Muxia 2022

Herzlich willkommen!

Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
Schön, dass du dabei bist!

Welcome!
On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Indien).
Glad you’re here!

Neueste Beiträge:

  • Kathmandu: Die ersten drei Tage

    Kathmandu, Hauptstadt und politisches, kulturelles und spirituelles Zentrum Nepals. Einst drei konkurrierende Königsstädte, heute ein Großraum mit drei zusammen gewachsenen Städten und zwei bis drei Millionen Einwohnern. Die große Mehrheit der Menschen sind Hindus. Aber historisch sind Hinduismus und Buddhismus hier miteinander verflochten und insbesondere seit der Besetzung Tibets prägen der tibetische Buddhismus und Exil-Tibeter das Stadtbild mit.

    Spirituelles Zentrum des tibetischen Buddhismus ist der Boudhanath Stupa, größter Stupa Nepals und einer der größten der Welt. Zurückgehend auf das sechste Jahrhundert und seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Ständig umrunden hunderte Mönche, Pilger und Besucher im Uhrzeigersinn den Stupa, beten, meditieren, rezidieren Mantras, drehen Gebetsmühlen, schauen oder plaudern. Ich reihe mich ein.

    Das eigentliche (hinduistische) spirituelle Herz Kathmandus und Nepals aber ist Pashupatinath. In der Mythologie das legendäre Flusstal in dem Shiva mit seiner Frau Göttin Parvati in Gestalt von Gazellen lebten und deshalb per se heilig. Belegt seit 400 n. Chr. Eine weitläufige, über Jahrhunderte gewachsene Tempelanlage zieht sich über einen Hügel und entlang dem Fluss Bagmati. Ebenfalls Weltkulturerbe. Die beiden größten Tempel sind mir als nicht-Hindu nicht zugänglich. Darüber hinaus verbringe ich den Tag zwischen und in den weiteren Tempeln, erlebe Zeremonien, Rituale und Kremierungen, Sadus, Pilger und Besucher, Affen und Kühe. Am Hanuman Tempel holen sich die Affen was von den Opfergaben fressbar scheint. Manche Gläubige geben es ihnen direkt in die Hand: Mandarinen stehen hoch im Kurs. Der große Bishwasworup Tempel kann seit dem Erdbeben von 2015 nicht mehr betreten werden. Der kleine Parvati Tempel aus dem 17. Jahrhundert ist mit Schnitzereien aus dem Kamasutra verziert. Nach einer langen Dürre wurde Parvati dort regelmäßig mit Tieropfern gnädig gestimmt. Darüber thront der Shiva Haupttempel. Seine Dächer sind vergoldete Kupferplatten, Tore und Fassaden sind aus Silber. Dazwischen stehen unzählige (manche zählen 108) kleinere Tempel und Schreine.

    Im Kontext mit Pashupatinath gilt der Bagmati Fluss als heilig. Dort zu sterben, dem Feuer und dem Fluss übergeben zu werden, gilt gläubigen Hindus, ähnlich wie am Ganges in Varanasi, als sichere Möglichkeit den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen oder wenigstens als Mensch wiedergeboren zu werden. Viele alte Gebäude zwischen den Tempeln von Pashupatinath sind einfache Hospize: Die Menschen kommen zum Sterben. Das Weitere findet ganz offen am Fuß der Tempel zwischen den Pilgern und Besuchern statt: Unter orangen Tüchern wird der Verstorbene auf einer Blechbahre zu den Arya Ghats gebracht. Auf einer Steinrampe direkt am Fluss werden die Tücher geöffnet und Füße und Gesicht mit dem Wasser des Bagmati rituell gereinigt. Auf der traditionellen Bambusbahre wird der Körper dann unter neuen Tüchern zu den Verbrennungsplätzen an den Surya Ghats auf der anderen Seite der Brücke getragen. Mit einem Ghee-getränkten Strohbüschel wird der Scheiterhaufen, nach fünfmaliger Umrundung, am Kopfende entzündet. Die Verbrennung dauert etwa drei Stunden. Was übrig bleibt wird direkt dem Fluss übergeben. In Pashupatinath brennen die Feuer täglich von morgens bis abends. Die letzte Leiche wird noch gereinigt während hunderte Menschen darauf warten dass am gegenüber liegenden Ufer das Arati beginnt. Kleinkinder unter sechs Monaten werden nicht verbrennt sondern begraben. Genauso wie heilige Männer (und Frauen), denn diese gehen direkt in das Nirvana über.

    Zwei der größten und wichtigsten Exil-tibetischen Klöster sind Kapan und Shechen mit jeweils über 400 Mönchen. Während in Kapan die Wege von Mönchen und Besuchern getrennt sind, kann ich im Shechen Monastery verschiedene Zeremonien miterleben. Bei Sonnenschein wandere ich zum Kapan Monastery, das auf einem Hügel außerhalb liegt. Dort überrascht mich ein Gewitter. Da der Regen kein Ende nimmt, bitte ich den Mönch an der Pforte mir zu helfen ein Taxi zu organisieren. Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das nicht. Schließlich erklärt der Mönch mich selbst fahren zu wollen, reicht mir einen Regenschirm und verweist auf seinen Motorroller. Er mit Wetterjacke über der Robe, Helm und Handschuhen, ich im Hemd mit Regenschirm als Sozius hinter ihm: Eine denkwürdige Fahrt durch die Rush Hour Kathmandus. Und hoffentlich gut für sein Karma!

    Um meine Ziele zu erreichen wandere ich stundenlang durch die Stadt. Nicht unbedingt die Fortbewegungsart, die Reisenden in Kathmandu empfohlen wird. Aber meine Art um die Stadt auch jenseits von Weltkulturerbestätten erleben.

  • Tage 20 und 21 in Nepal: Von Muktinath über Pokhara nach Kathmandu

    Für die Rückfahrt vom Heiligtum Muktinath nach Pokhara wähle ich einen Kleinbus. Der Rucksack kommt aufs Dach, ich bekomme den Beifahrersitz. Bereits nach einer halben Stunde geht nichts mehr: An einer steilen Engstelle kommt ein größerer Bus auf der beschneiten Lehmpiste nicht mehr weiter und blockiert die Fahrspur. Nach einer Stunde ist das Problem gelöst. An einer anderen Stelle heißt es warten bis ein Bagger einen kleinen Erdrutsch der vergangenen Nacht beiseite geräumt hat. Nach drei Stunden Fahrt gibt es eine halbe Stunde Pause an einer E-Tankstelle mit Restaurant. Der Van wird geladen. Nepal erscheint „rückständig“ aber auf Verbrenner setzt hier keiner mehr. Auf der Piste sind es 170 km und sieben Stunden. 4.470 Höhenmeter geht es (kumuliert) bergab.

    In Pokhara gibt es, nach einem Gewitter, diesmal das, was mir beim ersten Aufenthalt verwehrt blieb: Fernsicht. Statt von einem Aussichtspunkt, sehe ich die Gipfel des Annapurna Massiv nochmal von der Dachterrasse des Guesthouse.

    Auch beim Abendessen im kleinen Restaurant fragt mich der Wirt woher ich komme und was ich mache. Dass ich zu Fuß nach Muktinath gegangen bin gefällt ihm: Er kommt aus einem kleinen Dorf an meiner letzten Etappe. Er setzt sich zu mir, sieht sich mit mir meine Fotos vom Weg an und erzählt mir manches dazu. Er zeigt mir ein Glas mit den schwarzen Bohnen aus denen mein Dal gemacht ist. Im Dorf auf 3.500 Meter Höhe gewachsen. „Very healthy“.

    Von Pokhara nach Kathmandu geht es mit einem luxuriösem Tourist Bus. 200 km beträgt die Entfernung von der zweitgrößten in die größte Stadt Nepals. Der Highway folgt schönen Flußtälern, ist aber auch nicht durchgehend asphaltiert und manchmal nur einspurig. So dauert auch diese Fahrt knapp sieben Stunden.

  • Pilgerziel Muktinath und Dorf Ranipauwa

    Muktinath: Sicher seit dem frühen Mittelalter, in seinen Ursprüngen vermutlich seit 2000 Jahren, Heiligtum und Pilgerziel sowohl im Hinduismus als auch im Buddhismus. Zentrum der Anlage, auf einem Felsvorsprung in knapp 3.800 Meter Höhe in Mustang, Himalaya, ist der Muktinath Vishnu Tempel, der auf das 9. bis 12. Jahrhundert zurückgeht, Teil der 108 Divya Desams, der heiligsten Vishnu-Tempel. Vor dem Tempel Mukti Kunda: Zwei rituelle Wasserbecken. Und seitlich und hinter dem Tempel Muktidhara: Die legendären 108 kuhmaulförmigen Wasserspeier mit eiskaltem Quellwasser. Hinduistische Gläubige tauchen in den Becken unter und laufen durch die 108 Wasserstrahlen um sich rituell zu reinigen, negatives Karma abzuwaschen und Moksha, Erlösung von der Wiedergeburt, zu erreichen. Daneben gibt es einen alten Shiva Tempel und den kleinen Bishnu Paduka Temple der symbolische Fußabdrücke Vishnus präsentiert. Und unter dem kleinen Schrein Patal Ganga liegt eine unterirdische Quelle, die in der Mythologie mit dem Ganges verbunden ist.

    Am Haupttempel komme ich mit einem Polizist der Nepal Police ins Gespräch, der mit einem Kollegen in der Anlage für Ordnung sorgt. Zu seiner Dienststelle im Nachbardorf, sagt er lächelnd, gehören zehn Beamte. Er selbst macht jeden Tag, das ganze Jahr über, Dienst am Tempel. Und mag es. Zu seiner schicken blauen Uniform gehört eine dicke Daunenjacke. An manchen Tagen, sagt er, ist es richtig kalt. Während der Lichtzeremonie am Abend schlägt er laut und ausdauernd die große Glocke. Auch ich kann an der Zeremonie teilnehmen. Nach dem eigentlichen Arati gehört dazu drei Mal zeremoniell den Tempel zu umrunden. Barfuß auf 3.800 Meter Höhe. Es beginnt leicht zu schneien.

    Ziel der buddhistischen Pilger sind drei tibetisch-buddhistische Tempel bzw. kleine Klöster. Im Jwala Mai Gompa wird seit dem 8. Jahrhundert die Verbindung der Elemente Feuer und Wasser verehrt: Auf einer Quellwasserfläche schwebt eine natürliche Gasflamme. Der heutige Tempel ist neu. Unter der zentralen Buddha Skulptur befindet sich ein kleines Gitter. Auf dem Boden kniend ist durch das Gitter eine kleine blaue Flamme erkennbar. Spontan erinnert mich der Aufbau an St. Idda in Fischingen, am Jakobsweg in der Schweiz, wo Pilger durch eine ähnliche Öffnung unter dem Alter den Reliquien der Heiligen nah sein können. Offenbar suchen Menschen Anlass zur Verehrung. Daneben gibt es das alte Kloster Samba Gompa, das zunächst wie eine urtümliche Landwirtschaft wirkt, aber einen wunderbaren uralten Tempel enthält. Und das neuere buddhistische Kloster Narsing Gomba.

    Beim Abendessen plaudere ich mit einem 26-jahrigen Inder. Er kommt aus der abgelegenen Tee-Region Darjeeling im Bundesstaat West Bengal. Sein Dorf und das Tal, sagt er, liebt er. Trotzdem ist er weg gegangen um bei einer Fluggesellschaft zu arbeiten und “to live my life”. Muktinath ist für ihn nur Zwischenstation am Abstieg vom Thorong Phedi Base Camp. Auf rund 4.500 Meter Höhe sei es großartig gewesen. Aber schlafen konnte er vor Kälte nicht. Trotzdem läuft er drei Mal unter den 108 Wasserspeiern durch. Das kann nicht schaden.

    Das kleine Dorf Ranipauwa, hundert Höhenmeter unter dem Heiligtum Muktinath, besteht eigentlich nur aus Übernachtungs- und Versorgungsmöglichkeiten mit allem was die Pilger und Besucher brauchen oder brauchen sollen. Shaligram-Steine werden angeboten: Fossilen von Meerestieren, die der Kali Gandaki River aus dem Himalaya herausspült. Und die im Hinduismus als natürliche Verkörperung Vishnus verehrt werden. Und ein paar weitere Tempel und Schreine gibt es im Umfeld noch zu entdecken. Heute beginnt es bereits mittags zu schneien. Die dicken Flocken kommen waagrecht. Mancher indische Besucher erlebt zum ersten Mal Schnee.

    Nepal ist faszinierend, freundlich und hat es bisher gut mit mir gemeint. Deshalb beschließe ich mein Visa auszureizen und will ins spirituelle Zentrum: Kathmandu.