Muxia 2022

Tage 32 und 33 in Südkorea: Gongju

Erstmals mit dem KTX, dem Südkoreanischen Schnellzug, fahre ich von Suncheon nach Gongju. Die königlichen Gräber dort ähneln den grünen Grabhügeln in Gyeongju, gehören aber nicht zum Königreich Silla, sondern zum Königreich Baekje, 6. Jahrhundert. Eher zufällig entdecke ich den interreligiösen Pilgerweg Gongju Ieum-gil, den „Weg der Verbindungen“. Er verbindet im Stadtgebiet Orte und historische Stätten des Buddhismus, des Katholizismus, des Protestantismus und des Konfuzianismus. Darunter die Märtyrerstätte Hwangsaebawi, wo im 19. Jahrhundert in mehreren Wellen mindestens 337 namentlich bekannte, insgesamt aber wahrscheinlich mehr als 1000 Christen enthauptet wurden, weil sie sich weigerten ihrem Glauben abzuschwören. Heute ist der Hügel voller christlicher Symbolik, Kapellen, dem Märtyrerturm, einem großen Kruzifix das die Umrisse des Gekreuzigten im Negativ erkennen lässt, während der Auferstandene darunter steht und einem schönen modernen Kreuzweg, der erst mit der Auferstehung beginnt. Und die Stadt ist voller christlicher Kirchen verschiedener Konfessionen.

Ist in Südkorea immer und überall Festival? Oder ist in Südkorea immer dort Festival, wo ich gerade bin? Diesmal ist es nicht ganz zufällig. „The 72nd Baekje Cultural Festival“ hat die Zimmersuche schwierig gemacht aber macht die Abende -im wahrsten Sinne des Wortes- bunt!

Magoksa wird zum letzten Tempel meiner Koreareise. Auch er gehört zu den sieben buddhistischen Bergklöstern, die das „Sansa – Buddhist Mountain Monasteries in Korea“ UNESCO-Welterbe bilden und steht für 1.400 Jahre ununterbrochen gelebten Buddhismus. Nochmal begegnet mir zwischen den buddhistischen Hallen der Berggeist Sansin aus dem koreanischen Volksglaube in seinem Schrein. Yeongsanjeon, die 400 Jahre alte Geierberg-Halle, verweist auf den Geierberg in Indien, den ich vor acht Monaten besucht habe, und Buddhas erste Lehrrede über das Lotus Sutra. Die Chrysanthemenbüsche in Kübeln sind auf dem Platz vor der Haupthalle akkurat in Form einer großen Swastika angeordnet. Selbst nach monatelangen Reisen durch buddhistische Länder zucke ich beim erkennen des jahrtausende alten buddhistischen Zeichens für Glück, Harmonie, Ewigkeit und die Lehre Buddhas.