine Gebühr der Besuch im eigenen (S)tempelbuch eingetragen: Mit drei großen roten Stempeln und einer schönen Tusche-Kalligraphie darüber. Eine langjährige lokale Pilgerin zeigt mir ihr Buch: Bei wiederholten Besuchen des gleichen Tempels gibt es keine neuen Einträge, sondern neben den bereits vorhandenen roten Stempeln werden weitere neue gesetzt. Zu besonderen Anlässen oder in besonderen Jahren gibt es außerdem besondere, andersfarbige Stempel. Zusätzlich zum Eintrag erhalte ich eine kleine Abbildung der Hauptgottheit des Tempels. Vor dem Hondo, der Haupthalle, werden ein paar Räucherstäbchen in den Kessel gedrückt, dann ein Osamefuda, ein vorgedruckter Zettel mit dem eigenen Namen, der Herkunft und dem Datum des Besuchs, in eine Box gelegt, eine kleine Münze in den Opferkasten geworfen und einmal der Gong geschlagen. Bei den meisten Tempeln wird die Halle (bzw. das Gebäude) nicht betreten sondern der Pilger steht davor und kann bestenfalls hinein sehen. Frisch und in adretter Pilgerkleidung aus ihren Autos gestiegene japanischer Pilger rezidieren die Mantras und chanten die Sutras die für den jeweiligen Tempel bzw. dessen Gottheit vorgesehen sind. Pudelnass von Schweiß oder Regen oder meist beidem und nach drei Wochen Fußmarsch irgendwie abgerissen, stelle ich mich dazu und höre zu. Zeit für die persönliche Andacht. An der Nebenhalle, Daishido, könnte dieser Ablauf wiederholt werden. Bei einem kleinen Spaziergang werden die weiteren Gebäude, Skulpturen und Besonderheiten des Tempels entdeckt. Und mit einem Vesper die Vielfalt japanischer Snacks.

    Nach dem Sunday Market und den Sweet Riceballs zum zweiten Frühstück, wandere ich aus Kochi-City hinaus, durch die Vororte bis Tempel 33. Weiter bis Tempel 34 wird es wieder ländlicher, durch Felder von Dorf zu Dorf. In einem findet ein kleines Musik Open Air statt. Ich werde eingeladen für eine Pause dabei zu sein. Bis T 36 ist es wieder ein Tagesmarsch, schweißtreibend aber schön über einen Pass durch den Wald. Die Tempel (bzw ihre Büros) schließen um 17 Uhr. Mit dem Fahrrad der Unterkunft, ein paar Kilometer an Pazifikstränden entlang, kann ich ihn noch rechtzeitig erreichen.

    Zwei weitere Tage sind es bis Tempel 37. Die Uranouchi Bay durchquere ich mit der kleinen Personenfähre. Das ist legitim denn auch Mönch Kukai soll das Boot benutzt haben. Die Überfahrt dauert eine knappe Stunde, ich bin der einzige Fahrgast. Aber am Ableger werde ich vorher vom Betreiberpaar vom Hostel John Man grandios verabschiedet! Am trotzdem noch langen Weg liegt immerhin der Bekkaku-Tempel 5. Ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert wurde er 1707 von einem Tsunami weggespült. Heute liegen das Office und die Nebenhalle an der Straße im Ort und der Glockenturm und die Haupthalle auf dem kleinen Plateau eines Hügels darüber. Weiter der Route 56 folgend, sind es auch die Tage der Straßentunnel. Der zunächst längste ist 966 Meter lang.