Muxia 2022

Kumano Kodo, Tage 1 bis 3

Kumano Kodo: Nach dem Shikoku Henro, der hinter mir liegt, die zweite wichtige Pilgerreise in Japan. Eine Abstufung ist nicht möglich: Während der Henro eine buddhistische Reise ist, ist der Kumano shintoistisch. Während der Henro mit seinen 88 Tempeln eine über 1.100 Kilometer lange Rundwanderung um die Insel Shikoku ist, ist der Kumano ein Netz kürzerer Pilgerwege durch die Kii-Halbinsel zwischen drei Großschreinen. Während der Henro in seinen Grundzügen auf den Mönch Kukai im 7./8. Jahrhundert zurückgeht, ist die Tradition des Pilgerns auf dem Kumano Kodo seit dem 10. Jahrhundert belegt. Und für mich ist der Kumano nicht einfach noch ein Pilgerweg sondern er zeigt mir seinen ganz anderen Charakter: Während auf Shikoku die 88 Tempel im Vordergrund stehen, ist am Kumano tatsächlich der Weg das Ziel: Absolute Ruhe, spürbar uralte Wege durch mystische Wälder, großartige Aussichten, Naturerlebnis. Und abgesehen von den drei Hauptschreinen nur gelegentlich ein kleiner oder kleinster Schrein am Weg, der an den spirituellen Background erinnert. Sein Symbol, die dreibeinige Krähe Yatagarasu, steht für Führung, richtigen Weg und Beistand. UNESCO Welterbe „Sacred Sites and Pilgrimage Routes in the Kii Mountain Range“. Mountain Range: Zwischen 850 und 1.250 Höhenmeter Aufstieg sind es täglich.

Ich entscheide mich für eine sechstägige Variante. In der schönen privaten Pilgerherberge hängen die Compostela aus Santiago de Compostela an der Wand. Das ältere japanische Paar spricht gerne über seine Pilgerwanderungen durch Frankreich, Spanien und Portugal. Mit der gasbefeuerten urtümlichen Pongashi-ki werden zum Dinner, d.h. für einen von vielen Gängen, Mais, Rais und Nudeln gepufft. Den zweiten Abend verbringe ich in Yunomine Onsen. Selbst das einfache Hostel hat sein eigenes Thermalbad. Im kleinen Quellbecken an der Straße werden Eier und Gemüse gekocht. Ein leichter Schwefelgeruch hängt über dem Ort.

Am dritten Tag erreiche ich den wunderbar reduzierten Hauptschrein Kumano Hongu Taisha. Im Welterbezentrum wird die Partnerschaft mit dem Camino de Santiago sehr ernst genommen. Da ich nun beide Wege, den spanischen und den japanischen, belegen kann, werde ich als „Dual Pilgrim“ geradezu geehrt.