Muxia 2022

Tage 4 bis 9 in Nepal: Pokhara

An der Ticket-Hütte in Lumbini werden mir Tickets für den kleinen (18 Plätze) oder großen (Reise-) Bus angeboten. Da die Fahrzeit des kleinen zwei Stunden kürzer ist, entscheide ich mich für diesen. Wie sich herausstellt fährt der große Bus wohl in weitem Bogen über den neuen Highway, während mein kleiner den sog. Siddhartha Highway, direkt durch und über die Berge nimmt. 7 1/2 Stunden dauert die Fahrt über 200 km halsbrecherische Pisten und Pässe. Manche Mitfahrer übergeben sich. Fahrzeug und Fahrer scheinen aber vertrauenswürdig. Auf der Brücke über den heiligen Kali Gandaki River (dessen Schluchten ich im Himalaya wieder treffen möchte) bleibt der Bus auf der ohnehin engen Fahrbahn plötzlich stehen. Einige Fahrgäste springen hinaus und werfen tütenweise Blumen oder andere, offenbar zu diesem Zweck mitgebrachte, Opfergaben in den Fluss. Dann geht die Fahrt weiter.

Pokhara: Geografische Mitte und zweitgrößte (320.000 Einw.) Stadt Nepals. Gelegen am Phewa Lake auf rund 800 Metern Höhe, noch im subtropischen Bereich. Die 8.000er des Annapurna Massiv und des ehem. „verbotenen“ Königreichs Mustang sind aber nur noch 50 Kilometer entfernt. Bei passendem Wetter sollen die Hügel um Pokhara spektakuläre Ausblicke in den Himalaya bieten. Ich habe angenehmes Wetter aber (jahreszeitlich typisch) Dunst statt Ausblicke.

Ziele meiner Wanderungen sind zunächst die World Peace Pagoda des japanisch buddhistischen Nipponzan Myohoji Ordens (nach Rajgir und Lumbini bereits die dritte auf meiner Route, aber auch in Wien gibt es eine) auf dem Anadu Hill und der Shiva Tempel auf dem Pumdikot Hill über dem See.

Pokhara ist freundlich. Anders als ich die Städte in Nordindien erlebt habe, gibt es genug Platz, selbst für Fußgänger, und Grün in den Straßen. Die Häuser sind keine Ruinen und haben kleine Gärten (oft steht eine Kuh darin). Es ist sauber und relativ ruhig. Auch die Menschen sind freundlich. Die Lake Side ist stark vom touristischen Treiben geprägt. Dem armen Nepal sei der Umsatz vergönnt. Selbst wandere ich tagelang durch die Straßen der Stadt, ihre Außenbereiche und über die umgebenden Hügel.

Devi’s Fall ist ein Naturphänomen in der Stadt: Der Wasserfall verschwindet einfach, d.h. er stürzt in eine unterirdische Schlucht. Dabei stürzt er auch durch die direkt daneben liegende Gupteshwor Cave. In der tiefen Höhle befindet sich ein natürlicher Lingam. Deswegen und weil sich hier die Elemente verbinden, wird die Höhle als Shiva Heiligtum bzw Tempel verehrt. Mehrfach gewundene Treppen führen zum eigentlichen Höhleneingang hinab. Eine weitere Schlucht entlang, wandere ich östlich aus der Stadt hinaus. In einem Vorort entdecke ich eine kleine christliche Kirche. Von meiner offensichtlichen Neugierde aufmerksam geworden, öffnet mir der zweite Gemeindevorstand den Kirchenraum im Obergeschoss. Jeden Samstag kommen hier 50 bis 80 Gemeindemitglieder zum Gottesdienst zusammen. Im Bereich Pokhara gibt es drei solcher Gemeinden. Ich werde zum Tee mit Jeevan und der Vorständin der Gemeinde im Gemeindesaal unter dem Kirchenraum eingeladen. Einige Jugendliche essen nachdem sie ein Lied für ein Fest eingeübt haben.

Eher zur Vorbereitung für den Weg nach Muktinath als der Aussicht (denn die ist nicht zu erwarten) wegen, besteige ich den 1600 Meter hohen Sarangkot. Überraschend erwartet mich oben ein schöner alter Bhagwati-Tempel und eine neue, 15 Meter hohe, Panchamukhi (fünf Gesichter) Ganesha Statue.

Das Wetter bleibt dunstig. Nicht wenige Reisende interessieren sich offenbar eh nicht für die Berge sondern beschränken sich gerne darauf, am Lake zu rauchen, was an den Hängen des Himalaya wächst. Weitere Tempel sind eher von lokaler Bedeutung, haben aber gerade deswegen ihren Charme. Seit dem verheerenden Erdbeben von 2015 bauen die Mönche und Novizen des buddhistischen Matepani Monastery, der Volksgruppe der Nyeshang, ihr Kloster wieder auf. Der große Tempel scheint fast fertig. Erst dann kommen die Gebäude für die Bewohner an die Reihe.

Am Tag der Parlamentswahlen steht das Land regelrecht still. Deshalb verbringe ich fünf statt der ursprünglich geplanten drei bis vier Tage in Pokhara. Zu sehen gibt es genug. Am Wahltwag bereite ich mich auf die Pilgerwanderung nach Muktinath vor. Nur am Nachmittag zieht es mich nochmal zum Phewa Lake: Mit dem SUP paddle ich hinaus zur kleinen Tempelinsel mit dem Tal Barahi Durga Tempel. Der Tempel ist Baustelle, auf dem See ist es angenehm.

Morgen soll es weiter gehen: Ich freue mich auf ein (vielleicht das) Highlight meiner Reise: Das voraussichtlich etwa zehntägige Pilgertrekking, zunächst im Annapurna Massiv, zum Klosterheiligtum Muktinath im Mustang Distrikt.