Char Dham Yatra: „Pilgerreise zu den vier heiligen Orten“. Im Hinduismus wohl die wichtigste Pilgerreise überhaupt. U.a. zu den Quellen der heiligen Flüsse Yamuna und Ganges. Dem gläubigen Hindu gilt sie als religiöser Verdienst und verspricht Reinigung und Segnung, letztlich ein Schritt Richtung Moksha, Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod. Die vier heiligen Orte, bzw. Tempel, Yamunotri, Gangotri, Kedarnath und Badrinath, liegen im westlichen Himalaya auf Höhen zwischen 3.100 und 3.600 Metern. Luftlinie wären sie nur etwa 120 km voneinander entfernt. Tatsächlich liegen zwischen ihnen jedoch die bis zu 7.100 Meter hohen Gipfel des Garhwal-Himalaya, so dass die Strecke der gesamten Reise auf Straßen oder Wegen knapp 1.500 Kilometer beträgt.
Mit meinen mühsam erworbenen Ticket bin ich um 06:30 am Busbahnhof. Es funktioniert, ich bekomme meinen Platz, allerdings wenig Platz. Zehn Stunden wird die Fahrt dauern. Eine waghalsige Fahrt über abenteuerliche Bergstraßen, zuletzt nur noch Pisten. Ziel ist das Dorf Janki Chatti, der letzte mit Fahrzeugen erreichbare Ort vor Yamunotri. Ab Rishikesh sind es 230 km, von 375 auf 2.600 Höhenmeter. Kumuliert quälen sich Fahrzeug und Fahrgäste über 6.000 Höhenmeter. Anfangs ist die Stimmung im Bus gut. Pilger unterwegs: Es wird gesungen. Am Ende heißt es nur noch durchhalten: Manche übergeben sich direkt aus dem Fenster. In Janki Chatti ist es lausig kalt und es regnet heftig.
An dessen Ursprung wird in Yamunotri die Göttin Yamuna, bzw., in einer Person, der Fluss Yamuna verehrt. Neben dem Ganges der zweite Heilige Fluss Indiens. Nach 1.350 Kilometern wird er in Prayagraj in den Ganges münden, am Triveni Sangam, zu dem ich vor elf Wochen mit dem Ruderkahn gebracht worden bin (und nicht ausgestiegen bin). Dazwischen liegen auf seiner und meiner Reise Mathura, Vrindavan, Agra und Delhi. Als Ursprung gilt der Ort des Tempels Yamunotri auf knapp 3.200 Metern Höhe. Sechs Kilometer beträgt der Aufstieg. Wer nicht gehen kann oder will (viele wollen nicht), lässt sich tragen: Von Pferden oder von Menschen: Im Korb (Kandi) auf dem Rücken eines einzelnen, oder im Tragestuhl Palki. Der Weg durch und über der steilen, tiefen Schlucht des Yamuna wäre wunderschön. Tatsächlich steht die Situation auf dem völlig überfüllten Weg den Straßenverhältnissen in den Städten nichts nach: Schreiend und stoßend verschaffen sich Träger und Führer der Pferde ihre Bahn. Die Fußpilger können sehen wo sie bleiben. Und drängeln gegenseitig. Trotzdem ist die Stimmung am Ziel gelöst. Die Menschen verehren die Göttin am Fluss und im Tempel. Und mit einem Bad in der heißen Quelle, die unter dem Tempel entspringt.































