Muxia 2022

Tage 76 und 77 in Japan: Kyoto 1

Wo Japan am japanischsten ist: Kyoto! Bis ins 19. Jahrhundert, fast 1.100 Jahre lang, Hauptstadt Japans, Sitz der Tenno und damit politisches, kulturelles und spirituelles Zentrum des Landes. Von Zerstörung im 2. Weltkrieg weitgehend verschont, von Bausünden der 1960er Jahre eher nicht. UNESCO-Weltkulturerbe „Historisches Kyoto“. Mehr als 1.600 buddhistische Tempel und 400 Shinto-Schreine soll es in der Stadt geben, Burgen und Paläste. Es gilt eine Auswahl zu treffen.

Die Burg Nijo-jo, Residenz der Shogune, beeindruckt weniger wegen ihrer Wassergräben und dicken Mauern, sondern mit den wunderschönen Bemalungen der Innenräume. Was nicht perfekt ist wird perfekt besprochen: Aus quitschenden Dielen wird der Nachtigallenboden.

Der Tempel Kiyomizu-dera steht schön am Steilhang über der Stadt. Vor der Haupthalle liegt eine weite, 13 Meter hohe Holzterrasse. Es gab die Tradition sich hinunter zu stürzen: Wer es überlebte, dem sollten alle Wünsche erfüllt werden. Heute ist das Springen trotzdem verboten.

Einer der ältesten und bedeutendsten buddhistischen Tempel ist To-ji mit der höchsten Holzpagode Japans und zwei monumentalen Haupthallen. Hier begegnet mir Pilgermönch Kukai, aus Shikoku und Koya-san, wieder: Vom Tenno wurde er mit der Gründung und Leitung des Tempels beauftragt. In einer Halle stehen drei gigantische Buddha-Skulpturen, in der anderen das „dreidimensionale Mandala“, eine spektakuläre Anordnung von 21 Groß-Skulpturen, die Kukai zur Visualisierung des esoterischen Buddhismus Anfang des 9. Jahrhunderts errichtet lies. Fotografieren darf ich nichts davon. Schön ist aber auch seine ehemalige Residenz am Rand der Anlage.

Dem Zen-Buddhismus hingegen zugehörig, ist Tofuku-ji. Neben der großen Haupthalle gibt es ein beeindruckendes 22 Meter hohes Zen-Tor aus dem frühen 15. Jahrhundert, die überdachte Tsuten-kyo-Brücke die ein kleines Tal überspannt und teils moderne, teils traditionelle Zen-Gärten.

Selfie und Instagram Hotspot, angeblich einer der beliebtesten Fotospots der Welt: Fushimi Inari Taisha. Der Shinto-Schrein aus dem 8. Jahrhundert ist Inari, der Shinto-Gottheit des Reises, der Landwirtschaft und dem geschäftlichen Erfolg gewidmet. Unter diesem Aspekt spenden Firmen die Torii als Opfergaben. Nicht nur der Tempelkomplex sondern der ganze, 233 Meter hohe Berg Inari, zu dessen Füßen der Tempel liegt, gelten als heilig. Kilometerlange Tunnel aus über 10.000 leuchtend roten Torii führen vom Tempel bis zum Gipfel. Ich entscheide mich erst am Abend hin zu gehen. Mit dieser Idee bin ich nicht allein. Aber je höher ich am Berg komme, desto stiller wird es. Ganze Abschnitte habe ich für mich allein. Beidseits der Wege durch die Torii, liegen unzählige kleine und kleinste Schreine, keiner ohne die Füchse Kitsune. Die kleinen roten Holztorii, die die Gläubigen als Opfergaben ablegen, stapeln sich. Inzwischen ist es stockdunkel. „Beware of Wild Boars!“