Muxia 2022

Tage 65 bis 67 in Japan: Ise

Aus den Bergen der Kii-Halbinsel mit ihren uralten Heiligtümern des Kumano Kodo, bringt mich die Bahn in eine ganz andere Pilgerwelt: Ise, knapp 120.000 Einwohner im Süden von Honshu, beherbergt mit dem Ise Jingu den wichtigsten Heiligtumskomplex des Shintoismus in Japan. Jingu besteht aus zwei seperaten Hauptschreinanlagen: Geku und Naiku. Der übergeordnete Naiku ist der Sonnengöttin Amaterasu gewidmet. Die oberste Priesterin stammt traditionell aus der kaiserlichen Familie. Seine innersten Räume dürfen nur vom Kaiserpaar betreten werden. Die jeweiligen Hauptgebäude sind abgeschirmt und dürfen auch von außen nicht fotografiert werden. In Scharen (ohne dass dies in den weitläufigen bewaldeten Flächen stören würde) kommen die Menschen in das Zentrum ihrer Religion und verrichten ihre Gebete, nach kurzem Anstehen in einer akkuraten Schlange, vor jedem einzelnen Schrein: Zweimal verbeugen, zweimal klatschen, kurz beten, einmal verbeugen. Die Kultorte sollen seit 1.500 bzw. 2.000 Jahren als solche gelten. Ihre heutige Form bewahren die beiden Anlagen seit dem 7. Jahrhundert. Und trotzdem ist keines der Schreingebäude alt: Alle 20 Jahre werden sie auf den direkt daneben befindlichen „Wechselflächen“ identisch in traditioneller Bauweise neu errichtet und die bisherigen Gebäude (nach Umzug der Gottheiten) abgebaut. Beständigkeit durch Erneuerung. Zuletzt im Jahr 2013 zum 64. Mal.

Zum Pilgerkontext des Ise Jingu gehört auch Futami an der Küste. Meoto-Iwa, die „verheirateten Felsen“, sind Postkartenmotiv und symbolisieren die Vereinigung männlicher und weiblicher Kräfte. Traditionell reinigten sich die Pilger hier im Meer, bevor sie nach Ise weiterzogen. Ich reinige mich am Abend in Ise im Onsen, dessen Außenbecken in dieser Tradition täglich mit Meerwasser gefüllt wird.

Mikimoto Pearl Island in Toba bei Ise gilt als Geburtsort der Zuchtperle. Kōkichi Mikimoto gelang hier Ende des 19. Jahrhunderts erstmals erfolgreiche Perlenzucht. Und der Aufbau einer internationalen Luxusmarke. Vor der kleinen Insel mit dem Perlenmuseum führen Ama, sehr nett, ihr historisches Handwerk vor: Ohne Atemgeräte tauchen sie zur Muschelernte bis zu 20 Meter tief.