Muxia 2022

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Auf meinem Reiseblog im Sabbatjahr 2026/27 sowie zu meinen früheren (Pilger-) Wegen. Hier auf der Startseite findest Du immer die drei aktuellsten Beiträge. Alle weiteren Posts, eine Karte mit meinem Standort bzw. der zurückgelegten Route usw. findest Du dann auf der Seite der jeweiligen Reise (aktuell: Japan).
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On my travel blog during my sabbatical year 2026/27, as well as about my earlier (pilgrimage) journeys. Here on the homepage you will always find the three most recent posts. All further entries, a map showing my current location or the route already covered, and more can be found on the page of the respective journey
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Neueste Beiträge:

  • Shikoku Henro, Tage 1 bis 3

    Klassische Pilgerwege und Pilgerziele der Weltreligionen: Ausschlaggebend für meine Reise nach Japan war zunächst der Shikoku Henro, bzw. 88-Tempel-Pilgerweg, der auf Shikoku, der viertgrößten Hauptinseln Japans, rund um die Insel 88 buddhistische Tempel und eine Vielzahl von Shinto-Schreinen miteinander verbindet. Ohne lohnende oder ungewollte Umwege soll die Strecke rund 1.150 Kilometer betragen. Historisch und in seiner Bedeutung im Buddhismus und im asiatischen Raum, ist der Shikoku Henro dem Jakobsweg im Christentum und in Europa durchaus ebenbürtig. Begründet wurde der Weg, oder zumindest einige Tempel am Weg, vom Mönch Kukai im 9. Jahrhundert. So besitzt das Pilgern auf Japanisch seine ganz eigenen Traditionen und Rituale. Ich freue mich darauf!

    Wenige Hundert Meter sind es vom Bahnhof der Kleinstadt Bando zum Tempel 1, Ryozen-ji. Wieder schließt sich für mich in gewisser Weise ein Kreis: Der Tempel ist nach dem Geierberg, Griddhakuta, benannt, an dem der historische Buddha meditierte und erstmals das Lotus-Sutra lehrte. Und den ich deshalb vor vier Monaten zu Beginn meiner großen Indienreise bestiegen habe. Im kleinen Pilger-Shop des Tempels kann ich mich mit der Grundausstattung für die Tempelbesuche versehen, insbesondere mit dem Nokyocho, dem Buch in dem jeder Tempelbesuch mit drei roten Stempeln und einer schönen Kalligrafie dokumentiert wird. Gleich hinter Tempel 1 führt mich ein Umweg zum schönen Shinto-Schrein Ooasahiko-Jinja und dem dahinter liegenden Park mit zwei „deutschen Brücken“, gebaut von deutschen Kriegsgefangenen während des ersten Weltkriegs. Am Umweg liegt auch das große German House. Neben Germany-Souvenirs aller Art, ist man stolz darauf, dass hier Beethovens neunte Sinfonie erstmals in Asien aufgeführt wurde. Die rund 1.000 deutschen Kriegsgefangene wurden offenbar fair behandelt und schlossen Freundschaften mit der lokalen Bevölkerung. Das ehemalige Lagergelände ist heute Park mit deutschen und japanischen Ehrenmalen und einem Mahnmal für Deutsch-Japanische Freundschaft. Zurück am Hauptweg gelange ich heute auch noch zu den Tempeln 2 bis 5.

    Neben den Tempeln 6 und 7 führt mich am zweiten Tag ein 2 x 5 km langer Abstecher zum schönen Tempel Taisan-ji (außerhalb der 88er Zählung), der sehr schön auf einem 450 Meter hohen Plateau mit einem 800 Jahre alten Gingko Baum liegt.

    Da ich nach wie vor nicht tätowiert bin, kann ich am Abend das erste Mal einen Onzen besuchen. Mit Tätowierungen ist der Besuch nach wie vor nicht gestattet. Im traditionellen heißen Thermalbad mit verschiedenen Innen- und Außenbecken und Saunen herrschen vorgesehene Abläufe und mannigfache Regeln, die nur in japanischen Schriftzeichen vorgetragen sind. Aber von den (außer mir ausschließlich) lokalen Besuchern lässt sich abschauen was zu tun und zu lassen ist. Zum Onzen gehört auch ein Restaurant. Jedes Essen in Japan ist mir ein Fest.

    Weiter führt der Pilgerweg durch Vororte, sehr stille Dörfer, Reisfelder und Obstplantagen. Highlights und nationale Kulturgüter Japans sind die Pagode des Tempels 10, von einem Samurai Anfang des 17. Jahrhunderts errichtet, und die fast 900 Jahre alte geschnitzte Hauptgottheit des Tempels 11. Meine Herberge liegt am Tempel 11 aber damit etwas abseits. Mit einem Fahrrad der Herberge fahre ich am Abend in die Kleinstadt Kamojima, wieder Onzen und Abendessen im Ramen-Restaurant.

  • Tag 1 in Japan: Tokyo

    Zwölf Tage nach Delhi erreiche ich Tokyo. Der Unterschied zwischen den Metropolen und ihren jeweils rund 30 Millionen Einwohnern könnte deutlicher nicht sein. Aber der erste Eindruck ist klar: Japan ist gut!

    Für einen ersten Tag suche ich mir drei Bereiche aus: Asakusa mit dem Sensoji-Tempel, einem der ältesten der Stadt, dem Asakusa-jinja Shinto-Schrein und dem Tokyo-Skytree am Sumida-River. Den Uena Park mit seinen Tempel- und Museumsbauten und dem benachbarten Ameya Yokocho Markt. Shibuya mit moderner Architektur und japanischer Popkultur.

  • Die Indienreise

    Mit wenigen Tagen Abstand blicke ich zurück auf die große Reise: 94 Tage in Indien, 27 Tage in Nepal. 7.350 Kilometer habe ich mit öffentlichen Verkehrsmitteln und 350 Kilometer zu Fuß auf Treks zurückgelegt. Und war doch, abgesehen vom Abstecher Richtung Bhopal, nur im Norden des Subkontinents unterwegs. Knapp 200 hinduistische oder buddhistische Tempel, islamische Moscheen, Jain-Tempel, Sikh-Gurudwaras, christliche Kirchen und einen Baha’i Tempel habe ich bewusst (so dass ich sie namentlich benennen kann) besucht.

    Eine gängige Formulierung behauptet, dass man Indien nur entweder lieben oder hassen kann. Dazwischen gebe es nichts. Nach meiner Reise teile ich diese Meinung nicht: Ich habe faszinierende spirituelle Orte erlebt, wie es sie so dicht wohl in kaum einem anderen Land der Welt gibt, aber auch allgegenwärtiges pures Chaos. Ich habe Menschen in tiefer Verehrung ihrer Gottheit und tief in ihrer spirituellen Praxis erlebt, aber auch rücksichtslose Menschenmassen und musste manchmal auch selbst rücksichtslos sein, um in den Menschenmassen zu bestehen. Die Ursprungsstätten des Buddhismus konnte ich mit Buddhisten aus vielen Ländern in tiefer Ruhe teilen; an nahezu jedem anderen Ort herrschte Lärm rund um die Uhr. Ich konnte 1.000 Jahre alte hinduistische Tempel und 2.000 Jahre alte buddhistische Stupas besuchen und habe außerhalb dieser Orte überall Müll, Schmutz und oft Gestank ertragen. Ich habe moderne, liebevolle Familien gesehen und Familien mit Kindern, die wie Prinzessinnen oder Prinzen bekleidet, geschmückt und geschminkt waren und kauernde Kinder an ihrem Arbeitsplatz in der Ziegelei. Und ein nacktes, schreiendes Kleinkind auf einer durchweichten Wellpappe auf einer Müllkippe. Nicht nur von Erwachsenen, sondern auch von Kindern und sehr kleinen Kindern wurde ich unzählige Male angebettelt. Kühe mit vergoldeten Hörnern wurden hingegen (nicht von mir) ungebeten gefüttert und geherzt. Ich wurde von wehrhaften Affen beraubt, von einem tollwutverdächtigen Hund gebissen (die Inkubationszeit ist nun wohl vorüber) und ein massiver Magen-Darm-Infekt hat mich letztlich mehrere Zähne gekostet. Und in zwei Kliniken wurde ich gut und unbürokratisch versorgt. In der Gangesebene und insbesondere im Himalaya habe ich wunderschöne Landschaften und traumhafte Berggipfel gesehen, aber die normalen Stadtbilder durchgängig geradezu als apokalyptisch wahrgenommen.

    Dazwischen bleibt die Faszination für ein Land, das mit unseren Maßstäben nicht zu erfassen ist. Und deshalb der Wunsch, dass diese erste große Indienreise nicht meine einzige bleiben wird.