Muxia 2022

Herzlich willkommen!

Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
Schön, dass du dabei bist!

Welcome!
On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Indien).
Glad you’re here!

Neueste Beiträge:

  • Zurück nach Indien

    Unterwegs: Von Kathmandu, Nepal nach Gorakhpur, Nordindien und weiter nach Lucknow, Uttar Pradesh. Ein Reisebus bringt mich zunächst zum Grenzübergang Sonauli. Wieder eine abenteuerliche Piste durch Täler und Dörfer Nepals. Neun Stunden benötigt der Royal Star für die 200 km. Ich habe ein Ticket bis zur Grenze, bin zuletzt aber der letzte Fahrgast im Bus. Der Einfachheit halber und im Angesichts des Staus vor der Grenze, beauftragt und bezahlt der Bus-Schaffner eine Autorikscha für die letzte Meile für mich. Ausreiseformalitäten aus Nepal, zu Fuß über die Grenze und durch das Dorf zum indischen Immigration Office und die Einreise dort benötigen diesmal nur eine Stunde. Für die Weiterfahrt nach Gorakhpur wähle ich spontan einen local bus. Nochmal 3 1/2 Stunden für 100 Kilometer. Nach einer kurzen Nacht fahre ich mit der Bahn weiter nach Lucknow. 275 km, 6 Stunden. Im Zug plaudere ich mit einem jungen Bahningenieur auf dem Weg zur Arbeit: Deutschland wäre sein Traum für seine Masterarbeit und um die schnellen deutschen Züge zu erleben. Die trägen, unendlich langen und tagelang fahrenden indischen Züge sind allerdings erstaunlich pünktlich und zuverlässig. Lucknow, vor acht Tagen noch in Schnee und Kälte im Himalaya, bin ich nun in der flachen indischen Ebene bei deutlich über 30 Grad. Bis Delhi wären es nur noch etwa 500 km. Ich habe allerdings andere Pläne.

  • Kathmandu: Die zweiten drei Tage

    Herz der historischen Altstadt Kathmandus, genauer der Zwillingsstadt Lalitpur, ist der Patan Darbar Square mit dem ehem. königlichen Palast und einer Vielzahl auf ihn ausgerichteter Tempel aus der Epoche der Malla-Könige im 17. Jahrhundert. Um den Platz überhaupt betreten und sehen zu können, muss ich als Ausländer eine Gebühr bezahlen. Darin enthalten ist jedoch der Eintritt in das tolle kulturhistorische Museum im Palast. So ist es fair. Noch vor dem Darbar Square findet sich der buddhistische Hiranya Varna Mahavihar, mit seinem Klosterhof aus dem 12. und dem Tempel aus dem frühen 15. Jahrhundert, „the golden Temple“.

    Wieder aus dem Buch „Verborgene Heiligtümer“ (Martin Gray) habe ich den Hinweis auf Budhanilkanta: Weniger ein Tempel sondern ein offenes Wasserbecken mit einer ungewöhnlichen, großen liegenden Vishnu-Skulptur aus dem frühen Mittelalter. Mit dem wwWeb in der Hosentasche und einem entsprechenden Fußmarsch ist auch das Verborgene erreichbar. Eine große Anzahl Vishnu-Verehrer ist bereits da.

    Neben Boudhanath, der größten Stupa Nepals, ist ein weiterer Stupa Ziel der Pilger und Besucher Kathmandus: Swayambhunath Stupa auf einem Hügel im Süd-Westen, dem gegenüber liegenden Bereich des Kathmandu Tals. Er gilt als ältester Stupa Nepals und einer der ältesten der Welt. Seine inneren Bauteile stammen aus dem fünften Jahrhundert. Vor Christus. Beim schweren Erdbeben 2015 wurden viele umliegenden Gebäude stark beschädigt. Der Stupa blieb weitgehend erhalten. Auch UNESCO-Weltkulturerbe. Eine historische, steile Treppe führt hinauf auf den Hügel. Der buddhistische Stupa ist unmittelbar von zwei hinduistischen, turm-artigen Shiva-Tempeln flankiert. Auch der Rest des kleinen Plateaus ist dicht mit kleinen Tempeln, Schreinen und einem kleinen Kloster bebaut. Warum der Stupa auch Monkey Temple genannt wird liegt auf der Hand.

    Und auch Kathmandu:

    Sechs Tage Kathmandu und insgesamt vier Wochen Nepal. Der Zeitrahmen meines Visa läuft ab. Zeit nach Indien zurückzukehren.

  • Kathmandu: Die ersten drei Tage

    Kathmandu, Hauptstadt und politisches, kulturelles und spirituelles Zentrum Nepals. Einst drei konkurrierende Königsstädte, heute ein Großraum mit drei zusammen gewachsenen Städten und zwei bis drei Millionen Einwohnern. Die große Mehrheit der Menschen sind Hindus. Aber historisch sind Hinduismus und Buddhismus hier miteinander verflochten und insbesondere seit der Besetzung Tibets prägen der tibetische Buddhismus und Exil-Tibeter das Stadtbild mit.

    Spirituelles Zentrum des tibetischen Buddhismus ist der Boudhanath Stupa, größter Stupa Nepals und einer der größten der Welt. Zurückgehend auf das sechste Jahrhundert und seit 1979 UNESCO-Weltkulturerbe. Ständig umrunden hunderte Mönche, Pilger und Besucher im Uhrzeigersinn den Stupa, beten, meditieren, rezidieren Mantras, drehen Gebetsmühlen, schauen oder plaudern. Ich reihe mich ein.

    Das eigentliche (hinduistische) spirituelle Herz Kathmandus und Nepals aber ist Pashupatinath. In der Mythologie das legendäre Flusstal in dem Shiva mit seiner Frau Göttin Parvati in Gestalt von Gazellen lebten und deshalb per se heilig. Belegt seit 400 n. Chr. Eine weitläufige, über Jahrhunderte gewachsene Tempelanlage zieht sich über einen Hügel und entlang dem Fluss Bagmati. Ebenfalls Weltkulturerbe. Die beiden größten Tempel sind mir als nicht-Hindu nicht zugänglich. Darüber hinaus verbringe ich den Tag zwischen und in den weiteren Tempeln, erlebe Zeremonien, Rituale und Kremierungen, Sadus, Pilger und Besucher, Affen und Kühe. Am Hanuman Tempel holen sich die Affen was von den Opfergaben fressbar scheint. Manche Gläubige geben es ihnen direkt in die Hand: Mandarinen stehen hoch im Kurs. Der große Bishwasworup Tempel kann seit dem Erdbeben von 2015 nicht mehr betreten werden. Der kleine Parvati Tempel aus dem 17. Jahrhundert ist mit Schnitzereien aus dem Kamasutra verziert. Nach einer langen Dürre wurde Parvati dort regelmäßig mit Tieropfern gnädig gestimmt. Darüber thront der Shiva Haupttempel. Seine Dächer sind vergoldete Kupferplatten, Tore und Fassaden sind aus Silber. Dazwischen stehen unzählige (manche zählen 108) kleinere Tempel und Schreine.

    Im Kontext mit Pashupatinath gilt der Bagmati Fluss als heilig. Dort zu sterben, dem Feuer und dem Fluss übergeben zu werden, gilt gläubigen Hindus, ähnlich wie am Ganges in Varanasi, als sichere Möglichkeit den Kreislauf der Wiedergeburten zu durchbrechen oder wenigstens als Mensch wiedergeboren zu werden. Viele alte Gebäude zwischen den Tempeln von Pashupatinath sind einfache Hospize: Die Menschen kommen zum Sterben. Das Weitere findet ganz offen am Fuß der Tempel zwischen den Pilgern und Besuchern statt: Unter orangen Tüchern wird der Verstorbene auf einer Blechbahre zu den Arya Ghats gebracht. Auf einer Steinrampe direkt am Fluss werden die Tücher geöffnet und Füße und Gesicht mit dem Wasser des Bagmati rituell gereinigt. Auf der traditionellen Bambusbahre wird der Körper dann unter neuen Tüchern zu den Verbrennungsplätzen an den Surya Ghats auf der anderen Seite der Brücke getragen. Mit einem Ghee-getränkten Strohbüschel wird der Scheiterhaufen, nach fünfmaliger Umrundung, am Kopfende entzündet. Die Verbrennung dauert etwa drei Stunden. Was übrig bleibt wird direkt dem Fluss übergeben. In Pashupatinath brennen die Feuer täglich von morgens bis abends. Die letzte Leiche wird noch gereinigt während hunderte Menschen darauf warten dass am gegenüber liegenden Ufer das Arati beginnt. Kleinkinder unter sechs Monaten werden nicht verbrennt sondern begraben. Genauso wie heilige Männer (und Frauen), denn diese gehen direkt in das Nirvana über.

    Zwei der größten und wichtigsten Exil-tibetischen Klöster sind Kapan und Shechen mit jeweils über 400 Mönchen. Während in Kapan die Wege von Mönchen und Besuchern getrennt sind, kann ich im Shechen Monastery verschiedene Zeremonien miterleben. Bei Sonnenschein wandere ich zum Kapan Monastery, das auf einem Hügel außerhalb liegt. Dort überrascht mich ein Gewitter. Da der Regen kein Ende nimmt, bitte ich den Mönch an der Pforte mir zu helfen ein Taxi zu organisieren. Aus unerfindlichen Gründen funktioniert das nicht. Schließlich erklärt der Mönch mich selbst fahren zu wollen, reicht mir einen Regenschirm und verweist auf seinen Motorroller. Er mit Wetterjacke über der Robe, Helm und Handschuhen, ich im Hemd mit Regenschirm als Sozius hinter ihm: Eine denkwürdige Fahrt durch die Rush Hour Kathmandus. Und hoffentlich gut für sein Karma!

    Um meine Ziele zu erreichen wandere ich stundenlang durch die Stadt. Nicht unbedingt die Fortbewegungsart, die Reisenden in Kathmandu empfohlen wird. Aber meine Art um die Stadt auch jenseits von Weltkulturerbestätten erleben.