Mit Bongeunsa besuche ich einen buddhistischen Tempel aus dem 8. Jahrhundert, der heute, von Hochhäusern umzingelt, mitten im modernen Stadtteil Gangnam liegt. Mir fällt etwas auf das mich durch Korea begleiten wird: Im Glockenpavillon, Beomjonggak, hängt (anders als in Japan) nicht nur die große Glocke, sondern die vier traditionellen Tempelinstrumente: Glocke, Trommel, Wolkengong und vor allem, sehr schön, der Holzfisch. Gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegt COEX, ein gigantischer Komplex aus Messe- und Einkaufszentrum und der modernen „Leselandschaft“ Starfield Library. Ich fahre weiter zum Lotte Tower. Um von der U-Bahn zum Hochhaus zu kommen, muss ich durch ein weiteres Mega-Einkaufszentrum. Aber es ist nicht irgendein Hochhaus, sondern das höchste Gebäude Südkoreas und mit 555 Metern das fünfthöchste der Welt. Bereits der Zugang zum Hochgeschwindigkeitsaufzug ist spektakulär gestaltet. Die Aussichtsbereiche Seoul Sky liegen in über 500 Metern Höhe in den Stockwerken 117 bis 123. Etwa drei mal höher als die Plattform des Umeda Sky Building, die mich in Osaka fasziniert hat. Auf dem Glasboden des Balkons im 118. Stock gehe ich nur tastend. Auch Kinder die eigentlich laufen könnten, bewegen sich instinktiv nur krappelnd.
Mit der Bahn fahre ich raus in die Berge, die ich am Vorabend vom Lotte Tower aus im Sonnenuntergang gesehen habe. Und sehe nun, vom Bergtempel Doseonsa aus, den Tower und die gigantische Stadt. Am Tempel herrscht Feststimmung: Es ist der erste Tag des achten Mondmonats. Ein Geistlicher hält einen Vortrag. Ich kann ihm nicht folgen aber er scheint unterhaltsam zu sein. Dann geben Mönche „gesegneten Reiskuchen“ an die Menschen aus, die dafür in einer langen Schlange anstehen. Da ich mich erst am Ende hinter die Gläubigen anstelle, fällt für mich kein Reiskuchen mehr ab. Aber wie alle bekomme ich ein kostenloses Mittagessen. Zurück in der Stadt wandere ich auf dem Weg zum Markt durch die Hochhäuser auf Seoullo 7017: 1970 als Hochstraße (bzw. Hochautobahn) gebaut, 2017 zur begrünten Fußgängerzone umgestaltet.






































