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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey (current: Indien).
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- Tage 18 und 19 in Indien: Prayagraj

Prayagraj, bis 2018 Allahabad, 1,2 Millionen Einwohner, 130 Kilometer westlich von Varanasi. Und nach Varanasi die zweitwichtigste Pilgerstadt im Hinduismus. Diesen Status verdankt die Stadt ihrer Lage am Triveni Sangam: Dem Zusammenfluss der beiden heiligsten Flüsse Indiens, dem Ganges sowie der Yamuna, die in über 6000 Meter Höhe im Himalaya entspringt und als „Zwilling“ 1400 Kilometer parallel zum Ganges fließt, bevor sie hier in den großen Bruder mündet. Sowie dem mystischen unterirdischen Fluss Sarasvati. Entsprechenden Stellenwert hat ein Bad am Zusammenfluss, dem Sangam, für die Pilger.
Alle zwölf Jahre findet hier die 55-tägige Kumbh Mela statt, größtes religiöses Fest der Welt. Zuletzt 2019 kamen an den Spitzentagen etwa 50 Millionen Menschen. Und jährlich, im Januar/Februar, deren kleine Schwester, die 44-tägige Magh Mela. Wie ich hinterher lese, kamen auch zur Magh Mela 2026 kumuliert etwa 220 Millionen Menschen an die Flüsse. Die Pilger campieren in der Ebene des Ganges, der jetzt am Ende des Winters Niedrigwasser führt. Umgeben und durchzogen von einer bunten Zeltstadt aus Marktständen.
Mein erster voller Tag in Prayagraj fällt auf den letzten Tag der Magh Mela. Ich hoffe die Atmosphäre des Festes ohne die ganz großen Massen zu erleben. Die knapp fünf Kilometer aus der Altstadt zum Sangam will ich zu Fuß gehen. Obwohl diese Fortbewegungsart in Indien ungewöhnlich ist, erfasst mich auf den letzten beiden Kilometern ein anschwellender Strom von Menschen: Alle nochmal zum Sangam und zum rituellen Bad.
Nach einiger Zeit am Sangam, folge ich spontan der Aufforderung, in einen der vielen geruderten Kähne zu steigen, die die Pilger in die Mitte der Flüsse bringen. Da mich der Kahn auf dem heiligen Fluss trägt, muss ich darin, wie in jedem Tempel, meine Schuhe ausziehen. Am Zusammenfluss werden die Kähne miteinander vertaut und ich werde davon überrascht, dass es Zweck der Fahrt ist, hier das Boot kurz zu verlassen. So wie es die anderen Pilger im Kahn überrascht, dass ich von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch mache.
Später, beim Versuch das Gelände zu verlassen, gerate ich wieder in kanalisierte Pilger und so über einen temporären Zugang in den alten Hanuman Tempel. Die Gottheit in Affengestalt wird hier, ungewöhnlich, liegend dargestellt. Und liegt so tief, dass sie bei Hochwasser vom Ganges überschwemmt wird. Daher gilt sie als besonders verehrungswürdig. Der dahinter liegende, neue mehrstöckige Adi Shankaracharya Tempel ist dem großen Lehrer der Non-Dualität („Tat Tvam Asi“) gewidmet. Und direkt an der Yamuna liegt Mankameshwar, der alte Shiva-Tempel. Selbst am Abend unglaublich überlaufen.
Am zweiten Tag in Prayagraj steife ich durch den Bezirk vor der Altstadt und erlebe ein etwas moderneres Indien. Vor dem Sonnenuntergang lasse ich mich mit dem Bike aber nochmal zum Sangam rausfahren. Es ist deutlich ruhiger als gestern. Soweit in diesem Land von Ruhe die Rede sein kann: Zurück am Homestay informiert mich ein Willkommensschild darüber, dass der Geburtstag im zweiten Stock gefeiert wird. Ohrenbetäubender Lärm füllt das Haus bis weit nach Mitternacht. An Schlaf ist auch bei mir im ersten Stock nicht zu denken. Ich wünsche der kleinen Saranya alles Gute. Und dass sie die Feier ihres zweiten Geburtstags nicht miterleben musste.
Von der Yamuna habe ich mich verabschiedet. Der Ganges soll weiterhin an meiner Route liegen. Zunächst aber will ich morgen weiter nach Norden. Schon Richtung Nepal.
- Tage 11 bis 16 in Indien: Varanasi

Mit der Bahn reise ich weiter in die heilige Stadt am Ganges und so von Bihar in den Bundesstaat Uttar Pradesh. Eine Stadt der Superlative: Mit etwa 3200 Jahren ist Varanasi einer der am längsten durchgängig besiedelten Orte der Welt. Mit ca. 1,8 Millionen Menschen ist es nur die fünft größte Stadt in Uttar Pradesh, aber eine der bevölkerungsdichtesten Großstädte der Welt. Insbesondere aber ist Varanasi heiligste Stadt im Hinduismus und hat für viele Hindus eine einzigartige Stellung: Varanasi gilt als Wohnort Shivas der dort besonders präsent sein soll. Der Ganges wird als Göttin, Mutter Ganga, verehrt. Stundenlang laufe ich entlang der Ghats und durch die Straßen und Gassen der Altstadt und versuche zu sehen was ist sehe.
Herzstück der Stadt sind die Ghats, Uferstufen und Plattformen die zum heiligen Fluss führen. Kilometerlang ziehen sie sich dem Ganges entlang. Ort für Rituale, heilige Bäder, Kremierungen. Sadus, Asketen, eine Unmenge von Pilgern aus ganz Indien und Asien. Dazwischen einzelne Suchende und Touristen aus dem Westen. Und viele Einheimische die auf die unterschiedlichste Art dafür sorgen wollen, dass all die Besucher auch etwas Geld da lassen.
In Varanasi zu sterben, dort am Ganges verbrannt und als Asche dem Fluß übergeben zu werden, gilt im Hinduismus als Möglichkeit den Kreislauf der Wiedergeburten zu verlassen. Die Feuer brennen an zwei Ghats Tag und Nacht. Den Ritualen ausführlich zu folgen macht sprachlos. Fotografieren ist grenzwertig. Gleichzeitig wirkt alles offen und alltäglich: Am Harishchandra Ghat lassen lachende Kinder neben den Feuern einen Drachen steigen. Die Blechwände am Manikarnika Ghat sollen offenbar nicht die Verbrennungen sondern die daneben liegenden Baustellen abschirmen. Der Tod wird als normaler Teil des Lebens betrachtet und nicht als Ende sondern als Übergang verstanden.
Arati, die Lichtzeremonie, normalerweise zu Ehren und am Altar einer bestimmten Gottheit, gibt es in Varanasi zu Ehren Mutter Ganga im ganz großen Stil an mehreren Ghats bei Sonnenaufgang und am Abend. An ein Durchkommen ist dann dort nicht mehr zu denken.
Hinter den Ghats liegt die Altstadt, durchzogen von überfüllten Straßen und engsten Gassen. Manchmal geht darin selbst für Fußgänger nichts mehr. Irgendwie komme ich immer wieder raus.
Natürlich ist eine heilige Stadt gesättigt mit Tempeln und Schreinen (und eine Kirche, St. Thomas, entdecke ich, aber die ist geschlossen). Der wichtigste Tempel ist der 230 Jahre alte, goldene Kashi Vishwanath Tempel. Als Shiva-Tempel in der Stadt Shivas zumindest für Shiva-Anhänger der wichtigste Tempel überhaupt. Ein weitläufiger moderner „Korridor“ um den Tempel kanalisiert die Massen. Nach erheblichem bürokratischem Aufwand, Entrichtung einer Gebühr und Sicherheitskontrollen die dem Flughafen Frankfurt Ehre gemacht hätten, komme ich, geführt mit einer kleinen Gruppe, bis ins Innere und benötige so nur ein bis zwei Stunden um einen kurzen Blick auf den Lingam werfen zu können. Der normale Pilger investiert dafür einen halben Tag anstehen.
iIn der Hierarchie danach kommen der Annapurna Devi und der Kal Bhairav Tempel. Während der, der Frau und Versorgerin Shivas gewidmete Tempel im Inneren überraschend weitläufig und farbenfroh ist, ist der, dem zerstörerischen Aspekt Shivas gewidmete, dunkel und tatsächlich furchteinflösend eng. Das Drängen der Massen durch die engen Gassen, die Zugang gewähren, ist vor beiden Tempeln gleich. Rom im heiligen Jahr 2025 ( >> Franziskusweg) war, verglichen mit diesem ganz normalen Tag im Februar in Varanasi, Kindergeburtstag.
Der 120 Jahre alte, national symbolische Tulsi Mandas Mandir (Mutter Indien) beherbergt die größte Reliefkarte Indiens. Ich kann meine Route zwischen Ganges und Himalaya nachvollziehen. Die Alamgir Moschee steht auf den Grundmauern eines Vishnu-Tempels, den der Mogul-Herrscher vor 350 Jahren dafür abreißen ließ.
Bei aller Faszination ist es nach fünf Tagen Varanasi wahrlich genug. Ich will weiter, ca. 125 km westwärts, nach Prayagrei (Allahabad).
- Tag 14 in Indien: Sarnath

Für einen Tag fahre ich aus der Stadt Shivas, Varanasi, in das benachbarte buddhistische Sarnath. Für die jeweils knapp 15 Kilometer traue ich mich (nachdem ich mich an die TukTuk-Fahrten durch den chaotischen Verkehr etwas gewöhnt habe) erstmals auf das Verkehrsmittel das mir als Alleinreisenden geziemt: Sozius auf dem (Uper-)Bike.
Auch Sarnath gehört zu den vier heiligsten Orten im Buddhismus: Nach seiner Erleuchtung in Bodh Gaya ging Gautama Buddha vor etwa 2550 Jahren nach Sernath. Dort traf er zunächst fünf frühere Mitstreiter aus seiner Askesezeit, die nun seine ersten Schüler wurden (Beginn der buddhistischen Gemeinschaft). In einem Gazellenhain hielt er an sie seine erste Lehrrede (Beginn der buddhistischen Lehre, Drehen des Dharma-Rades).
Heute ist der Gazellenhain eines der wichtigsten buddhistischen Pilgerziele und ein archäologischer Park. Und einige Gazellen gibt es auch noch. Den genauen Platz der Lehrrede markiert die Dhamekh Stupa aus dem 3. Jhd. vor Chr. Darum herum finden sich Ruinen und Grundmauern von Klöstern und Tempeln aus dem ersten Jahrtausend. Etwas außerhalb markiert die Chaukhandi Stupa den Platz des Zusammentreffens mit den ersten Schülern. Wieder treffe ich auf buddhistische Pilgergruppen aus ganz Asien die ihre unterschiedlichen Rituale praktizieren. Trotzdem ist es deutlich ruhiger als in Bodh Gaya.
Als Geburtsort des 11. Thirtankara (erleuchteter Lehrer) ist Sarnath und sein Jain-Tempel ferner ein wichtiges Pilgerziel im Jainismus.
An der Ring Road um den Park befinden sich, ähnlich wie in Bodh Gaya, eine Vielzahl von Klöstern und Tempeln verschiedener buddhistischer Nationen und Gemeinschaften. Anders als ich Indien bisher erlebt habe, ist es in der Kleinstadt relativ ruhig und ich genieße einen fast unbehelligten (nur gelegentlich sprechen mich ein paar neugierige Jugendliche an oder winken mir Kinder aus Distanz zu) Spaziergang, von Tempel zu Tempel durch den Ort
Den Abend verbringen ich wieder an den Ghats am Ganges in Varanasi.

















































































































































