Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Japan).
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Neueste Beiträge:

  • Shikoku Henro, Tage 17 bis 20

    So wie die Tempelanlagen typische Elemente haben, kann (muss aber nicht) auch jeder Tempelbesuch einem typischen Ablauf folgen. Nach mehr als drei Dutzend Tempelbesuchen hat sich eine schöne Routine eingestellt: Die Anlage wird durch das Haupttor betreten. Am dafür bestimmten Becken erfolgt die rituelle Reinigung: Mit der rechten Hand wird Wasser aus der Kelle über die linke Hand gegossen. Dann mit der linken Hand über die rechte. Dann wird (symbolisch) der Mund gereinigt. Praktischer Weise verstohlen auch die verschwitzte Stirn des Pilgers. Die Kelle wird so zurückgelegt, dass noch etwas Wasser reinigend über den Griff läuft. Am Glockenturm einmal die große Tempelglocke läuten. Dem Klang lauschen und die Schwingungen spüren. Im Tempel-Office wird gegen eine kleine Gebühr der Besuch im eigenen (S)tempelbuch eingetragen: Mit drei großen roten Stempeln und einer schönen Tusche-Kalligraphie darüber. Eine langjährige lokale Pilgerin zeigt mir ihr Buch: Bei wiederholten Besuchen des gleichen Tempels gibt es keine neuen Einträge, sondern neben den bereits vorhandenen roten Stempeln werden weitere neue gesetzt. Zu besonderen Anlässen oder in besonderen Jahren gibt es außerdem besondere, andersfarbige Stempel. Zusätzlich zum Eintrag erhalte ich eine kleine Abbildung der Hauptgottheit des Tempels. Vor dem Hondo, der Haupthalle, werden ein paar Räucherstäbchen in den Kessel gedrückt, dann ein Osamefuda, ein vorgedruckter Zettel mit dem eigenen Namen, der Herkunft und dem Datum des Besuchs, in eine Box gelegt, eine kleine Münze in den Opferkasten geworfen und einmal der Gong geschlagen. Bei den meisten Tempeln wird die Halle (bzw. das Gebäude) nicht betreten sondern der Pilger steht davor und kann bestenfalls hinein sehen. Frisch und in adretter Pilgerkleidung aus ihren Autos gestiegene japanischer Pilger rezidieren die Mantras und chanten die Sutras die für den jeweiligen Tempel bzw. dessen Gottheit vorgesehen sind. Pudelnass von Schweiß oder Regen oder meist beidem und nach drei Wochen Fußmarsch irgendwie abgerissen, stelle ich mich dazu und höre zu. Zeit für die persönliche Andacht. An der Nebenhalle, Daishido, könnte dieser Ablauf wiederholt werden. Bei einem kleinen Spaziergang werden die weiteren Gebäude, Skulpturen und Besonderheiten des Tempels entdeckt. Und mit einem Vesper die Vielfalt japanischer Snacks.

    Nach dem Sunday Market und den Sweet Riceballs zum zweiten Frühstück, wandere ich aus Kochi-City hinaus, durch die Vororte bis Tempel 33. Weiter bis Tempel 34 wird es wieder ländlicher, durch Felder von Dorf zu Dorf. In einem findet ein kleines Musik Open Air statt. Ich werde eingeladen für eine Pause dabei zu sein. Bis T 36 ist es wieder ein Tagesmarsch, schweißtreibend aber schön über einen Pass durch den Wald. Die Tempel (bzw ihre Büros) schließen um 17 Uhr. Mit dem Fahrrad der Unterkunft, ein paar Kilometer an Pazifikstränden entlang, kann ich ihn noch rechtzeitig erreichen.

    Zwei weitere Tage sind es bis Tempel 37. Die Uranouchi Bay durchquere ich mit der kleinen Personenfähre. Das ist legitim denn auch Mönch Kukai soll das Boot benutzt haben. Die Überfahrt dauert eine knappe Stunde, ich bin der einzige Fahrgast. Aber am Ableger werde ich vorher vom Betreiberpaar vom Hostel John Man grandios verabschiedet! Am trotzdem noch langen Weg liegt immerhin der Bekkaku-Tempel 5. Ursprünglich aus dem 9. Jahrhundert wurde er 1707 von einem Tsunami weggespült. Heute liegen das Office und die Nebenhalle an der Straße im Ort und der Glockenturm und die Haupthalle auf dem kleinen Plateau eines Hügels darüber. Weiter der Route 56 folgend, sind es auch die Tage der Straßentunnel. Der zunächst längste ist 966 Meter lang.

  • Shikoku Henro, Kochi-City

    Für eine kleine Pause übernachte ich zwei Mal in der Präfekturhauptstadt Kochi-City. Besondere Sehenswürdigkeiten gibt es, abgesehen von der schönen Burg aus dem frühen 17. Jahrhundert, wohl nicht. Aber ich möchte nach den Bergen und der Küste auch wieder das urbane Japan erleben. Lokale Spezialität ist frischer Bonito, mit leichter Salzkruste und nur kurz über einem Strohfeuer gegrillt. Hotspot für Einheimische und (fast ausschließlich japanische) Gäste sind am Abend der Hirome (Food) Market, ich treffe Karin aus Chicago und Alex aus Dänemark wieder und deren neue japanische Freunde. Und am Morgen der Sunday Market für den die Hauptstraße bis zur Burg gesperrt ist.

    Kleine Pause ist relativ: Die Tempel 31 und 32 liegen jeweils auf schönen Aussichtshügeln nahe der Stadt. So kann ich sie als Tageswanderung mit kleinem Gepäck besuchen, Erst schön durch die Innenstadt, dann am Hafen und der Bucht hinaus aus der Stadt. Bei Tempel 31 wartet neben der tollen Pagode und einer verehrten Winkekatze auch Hito-koto Jizo: Der „One Wish Granting Jizo“. Zwischen den Tempeln sind an einer Grundschule Grüße und Glückwünsche der Kinder für die Pilger angebracht. Und die Bitte der Lehrerin, dass die Pilger den Kindern antworten mögen.

  • Shikoku Henro, Tage 12 bis 15

    Die Tempel am Weg sind keine einzelne Tempelgebäude sondern mehr oder weniger große Tempelanlagen, oft auf einem Berg oder am Hang auf verschiedenen Ebenen gebaut. Alle sind unterschiedlich aber sie haben typische Elemente:

    Die Anlage wird durch ein Tor, Nio-mon, betreten, an dem die beiden Tempelwächter A-Gyo und Un-Gyo nur die passieren lassen die reinen Herzens sind und böse Elemente abwehren. Zuweilen gibt es ein inneres, zweites Tor. Chozuya ist das Becken mit Kellen für die rituelle Reinigung. Im Glockenturm Shoro, manchmal auch im Tor, hängt die Tempelglocke. Das Tempel-Office, Nokyosho, ist wichtig für die Einträge im Stempelbuch. Manchmal hat es auch einen kleinen Shop. Im Hondo, der Haupthalle bzw dem Haupttempel wird die jeweilige Schutzgottheit des Tempels verehrt. Daishidō ist die meist kleinere Halle in der der Pilgermönch Kukai verehrt wird. Unverzichtbar ist offenbar mindestens eine Kukai-Statue. Viele Tempel haben darüber hinaus eine Pagode, die meisten einen kleinen oder auch großen Shinto-Schrein. Und in jeder Anlage gibt es noch mehr zu entdecken: Weitere Tempelhallen, Schreine, Statuen, insbesondere Jizo, die Schutzfiguren für Kinder und Reisende die rote Lätzchen oder Mützen als Opfergaben tragen, Wasserfälle, Teiche, Gärten…

    Wieder im Regen gehe ich am Morgen die letzten Kilometer zum Kap Muroto. In einer kleinen Höhle soll Kukai hier meditiert und schließlich Erleuchtung gefunden haben. In der Nachbarhöhle steht ein kleiner Shinto-Schrein. Durch den Wald führt der Aufstieg zu Tempel 24 über dem Kap. Tempel 25 ist leicht zu erreichen, 26 wieder nur mit einem heftigen Anstieg im Wald. Dazwischen liegt weiter die Route 55.

    Zwei Tage zwei Tempel. Aber besonders schöne. T27, Konomine-ji, „Tempel des göttlichen Gipfels“, liegt wieder 450 Meter über der Küste, der Aufstieg gilt als Sekisho, als spiritueller Kontrollpunkt. Es ist der Familientempel des Mitsubishi-Gründers Yataro Iwasaki.

    Küche und Esszimmer des traditionellen Guesthouse in Aki verwandeln sich drei Mal in der Woche in ein Pub. Barkeeper ist ein Amerikaner der wohl irgendwie hängen geblieben ist und den Henro inzwischen vier Mal komplett gegangen ist. Die japanische Inhaberin freut sich über die Gäste: Eine junge amerikanische, ein junger dänischer und der älter gewordene fränkische Pilger und immerhin eine Japanerin aus dem Ort.

    Zenraku-ji, Tempel 30, liegt bereits am Stadtrand von Kochi. Eindrucksvoller als der buddhistische Tempel ist allerdings der direkt daneben liegende Shinto-Schrein Tosa Jinja, eigentlich eine Schrein-Anlage. Zehn Tage nach Tokushima, d.h. zehn ruhige Tage an der Küste, zwischen Bergen und Reisfeldern, erreiche ich mit Kochi-City wieder eine Stadt. Beide sind die Hauptstädte der gleichnamigen Präfekturen.