Muxia 2022

Tage 54 bis 61 in Indien: McLeod Ganj

Vier Wochen nach Pokhara in Nepal erreiche ich wieder den Himalaya. Diesmal im äußersten Norden Indiens. Mit dem Bus (200 km, 5 1/2 Stunden, die Federung ist komplett durch) komme ich von Amritsar nach McLeod Ganj: Ursprünglich ein kleines Dorf auf 1.700 Meter Höhe in den Steilhang gebaut. Aber nach seiner Flucht aus Tibet seit 1960 Exil des Dalai Lama, Sitz der tibetischen Exilregierung und Zuflucht mehrerer tausend Exil-Tibeter. Klein-Tibet in Indien! Es gibt keine historischen Heiligtümer, aber der Ort ist geprägt vom Sitz und persönlichen Tempel, Tsuglagkhang-Komplex, des Dalai Lama am Ortsrand, vielen tibetisch-buddhistischen Klöstern, Schulen und Einrichtungen und buddhistischen Mönchen und Nonnen im Straßenbild. Der Tempel seiner Heiligkeit ist zugänglich und viel besucht. Ruhig ist es am Umrundungsweg Kora Circuit. Etwas unterhalb vom Dorf ist der Sitz der Exilregierung mit Verwaltung, Ministerien und dem Parlament. Und dem gut gestalteten Tibet Museum.

Für eine öffentliche Audienz, blessing line, beim 14. Dalai Lama kann ich mich nicht registrieren. Es finden wohl nicht mehr viele statt. Aber zur monatlichen Long-Life-Prayer-Zeremonie im Haupttempel bekomme ich Zugang. Bei seiner Ankunft (aus der gegenüber liegenden Residenz), der Begrüßung und Verabschiedung, stehe ich seiner lächelnden Heiligkeit plötzlich überraschend nahe. Die Zeremonie im Tempel verfolge ich mit vielen Menschen auf der Großbildleinwand. Buttertee und Biskuits werden auch uns gereicht. Die Zeremonie ist ein gelebtes Beispiel für die tibetisch buddhistische Gelugpa Tradition des Dalai Lama, mit der ich mich im Museum nur theoretisch befasst habe. Und gleichzeitig erinnert mich die Veranstaltung an die Pilger-Audienz bei Papst Leo XIV. im vergangenem Jahr. Elektronische Geräte dürfen nicht mitgebracht werden. Aber das Office seiner Heiligkeit (OHHDL) stellt einen live Mitschnitt zur Verfügung. Daraus stammen meine Bilder:

Bilder: OHHDL

Ich besuche den Musikabend im tibetischen Kulturinstitut. Es wird betont dass es nicht nur um Musik oder Folklore geht, sondern um die Bewahrung der Identität eines Volkes durch seine Kultur. Der buddhistische Gaden Jangtse Lahmo Khang Tempel ist zwischen den beiden Hauptgassen des Dorfes eingezwängt. Zunächst ist er nur eine Hülle für einen großen Stupa. Der eigentliche kleine Tempel steht wie ein Penthouse auf dem Dach. Wanderungen durch den Wald und die Nachbardörfer bringen mich zur protestantischen neugotischen Kirche St. John in the Wilderness mit einem kleinen christlichen Friedhof aus dem 19. Jhd. mitten im Wald, zum Bhagsu Naag Tempel der der mystischen Schlangengottheit geweiht ist die auch Herrin über das Wasser ist, es darf gebadet werden, zum Wasserfall in der Schlucht dahinter und zu einem weiteren einsamen Naag Tempel.