Muxia 2022

Tage 87 bis 89 in Japan: Nagasaki

Rund 400 Bahnkilometer liegen zwischen Hiroshima und Nagasaki auf der Insel Kyushu, der südwestlichsten und letzten Station meiner Japanreise. Ein Katzensprung, denn der Shinkansen fährt auf dieser Linie bis zu 300 km/h. Beim ersten Abendspaziergang entdecke ich eine moderne Hafenstadt. Und Dejima: Auf der künstlichen Insel im Hafen lebten im 17. Jahrhundert Portugiesen und während der Abschließung Japans, vom 17. bis Mitte des 19. Jahrhunderts, Holländer. Die kleine holländische Siedlung, heute Freilichtmuseum, und die kleine Insel waren über Jahrhunderte Japans einziges Fenster in die westliche Welt und einzige Möglichkeit zum Austausch von Waren und Wissen. Und prägten Nagasaki international und europäisch, während das für den Rest Japans undenkbar war.

Aufgrund starker Bewölkung erfolgte der zweite Atombombenabwurf der Geschichte am 09. August 1945 nicht über der eigentlich vorgesehenen Stadt Kokura und auch nicht über den außerhalb gelegenen Mitsubishi-Werften, sondern über dem christlich geprägten Urakami-Viertel im Zentrum der Stadt. Über 70.000 Menschen starben unmittelbar, etwa genauso viele, darunter Zehntausende Kinder, erlitten schwere und schwerste Verletzungen. Wieder besuche ich ein Friedensmuseum, eine Gedächtnishalle und einen Friedenspark. Und die Urakami Kathedrale: 1925 vollendet und geweiht, war sie die größte katholische Kirche Ostasiens. Rund 500 Meter vom Hypozentrum der Atombombe entfernt, wurde sie 20 Jahre später vollständig zerstört. Eine mehrere Meter große, vom Turm geschleuderte Glockenhaube liegt noch heute zu Füßen der wieder aufgebauten Kathedrale.

Nagasaki steht auch für die Geschichte der Christen in Japan: Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Christentum unter drakonischen Strafen verboten. 1597 wurden auf dem Nishizaka Hill 26 Christen, die 26 Märtyrer von Japan, zur Abschreckung öffentlich gekreuzigt. Als „Hidden Christians“ bewahrten die Menschen ihren Glauben trotzdem mehr als 200 Jahre lang im Untergrund. In der ausschließlich für Ausländer erbauten Oura Kirche, heute die älteste Kirche Japans, offenbarten im Jahr 1865 Gläubige einem französischen Priester dass diese verborgenen Gemeinden immer noch existierten.