Muxia 2022

Tage 70 bis 72 in Japan: Mount Fuji

Fuji-san. Aktiver Vulkan und mit 3.776 Metern höchster Berg Japans. Für die UNESCO nicht Naturerbe sondern Weltkulturerbe: „Fuji-san – heiliger Ort und Quelle künstlerischer Inspiration“. Von Alters her im Shintoismus Heiliger Ort als Sitz der höchsten Gottheiten, seit etwa 800 Jahren im Buddhismus als Ort asketischer Praxis. Ein japanisches Sprichwort besagt wohl, dass jeder Japaner den heiligen Berg einmal besteigen soll. Aber nur ein Narr es ein zweites Mal tut.

Mit dem Fernbus fahre ich aus Tokyo nach Fujiyoshida am Fuß des Berges. Es dauert etwas, bis ich begreife, dass die Busse im 4. Stock des Bahnhofgebäudes abfahren. Traditionell besuchen die Pilger vor dem Aufstieg den Schrein Kitaguchi Hongū Fuji Sengen Jinja. Die Anlage ist, wie ihr Name, überraschend weitläufig und liegt sehr schön zwischen uralten Zedern. Endlich: Am späten Nachmittag reißen die Wolken auf und geben den Blick auf den Heiligen Berg frei.

Eher aus organisatorischen Gründen entscheide ich mich, wie die allermeisten Japaner, für den Aufstieg in der zweitägigen Variante ab Station 5 auf 2.300 HMR. Bis dort hin fährt der Bus. Auf der Yoshida-Route steige ich zunächst zur Station 8 auf 3.100 Meter auf. Zugang zum Weg erhält nur, wessen Ausrüstung geprüft und für ausreichend befunden wurde. In der Horaikan-Hütte gibt es für alle ein einheitliches Dinner, ein Breakfast-Paket und eine Koje für wenige Stunden.

Wie alle, will ich vor Sonnenaufgang am Gipfel bzw. Kraterrand sein. Die Nacht ist klar, die Sterne ungewöhnlich hell. In ihrem Licht und dem der Stirnlampe, geht es durch die offene, karge Vulkanlandschaft und gelegentlich ein Torii immer weiter nach oben. Viel zu früh bin ich am Kraterrand. Auf 3.770 Meter ist es kalt. Und Wolken umschließen den Gipfel: Sonnenaufgang fällt heute aus. Aber für Blicke in den 250 Meter tiefen Krater reißen die Wolken später doch wieder auf.