Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Indien).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
(current: Indien).
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Neueste Beiträge:

  • Tage 43 und 44 in Indien: Vrindavan

    5000 Häuser, 5000 Tempel: Das Städtchen Vrindavan: Wohl der wichtigste Krishna-Ort Indiens. Lord Krishna, achter Avatar von Gott Vishnu und u.a. Verkörperung der Liebe. Nach der Mythologie (bzw. der Bhagavatapurana) verbrachte er seine Kindheit und Jugend in Vrindavan. Hier spielte er als göttlicher Hirtenjunge, neckte und versteckte die Kleider der badenden Hirtenmädchen (Gopis) und verzauberte sie und insbesondere seine ewige Geliebte Rada, nachts in den Wäldern mit seinen Tänzen und Flötenspielen.

    Ich habe ein schönes Zimmer im Sri Krishna Bhakti Ashram. WiFi-Passwort: harekrishna. Beim Empfang wird mir ungefragt eine Liste mit den wichtigsten Krishna-Tempeln ausgehändigt. Zwei Tage ziehe ich durch die Gassen der Innenstadt. Ich suche die Tempel die für mich spannend sind. In andere lasse ich mich einfach spontan durch das Chanten der Mantras, Arati oder die Stille hineinziehen. Vor manchen Tempeln warten so viele Menschen, dass der Rückstau mehrere Gassen blockiert. Eine ganze Stadt im Taumel der Krishna-Verehrung. Bzw. Bhakti: Der liebenden Hingabe an die Gottheit.

    Wie Mathura und Agra, liegt Vrindavan am heiligen Fluß Yamuna, zu deren exakter Mündung in den Ganges ich vor sieben Wochen in Prayagraj mit dem Boot gebracht wurde (ohne das Boot dort verlassen zu haben). Die Ghats liegen in der prallen Sonne aber Bootsfahrten sind auch hier beliebt. Und natürlich ein Untertauchen im heiligen Fluß, hier wo auch Rada und Krishna gebadet haben.

    Wenn Dir ein Affe im Sprung von hinten Deine coole Reise-Basecap vom Kopf reißt hast Du keine Chance. Nach und nach erkenne ich die Gesetze von Vrindavan: Benutze keine Handtasche oder Tüte, ein Affe würde sie Dir definitiv mit Gewalt rauben. Trage keine Basecap, ein Affe würde sie Dir vom Kopf reißen. Tage keine (Sonnen-) Brille, ein Affe würde sie Dir vom Gesicht ziehen. Wenn Du Dein Handy in die Hand nimmst, sei konzentriert und halte es verdeckt mit zwei Händen, ein Affe… Und der Gruß lautet nicht Namasde sondern Hare Krishna!

    Wider Erwarten kann ich mir die Basecap mit einer langen Bambusstange zurückholen. Die Bissspuren sind vertretbar. Die Reste der optischen Sonnenbrille holen mir zwei waghalsige Jugendliche zurück, die, es sei ihnen vergönnt, ein einträgliches Geschäftsmodell daraus gemacht haben. Brauchbar ist die Brille aber nicht mehr.

    Schon fast skurril erscheinen die Shri Nidhivan und Seva Kunj Tempel: Keine Tempel im eigentlichen Sinn sondern kleine Wäldchen in der Innenstadt. Nidhivan verkörpert den heiligen Hain in dem Krishna sich mit den Hirtenmädchen vergnügt haben soll. Seva Kunj den Wald, in dem er seine Nächte tanzend mit Rada verbracht hat. Bzw. verbringt: Nachts wird alles abgeriegelt, Zutritt streng unterbunden. Dann kehren Krishna, Rada und die Gopis zurück. Durch die kleinen Wäldchen führen, zu einzelnen Schreinen, verwinkelte Wege in, offenbar auch wegen der Affen, dicht vergitterten Röhren. Herein wachsende Stämme oder Zweige werden verehrt.

    Als ich am Abend den historischen Radha Raman Tempel erreiche, wird das Haupttor gerade geschlossen. Die Menschen davor murren. Ich folge einer Gruppe die hingegen singend um das Gebäude herum geht und kann mit ihnen durch einen Nebeneingang in den Tempelinnenhof schlüpfen. Wie alle, sitze ich mit Mantras wartend auf dem Boden, weiß aber nicht worauf ich warte. Darshan: Die Skulptur der Gottheiten, Rada und Krishna, werden lebend gedacht. Sie sind (wie jetzt) hinter Vorhängen verborgen um ihre Privatsphäre zu haben oder versorgt zu werden. Nur zu bestimmten Zeiten werden die Vorhänge geöffnet. Dann entsteht Darshan, ein kurzer intensiver Moment mit Blickkontakt und Nähe. Als es soweit ist, springen die Menschen begeistert auf und drängen nach vorne. Und werden dann von den Nachströmenden zu den Seitentüren wieder hinausgedrückt. Dieser Rhythmus begegnet mir in weiteren Tempeln in Vrindavan und Mathura.

    Nicht nur (relativ) alte Tempel gibt es in Vrindavan, sondern insbesondere zwei besonders verehrt und viel besuchte neue:

    Der gigantische weiße (bzw. knallig farbenfroh beleuchtete) Prem Mandir wurde von 2001 bis 2012 als „Tempel der göttlichen Liebe“ von einer Organisation (JKP) gebaut, die sich sozial karitativ engagiert und insbesondere das Bhakti-Bewußtsein fördern will. Am Abend strömen die Massen zu den Licht- und Wasserspielen und den Darstellungen der Gottheiten auf zwei Ebenen im Tempel. Die Vorhänge mögen geöffnet werden!

    Der ISKCON Tempel ist einer der Hauptsitze der 1966 in New York gegründeten International Society for Krishna Consciousness. Bei uns eher als Hare-Krishna-Bewegung bekannt. Anderes als beim Prem Mandir gibt es hier weniger Show, sondern gelebte Verehrung und Hingabe. Im Haupttempel wird das Hare-Krishna-Mantra seit den 1990er Jahren ununterbrochen rund um die Uhr gechantet. Mir genügt eine knappe Stunde. Dabei komme ich mit einem älteren Amerikaner ins Gespräch, der als Taktgeber fungiert. Seit 30 Jahren, sagt er, lebt er in Vrindavan und praktisch im Tempel. Das Mantra wurde sein Leben. Er lacht fröhlich dabei. Ich ziehe trotzdem weiter.

  • Tag 42 in Indien: Fatehpur Sikri

    Ein besonderes schönes Heiligtum zieht mich für den Tag nach Fatehpur Sikri, etwa 50 Kilometer westlich von Agra. Die Hinfahrt ist mit dem TukTuk möglich. Am Abend zurück ist es schwieriger. Schließlich bin ich Sozius auf der Honda eines Heranwachsenden. In einer Höhle bei Fatehpur Sikri lebte der Sufi-Heilige Sheikh Salim Chishti (1478 bis 1572). Nachdem er dem Großmogul Akbar erfolgreich die Geburt eines Sohnes voraussagte, verlegte Akbar Hof und Residenz nach Sikri und ließ dort mit dem Fort einen neuen Regierungssitz bauen, um Sheikh Salim Chishti zu ehren und um ihm nahe zu sein.

    Mein eigentliches Ziel ist aber weniger das Fort sondern mehr die, Sufis als wichtiges Heiligtum geltende, Grabstätte des Salem Chishti. Der berühmte weiße Marmorschrein im großen Innenhof der monumentalen Jama Masjid Moschee neben dem Fort. Dieser Schrein entstand als Zeichen von Akbars Verehrung für den Sufi-Heiligen. Die eigentliche Grabstätte ist komplett von filigranen weisen Marmorgittern umgeben und gilt als eines der schönsten Beispiele indo-islamischer Architektur. Insbesondere aber ist es ein Platz gelebter Spiritualität und tiefer Verehrung der Menschen, die in großer Anzahl hierher kommen. Und am Marmorgitter im inneren Umgang einen Bindfaden hinterlassen, der den Heiligen an ihr Anliegen erinnern soll. So ist es ein sehr lebendiger Ort und für mich, nach dem abgelegenen Bihar Sharif am fünften Tag meiner Reise, das zweite aber anders erlebte Sufi-Heiligtum in Indien.

  • Tage 40 und 41 in Indien: Agra

    Agra ist mehr als das Taj Mahal. Im 16. und 17. Jahrhundert war die Stadt (zeitweise mit dem benachbarten Fatehpur Sikri) Regierungssitz der Mogulkaiser. Von hier aus herrschten sie fast über den gesamten indischen Subkontinent. Auch das rote Fort, eine ummauerte kaiserliche Stadt mit Palästen (die frühen aus rotem Sandstein, die späteren aus weißem Marmor), Audienzhallen, Moscheen und Gärten, ist UNESCO-Welterbe. Deshalb ließ Großmogul Shah Jahan das Taj Mahal in Agra, am Fluss aber in Sichtweite seines Palastes im Fort, bauen. Seine letzten Lebensjahre soll er, von seinem Sohn entmachtet, unter Hausarrest im Turm Musamman Burj verbracht haben, mit direktem Blick auf die Ruhestätte seiner Gemahlin.

    Wieder unternehme ich Gänge durch die Gassen der Innenstadt. Die beiden schönen katholischen Kirchen sind gepflegt aber versperrt. Auch am Ostersonntag kein Hinweis darauf. Das Fest scheint auch unter den Christen hier keine große Relevanz zu haben. Eher ein Kuriosum ist das „Red Taj Mahal“, die Grabstätte des niederländischen Offiziers John Hessing aus dem Jahr 1803 auf einem der ältesten christlichen Friedhöfe Indiens.