Muxia 2022

Tage 30/31 und 34 in Indien: Jhansi

Jhansi, Uttar Pradesh, 320 km südwestlich von Lucknow, ca. 700.000 Einwohner. Für mich zunächst nur Zwischenstopp und Verkehrsknoten. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel entdecke ich auf Maps eine Kirche: Im St. Jude’s Shrine (St. Judas Thaddäus), Bischofssitz, kann ich an einer vorgezogenen Ostermesse teilnehmen.

Auch den Emergency Room des Maharani Laxmi Bai Medical University Hospital kann ich erleben: Nachdem mich in Gorakhpur bei Dunkelheit unvermittelt ein Straßenhund in die Wade gebissen hat, sind trotz Grundimpfung zwei Tollwutbooster angezeigt. Hundebisse werden in Uttar Pradesh, wegen des hohen Tollwutvorkommen, als Notfall betrachtet: Im Emergency Room bekomme ich, nach kurzer Schilderung des Vorfalls, schnell und unbürokratisch die nötigen Injektionen. Nach Versicherung oder Bezahlung fragt niemand. Um die Termine zu ermöglichen plane ich um.

Dem Hospital gegenüber entdecke ich auf einem Straßenschild einen Hinweis auf den Karguvanji Jain Tempel, der in keinem Buch verzeichnet ist. Die Digambar-Jain sind eine Strömung die nicht nur Ahimsa, absolute Gewaltlosigkeit, sondern insbesondere Besitzlosigkeit, bis hin zu Kleidung, als Weg zur Erlösung betrachten. Am Tor bedarf es mehrerer Rücksprachen mit Entscheidungsträgern, bis klar ist ob ich das Areal betreten darf. Schuhe ausziehen, Hände und Füße waschen, dann führt mich ein Verantwortlicher ausführlich durch alle Bereiche. Das Pflaster ist brutal heiß: Die Funktion der weißen Streifen zwischen den Gebäuden wird schnell klar. Auch zu zwei spirituellen Lehrern soll ich mich setzen. Sie haben auch die Kleidung aufgegeben. Für mich ist es nach Pawapuri, in der ersten Woche meiner Reise, erstmals wieder ein Jain Tempel. Im Kern ist er 700 Jahre alt. Und wunderschön.

Auf dem Stadtplan entdecke ich einen Lakshmi Tempel am gleichnamigen See, wohl der relevanteste Hindu Tempel der Stadt. Ich will einen Abendspaziergang dort hin unternehmen. Natürlich ist ein Fußmarsch durch die Altstadt wieder ein krasses Unterfangen. Mehrmals gerade ich in ohrenbetäubende religiöse Umzüge, die die ohnehin überfüllten und lauten Straßen komplett blockieren. Die kämpferische Göttin Kali wird phrenetisch gefeiert. Am Lakshmi See finde ich ein ganzes Tempelareal. Während der Arati an einem kleinen Durga Tempel ist es ruhiger. Ich werde eingeladen dazu zu kommen.