Muxia 2022

Tage 65 und 66 in Indien: Haridwar

Mit dem Nachtzug (210 km, 5 Std.) komme ich von Chandigarh in den frühen Morgenstunden in Haridwar an. Mein erster Weg führt zu den Ghats (tatsächlich werde ich durch die Gassen zu den Ghats gedrückt): Nach Patna, am Beginn meiner Reise, Varanasi und Prayagraj, erreiche ich hier wieder den Ganges. In Haridwar tritt der heilige Fluss, als türkisgrüner, lebhafter Bergfluss aus dem Himalaya kommend, in die nordindische Ebene ein und wird für die Gläubigen zugänglich. Deshalb gehört die Stadt zu den sieben heiligen Städten im Hinduismus und ist, wie Prayagraj, eine von vier Städten in denen alle zwölf Jahre die Kumbh Mela stattfindet. Zuletzt, 2021, sollen hier über neun Millionen Menschen an den Fluss gekommen sein, davon 3,5 Millionen am Haupttag. Anders als in Varanasi sind die Ghats nicht historisch sondern weitläufig und neueren Datums. Offenbar um dem Großereignis gewachsen zu sein. Kanalisiert strömt der Ganges durch die Stadt und gibt ihr ihren besonderen Charakter. Und die Menschen strömen auch heute, am Morgen eines ganz normalen Tages, an den Fluss. Zentrum sind die Har Ki Pauri Ghats, wo auch ein Fußabdruck Vishnus verehrt wird. Aber das eigentliche Heiligtum ist der Fluss: Das rituelle Bad reinigt das Kharma, erfrischt an diesen heißen Tagen und muss mit dem Handy festgehalten werden. Vor Sonnenuntergang strömen die Menschen dann zum Arati. Die Zeremonie selbst ist kurz. Die eigentliche Show ist die Masse der Menschen.

Wichtigster Tempel ist der Maa Mansa Devi Mandir auf einem Hügel über der Stadt. Am Weg hinauf zum Tempel sitzen Menschen mit offener Hand und wartende Affen. Beiden wird gegeben: Gut für das Karma. Die Verehrung der Göttlichen Mutterkraft im Tempel ist historisch. Der heutige Bau überwiegend aus dem 20. Jahrhundert. Lange Gänge führen an vielen Scheinen vorbei, so dass jeder, auch neben der Göttin Devi, seiner favorisieren Gottheit opfern kann.