Die aktuelle Reise: Indien und Nepal
Reise-Idee Februar bis Mai 2026
Klassische Pilgerziele, Spirituelle Stätten und Heilige Orte des Hinduismus und des Buddhismus, des Sikhismus, Jainismus und des Islam, in Nordindien entlang des Ganges, in Nepal und im Himalaya.
Nach dem Start in Patna: Vom Ort der Erleuchtung Buddhas, Bodh Gaya in Bihar, bis zur Quelle des Ganges, Gaumukh in Uttarakhand im Himalaya.
Meine zurückgelegte Route:
Reiseweg in Indien
Und hier (von neu nach älter) die Posts aus Indien:
- Tage 1 bis 3 in Nepal: Lumbini

Wieder ab Gorakhpur bringt mich und drei Mitfahrer ein „shared Taxi“ zum 110 Kilometer nördlich gelegenen Grenzübergang Sonauli. Ausreisestempel vom Indian Immigration Office, zu Fuß durch den Ort und über die Grenze, zwei Stunden im Nepal Immigration Office für das Visa: Bereits am frühen Nachmittag bin ich in Lumbini.
Und vervollständige damit für mich die „Vier heiligsten Städte des Buddhismus“. Nach Bodh Gaya (Erleuchtung), Sernath (erste Lehrrede) und Kushinagar (endgültiges Nirvana), bzw. fünf mit Rajgir (erste Klostergründung und Lotus Sutra) in Indien, nun also Lumbini in Nepal, wo Siddhartha Gautama, der spätere Buddha, im Jahr 623 vor Christus geboren wurde.
Dem entsprechend werden es wieder „Tempel-Tage“. Anders als in den vorherigen Orten sind die Tempel und Klöster jedoch nicht im Ort verstreut, sondern befinden sich in einer ca. 5 x 2 Kilometer großen, weitläufigen Anlage, die auf Initiative des Vize-UN-Generalsekretär, Ende der 1970er Jahre als spirituelles Zentrum vom japanischen Architekt Kenzo Tange geplant wurde.
Herz des Tempel-Parks ist am Südende der Maya Devi Temple, umgeben vom Secred Garden mit Ruinen aus dem ersten Jahrtausend. Der neue Tempel ist nur eine Hülle: Darin bewegen sich die Pilger zwischen Grundmauern des wohl ersten Tempels aus dem 3. Jahrhundert vor Christus zu einer flachen Felsplatte, von der seit 2.300 Jahren ausgegangen wird, dass sie den exakten Geburtsort Buddhas markiert. Ich verbringe zwei Abende im bzw. am Tempel und lasse unter Räucherschwaden und Gebetsfahnen die buddhistischen Gesänge, Mantras und Meditationsformen verschiedener Traditionen und Sprachen auf mich wirken.
Durch einen zentralen Kanal verbunden, liegt am nördlichen Ende die World Peace Pagoda, eine weiße Stupa, die, wie die auf dem Geierberg in Rajgir, an der Donau in Wien und viele weitere weltweit, vom japanischen buddhistischen Orden Nipponzan Myōhōji erbaut wurde. Im zugehörigen japanischen Tempel kann ich an der Abendzeremonie bzw. Meditation teilnehmen.
Seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe, wurde und wird die Anlage laufend um neue Tempel und Klöster verschiedener Nationen und buddhistischer Organisationen erweitert. Strukturiert durch den Central Canal liegen die Tempel, entsprechend den beiden buddhistischen Hauptströmungen, in einer Ost und einer West Monastic Zone. Recht groß und farbenfroh (und daher offenbar beliebt) ist diesmal auch ein deutscher Beitrag in der Tradition des Dalai Lama dabei. In den weiten offenen Flächen zwischen den Gebäuden treiben sich wieder die Affen herum. Spannend, wenn bei Dunkelheit plötzlich zwei oder drei Dutzend von ihnen vor Dir auf dem Weg sitzen.
West Monastic Zone:
East Monastic Zone:
Natürlich ist Nepal viel mehr als Tempel und buddhistische Heiligtümer. Aus dem flachen Grenzgebiet zu Indien heraus, will ich morgen nach Pokhara an der Basis des Himalaya, am Annapurna-Massiv. - Tage 26 und 27 in Indien: Ayodhya

Wieder ab Gorakhpur, fahre ich am frühen Morgen mit einem modernen und unglaublich langen Zug, von einem Bahnhof mit einem der längsten Bahnsteige der Welt, ca. 165 km nach Westen. Ein großer Affe sitzt zwischen den Wartenden am Bahnsteig, erregt aber weiter keine Aufmerksamkeit.
Ayodhya gehört wie Varanasi zu den Sapta Puri, den sieben heiligen Orten des Hinduismus: Wichtiges Pilgerziel und verehrt als Geburtsort von Lord Rama, dem siebten Avatar von Gott Vishnu. Zentral sind zum einen auch hier die Ghats, diesmal am Fluss Ghagara, der in Tibet entspringt, durch Nepal fließt und nach über 1000 Kilometern in den Ganges münden wird. Neben Rama wird hier besonders sein treuester Diener, Affengott Hanuman, verehrt. Der Affe am Bahnsteig in Gorakhpur war nur eine Vorhut: Hier in Ayodhya sind sie plötzlich überall. Dass mir einer, als ich beim Fotografieren kurz nicht darauf achte, blitzschnell die halb volle Schachtel Ladoo wegnimmt (und gleich gezielt aufreißt): Geschenkt, ich hätte damit rechnen müssen. Aber den dabei steckenden Objektivdeckel hole ich trotz seiner gefletschten Zähne zurück, da kenne ich keinen Spaß.
Anders als ich es bisher in Indien erlebt habe, ist in Ayodhya aber auch der Konflikt zwischen der hinduistischen Mehrheit und der islamischen Minderheit geradezu in Beton gegossen: Am exakten Geburtsort von Gott Rama soll ein Hindu-Tempel gestanden haben, den der Mogul-Herrscher um 1530 abreisen und durch eine Moschee ersetzen ließ. 1992 wurde die Moschee von einem (wohl gelenkten) Mob gestürmt und zerstört. Mit Auslöser für die landesweiten Unruhen 1992 mit etwa 2000 Todesopfern. 2001 sprach ein Gericht das Gelände der hinduistischen Gemeinschaft zu. Der neue gigantische Rama Tempel, ein national hinduistisches Symbol, wurde im Jahr 2024 eröffnet. www.tagesschau.deTrotzdem will ich auch diesen neuen Tempel besuchen. Zwei Sicherheitskontrollen, eine großflächige Schleusung und für mich zwei Passkontrollen sind erforderlich. Daher gibt es kaum Gedränge. Elektronische Geräte (Handys) in die Anlage zu bringen wird wieder strikt unterbunden. Architektur und Ausschmückung, alles monochrom in Sandstein, sind trotz der Giganterie gelungen. Beim Verlassen des Geländes bekomme ich, wie jeder Besucher, aus einer Großküche heraus ein warmes Essen und ein Getränk gereicht.
Gleich danach im Stellenwert der Pilger kommt der Hanuman Tempel aus dem 18. Jahrhundert. Kontrollen und Schleusung gibt es hier nicht, das Gedränge ist wieder brutal. Von der alten Hanuman -Skulptur bekomme ich lediglich einen Berg Blüten zu sehen. Einen schönen ruhigen Besuch habe ich hingegen am nächsten Morgen im Tempel Kanak Bhawan (Goldener Palast), einem palastartigen Bau aus dem 19. Jahrhundert, der der Legende nach auf den Palast von Lord Hanuman und Sita zurückgehen soll. Den Zugang zum traditionellen Shri Rajdwar Mandir, ebenfalls Rama geweiht, entdecke ich eher zufällig und bin dort fast allein.
An vielen Tagen sollen bis zu 100.000 Menschen, insbesondere Rama- und Hanuman-Verehrer nach Ayodhya kommen. Trotzdem bin ich scheinbar der einzige Mensch in der Stadt der nicht aus Indien stammt. Die vergangenen Tage in Maghar, Kushinagar und Ayodhya waren gut und bereichernd. Vielleicht habe ich mich inzwischen, soweit das für uns möglich ist, an Nordindien gewöhnt. Trotzdem freue ich mich auf Nepal: Morgen möchte ich über die Grenze.
- Tage 23 und 24 in Indien: Kushinagar

Mit dem Bus fahre ich etwa 50 Kilometer nach Osten. Nach dem eher „schwierigen“ Gorakhpur ist die Kleinstadt Kushinagar, zumindest der Ortsteil mit den buddhistischen Heiligtümern, geradezu eine Oase.
Nach Bodh Gaya, dem Ort der Erleuchtung und Sarnath, dem Ort der ersten Lehrrede, nun also Kushinagar, der Ort des Sterbens bzw. des Erreichens von Parinirvana, restlosem Nirvana, des Gautama Buddha um 483 vor Christus. Auch hier ist der Ansturm geringer als in Bodh Gaya aber ich erlebe wieder buddhistische Pilgergruppen aus ganz Asien.
Zentral ist der, auf uralten Fundamenten erbaute, moderne Mahaparinirvana-Tempel mit einer hoch verehrten, über sechs Meter langen, liegenden bzw ins Nirvana übergehenden, Buddha-Statue aus dem 5. Jahrhundert. Umgeben ist der Tempel von Grundmauern von Klöstern und Tempeln aus dem frühen ersten Jahrtausend und soll den genauen Sterbeplatz kennzeichnen. Ich verbringe den Nachmittag im und am Tempel mit Pilgergruppen aus Thailand und Kambodscha.
Etwas außerhalb liegt die Ramabhar Stupa mit Bauelementen aus dem 3. Jhd. v. Chr., die den Ort markiert an dem der Leichnam Buddhas verbrannt wurde. „Buddha’s Relic Distribution Site“ hingegen ist der Platz, von dem seit 1500 Jahren davon ausgegangen wird, dass hier der Streit um seine Reliquien (bzw. Asche) entbrannte, bevor ein Brahmane sie in acht Teile aufteilte und so acht Regionalfürste in ihren Reichen Stupas für die Reliquien errichten konnten. Der Matha-Kuar-Schrein beherbergt eine sitzende Buddha Statue aus dem 10. Jahrhundert.
Neben diesen Hauptbereichen gibt es wieder einige Tempel buddhistischer Nationen die hier auch vertreten sein wollen. Trotzdem ist es ruhiger und nicht alle Tempel sind geöffnet.
Schlecht unterwegs: Mein sog. Leibriemen, den ich beim Dienstantritt empfangen habe, ist nach 35 Jahren steten Gebrauchs in zwei Teile gerissen. Gut in Indien: Ein Schuster, der wie die meisten Handwerker mit einfachsten Mitteln direkt an der Straße arbeitet, repariert ihn mir routiniert und schwärzt noch schnell das spröde Leder.
- Tag 22 in Indien: Gorakhpur

Gorakhpur, ca. 800.000 Einwohner, nur noch etwa 100 km von der Grenze zu Nepal entfernt. Wie für die meisten Reisenden hier, dient es mir als Verkehrsknoten zu den verschiedenen Zielen dieser Tage.
Tatsächlich habe ich es jedoch aus einem anderen Grund auf meine Route gesetzt: Die Stadt wurde nach Gorakhnath benannt, Yogilehrer, Mystiker und zentraler Meister der Nath-Yoga-Tradition aus dem 11. Jahrhundert. Zentrale Elemente unseres heutigen Hatha-Yoga stammen aus dieser frühen Nath-Traditon: Pranayama, Kundalini und Asanas. Für Nath-Yogis kommt hinzu: Askese und die Verehrung von Shiva als höchstem Prinzip.
Hauptzentrum dieser Tradition ist der Gorakhnath Tempel in Gorakhpur, eine große Tempelanlage (im Wesentlichen jedoch aus dem 20. Jhd.) mit Klosterstruktur. Zwei Sicherheitsschleusen und die Befragung eines Uniformierten muss ich durchlaufen, noch Schuhe aus, dann wird mir freundlich Zugang gewährt.
Natürlich ist Gorakhpur nicht nur Tempelanlage:
- Tag 21 in Indien: Maghar

Es gelingt in Gorakhpur einen Linienbus ausfindig zu machen, der mich für den Tag ins 30 km westlich gelegenen Maghar bringt. Durch die Kleinstadt laufe ich dort zum, am gegenüberliegenden Ende gelegenen, Kabir Chaura Maghar: Platz seiner letzten Hütte, Sterbeort und Gedenkstätte des großen Lyrikers und Mystikers Kabir (15. Jhd.).
Kabir predigte die Loslösung von religiösen Systemen, Dogmen und äußeren Ritualen zugunsten der Konzentration auf das Innere und Wesentliche (die Liebe). Obwohl er in Varanasi lebte soll er zum Sterben in das (kein Moksha verheißende) Maghar gegangen sein, um zu zeigen: Spirituelle Wahrheit hängt nicht vom Ort ab (was, okay, dem Konzept meiner Reise widerspricht).
Obwohl er sich für die Einheit der Religionen einsetzte, sollen sich nach seinem Tod Muslime und Hindus um seinen Leichnam gestritten haben. Der Legende nach fanden sie unter dem Leichentuch aber nur Blumen und teilten diese auf: Die Muslime bestatteten ihren Anteil und erbauten ein Mausoleum. Die Hindus verbrannten ihren Teil und erbauten einen Tempel. So steht noch heute in der gemeinsamen Anlage in ungewöhnlicher Koexistenz und angenehmer Ruhe, nahe beieinander, ein muslimisches Mausoleum und ein hinduistischer Tempel. Zu Ehren Kabirs, der von Hindus als Bhakti-Heiliger, von Muslimen als Sufi, Gottesfreund, verehrt wird. Seine Lyrik bleibt meine Hausaufgabe.

सद्गुरु कबीर समाधि मन्दिर – मगहर
Satguru Kabir Samadhi Mandir – MagharLinks:
साँच बराबर तप नहीं, झूठ बराबर पाप ।जाके हृदय साँच है, ताके हृदय आप ॥
„Es gibt keine größere Askese als Wahrheit, kein größeres Übel als Lüge. Wo Wahrheit im Herzen wohnt, dort wohnt Gott selbst.“
Rechts:
कबीर जब हम आये जग हँसे हम रोये ।ऐसी करनी कर चलो, हम हँसे जग रोये ॥
„Als wir geboren wurden, lachte die Welt und wir weinten. Leb so, dass beim Gehen du lächelst und die Welt um dich trauert.“
Kabir
- Tage 18 und 19 in Indien: Prayagraj

Prayagraj, bis 2018 Allahabad, 1,2 Millionen Einwohner, 130 Kilometer westlich von Varanasi. Und nach Varanasi die zweitwichtigste Pilgerstadt im Hinduismus. Diesen Status verdankt die Stadt ihrer Lage am Triveni Sangam: Dem Zusammenfluss der beiden heiligsten Flüsse Indiens, dem Ganges sowie der Yamuna, die in über 6000 Meter Höhe im Himalaya entspringt und als „Zwilling“ 1400 Kilometer parallel zum Ganges fließt, bevor sie hier in den großen Bruder mündet. Sowie dem mystischen unterirdischen Fluss Sarasvati. Entsprechenden Stellenwert hat ein Bad am Zusammenfluss, dem Sangam, für die Pilger.
Alle zwölf Jahre findet hier die 55-tägige Kumbh Mela statt, größtes religiöses Fest der Welt. Zuletzt 2019 kamen an den Spitzentagen etwa 50 Millionen Menschen. Und jährlich, im Januar/Februar, deren kleine Schwester, die 44-tägige Magh Mela. Wie ich hinterher lese, kamen auch zur Magh Mela 2026 kumuliert etwa 220 Millionen Menschen an die Flüsse. Die Pilger campieren in der Ebene des Ganges, der jetzt am Ende des Winters Niedrigwasser führt. Umgeben und durchzogen von einer bunten Zeltstadt aus Marktständen.
Mein erster voller Tag in Prayagraj fällt auf den letzten Tag der Magh Mela. Ich hoffe die Atmosphäre des Festes ohne die ganz großen Massen zu erleben. Die knapp fünf Kilometer aus der Altstadt zum Sangam will ich zu Fuß gehen. Obwohl diese Fortbewegungsart in Indien ungewöhnlich ist, erfasst mich auf den letzten beiden Kilometern ein anschwellender Strom von Menschen: Alle nochmal zum Sangam und zum rituellen Bad.
Nach einiger Zeit am Sangam, folge ich spontan der Aufforderung, in einen der vielen geruderten Kähne zu steigen, die die Pilger in die Mitte der Flüsse bringen. Da mich der Kahn auf dem heiligen Fluss trägt, muss ich darin, wie in jedem Tempel, meine Schuhe ausziehen. Am Zusammenfluss werden die Kähne miteinander vertaut und ich werde davon überrascht, dass es Zweck der Fahrt ist, hier das Boot kurz zu verlassen. So wie es die anderen Pilger im Kahn überrascht, dass ich von dieser Möglichkeit keinen Gebrauch mache.
Später, beim Versuch das Gelände zu verlassen, gerate ich wieder in kanalisierte Pilger und so über einen temporären Zugang in den alten Hanuman Tempel. Die Gottheit in Affengestalt wird hier, ungewöhnlich, liegend dargestellt. Und liegt so tief, dass sie bei Hochwasser vom Ganges überschwemmt wird. Daher gilt sie als besonders verehrungswürdig. Der dahinter liegende, neue mehrstöckige Adi Shankaracharya Tempel ist dem großen Lehrer der Non-Dualität („Tat Tvam Asi“) gewidmet. Und direkt an der Yamuna liegt Mankameshwar, der alte Shiva-Tempel. Selbst am Abend unglaublich überlaufen.
Am zweiten Tag in Prayagraj steife ich durch den Bezirk vor der Altstadt und erlebe ein etwas moderneres Indien. Vor dem Sonnenuntergang lasse ich mich mit dem Bike aber nochmal zum Sangam rausfahren. Es ist deutlich ruhiger als gestern. Soweit in diesem Land von Ruhe die Rede sein kann: Zurück am Homestay informiert mich ein Willkommensschild darüber, dass der Geburtstag im zweiten Stock gefeiert wird. Ohrenbetäubender Lärm füllt das Haus bis weit nach Mitternacht. An Schlaf ist auch bei mir im ersten Stock nicht zu denken. Ich wünsche der kleinen Saranya alles Gute. Und dass sie die Feier ihres zweiten Geburtstags nicht miterleben musste.
Von der Yamuna habe ich mich verabschiedet. Der Ganges soll weiterhin an meiner Route liegen. Zunächst aber will ich morgen weiter nach Norden. Schon Richtung Nepal.
- Tage 11 bis 16 in Indien: Varanasi

Mit der Bahn reise ich weiter in die heilige Stadt am Ganges und so von Bihar in den Bundesstaat Uttar Pradesh. Eine Stadt der Superlative: Mit etwa 3200 Jahren ist Varanasi einer der am längsten durchgängig besiedelten Orte der Welt. Mit ca. 1,8 Millionen Menschen ist es nur die fünft größte Stadt in Uttar Pradesh, aber eine der bevölkerungsdichtesten Großstädte der Welt. Insbesondere aber ist Varanasi heiligste Stadt im Hinduismus und hat für viele Hindus eine einzigartige Stellung: Varanasi gilt als Wohnort Shivas der dort besonders präsent sein soll. Der Ganges wird als Göttin, Mutter Ganga, verehrt. Stundenlang laufe ich entlang der Ghats und durch die Straßen und Gassen der Altstadt und versuche zu sehen was ist sehe.
Herzstück der Stadt sind die Ghats, Uferstufen und Plattformen die zum heiligen Fluss führen. Kilometerlang ziehen sie sich dem Ganges entlang. Ort für Rituale, heilige Bäder, Kremierungen. Sadus, Asketen, eine Unmenge von Pilgern aus ganz Indien und Asien. Dazwischen einzelne Suchende und Touristen aus dem Westen. Und viele Einheimische die auf die unterschiedlichste Art dafür sorgen wollen, dass all die Besucher auch etwas Geld da lassen.
In Varanasi zu sterben, dort am Ganges verbrannt und als Asche dem Fluß übergeben zu werden, gilt im Hinduismus als Möglichkeit den Kreislauf der Wiedergeburten zu verlassen. Die Feuer brennen an zwei Ghats Tag und Nacht. Den Ritualen ausführlich zu folgen macht sprachlos. Fotografieren ist grenzwertig. Gleichzeitig wirkt alles offen und alltäglich: Am Harishchandra Ghat lassen lachende Kinder neben den Feuern einen Drachen steigen. Die Blechwände am Manikarnika Ghat sollen offenbar nicht die Verbrennungen sondern die daneben liegenden Baustellen abschirmen. Der Tod wird als normaler Teil des Lebens betrachtet und nicht als Ende sondern als Übergang verstanden.
Arati, die Lichtzeremonie, normalerweise zu Ehren und am Altar einer bestimmten Gottheit, gibt es in Varanasi zu Ehren Mutter Ganga im ganz großen Stil an mehreren Ghats bei Sonnenaufgang und am Abend. An ein Durchkommen ist dann dort nicht mehr zu denken.
Hinter den Ghats liegt die Altstadt, durchzogen von überfüllten Straßen und engsten Gassen. Manchmal geht darin selbst für Fußgänger nichts mehr. Irgendwie komme ich immer wieder raus.
Natürlich ist eine heilige Stadt gesättigt mit Tempeln und Schreinen (und eine Kirche, St. Thomas, entdecke ich, aber die ist geschlossen). Der wichtigste Tempel ist der 230 Jahre alte, goldene Kashi Vishwanath Tempel. Als Shiva-Tempel in der Stadt Shivas zumindest für Shiva-Anhänger der wichtigste Tempel überhaupt. Ein weitläufiger moderner „Korridor“ um den Tempel kanalisiert die Massen. Nach erheblichem bürokratischem Aufwand, Entrichtung einer Gebühr und Sicherheitskontrollen die dem Flughafen Frankfurt Ehre gemacht hätten, komme ich, geführt mit einer kleinen Gruppe, bis ins Innere und benötige so nur ein bis zwei Stunden um einen kurzen Blick auf den Lingam werfen zu können. Der normale Pilger investiert dafür einen halben Tag anstehen.
iIn der Hierarchie danach kommen der Annapurna Devi und der Kal Bhairav Tempel. Während der, der Frau und Versorgerin Shivas gewidmete Tempel im Inneren überraschend weitläufig und farbenfroh ist, ist der, dem zerstörerischen Aspekt Shivas gewidmete, dunkel und tatsächlich furchteinflösend eng. Das Drängen der Massen durch die engen Gassen, die Zugang gewähren, ist vor beiden Tempeln gleich. Rom im heiligen Jahr 2025 ( >> Franziskusweg) war, verglichen mit diesem ganz normalen Tag im Februar in Varanasi, Kindergeburtstag.
Der 120 Jahre alte, national symbolische Tulsi Mandas Mandir (Mutter Indien) beherbergt die größte Reliefkarte Indiens. Ich kann meine Route zwischen Ganges und Himalaya nachvollziehen. Die Alamgir Moschee steht auf den Grundmauern eines Vishnu-Tempels, den der Mogul-Herrscher vor 350 Jahren dafür abreißen ließ.
Bei aller Faszination ist es nach fünf Tagen Varanasi wahrlich genug. Ich will weiter, ca. 125 km westwärts, nach Prayagrei (Allahabad).
- Tag 14 in Indien: Sarnath

Für einen Tag fahre ich aus der Stadt Shivas, Varanasi, in das benachbarte buddhistische Sarnath. Für die jeweils knapp 15 Kilometer traue ich mich (nachdem ich mich an die TukTuk-Fahrten durch den chaotischen Verkehr etwas gewöhnt habe) erstmals auf das Verkehrsmittel das mir als Alleinreisenden geziemt: Sozius auf dem (Uper-)Bike.
Auch Sarnath gehört zu den vier heiligsten Orten im Buddhismus: Nach seiner Erleuchtung in Bodh Gaya ging Gautama Buddha vor etwa 2550 Jahren nach Sernath. Dort traf er zunächst fünf frühere Mitstreiter aus seiner Askesezeit, die nun seine ersten Schüler wurden (Beginn der buddhistischen Gemeinschaft). In einem Gazellenhain hielt er an sie seine erste Lehrrede (Beginn der buddhistischen Lehre, Drehen des Dharma-Rades).
Heute ist der Gazellenhain eines der wichtigsten buddhistischen Pilgerziele und ein archäologischer Park. Und einige Gazellen gibt es auch noch. Den genauen Platz der Lehrrede markiert die Dhamekh Stupa aus dem 3. Jhd. vor Chr. Darum herum finden sich Ruinen und Grundmauern von Klöstern und Tempeln aus dem ersten Jahrtausend. Etwas außerhalb markiert die Chaukhandi Stupa den Platz des Zusammentreffens mit den ersten Schülern. Wieder treffe ich auf buddhistische Pilgergruppen aus ganz Asien die ihre unterschiedlichen Rituale praktizieren. Trotzdem ist es deutlich ruhiger als in Bodh Gaya.
Als Geburtsort des 11. Thirtankara (erleuchteter Lehrer) ist Sarnath und sein Jain-Tempel ferner ein wichtiges Pilgerziel im Jainismus.
An der Ring Road um den Park befinden sich, ähnlich wie in Bodh Gaya, eine Vielzahl von Klöstern und Tempeln verschiedener buddhistischer Nationen und Gemeinschaften. Anders als ich Indien bisher erlebt habe, ist es in der Kleinstadt relativ ruhig und ich genieße einen fast unbehelligten (nur gelegentlich sprechen mich ein paar neugierige Jugendliche an oder winken mir Kinder aus Distanz zu) Spaziergang, von Tempel zu Tempel durch den Ort
Den Abend verbringen ich wieder an den Ghats am Ganges in Varanasi.
- Tage neun und zehn in Indien: Bhabua

Den Impuls, den Mundeshwari-Devi-Tempel bei Bhabua zu besuchen, habe ich aus dem Buch „Verborgene Heiligtümer“ von Martin Gray. Tatsächlich sind nicht nur der Tempel, sondern die ganze Gegend, auf halber Strecke zwischen Bodh Gaya und Varanasi, verborgen.
Doch hier realisiert sich für mich die heimliche Hoffnung jedes Indien-Reisenden: Zu einer Hochzeitsfeier eingeladen zu werden.
Der Mundeshwari-Devi-Tempel geht zurück auf eine heilige Stätte aus dem zweiten Jhd. n. Chr. Der heutige, ungewöhnliche achteckige Bau stammt aus dem Jahr 625, soll aber auch Inschriften aus dem 4. Jhd. enthalten. Damit gilt der Tempel als einer der ältesten, wenn nicht gar der älteste Tempel Indiens.
Der Tempel liegt auf einem Hügel außerhalb. Zum Unverständnis der TukTuk-Fahrer und der vielen die unterwegs ungefragt anhalten um mich mitzunehmen, gehe ich die acht Kilometer vom letzten größeren Dorf hin und zurück zu Fuß und genieße die relative Ruhe außerhalb dem Lärm und Chaos in den Orten und die Sonne über dem heute grünen Bihar.
Am Tempel bin ich wieder Exot. Außer mir sind viele regionale Pilger hier, die ihre Rituale praktizieren. Dass ihr Tempel in einem deutschen Buch beschrieben wird und ich deshalb herkomme, begeistert die Menschen, die mich befragen. Wieder erhalte ich eine kleine Führung, werde unterwiesen und darf exklusiv an die uralte Darstellung der Göttin Mundeshwari, Form der Durga, weibliche göttliche Urkraft, herantreten und sie berühren.
Morgen reise ich weiter, es wartet ein „Schwergewicht“: Varanasi, heilige Stadt am Ganges.
- Tage sechs bis acht in Indien: Bodh Gaya

Mit der Bahn und dem TukTuk komme ich nachts um 02:45 Uhr in Bodh Gaya an. Die drei Tage dort sind gut. Neben den Orten der Geburt, der ersten Lehrrede und dem Eintritt ins Nirvana des historischen Buddha (die noch auf meiner Route liegen) gehört Bodh Gaya, wo Siddhartha Gautama nach fünf-wöchiger Meditation unter dem Bodhi-Baum die Erleuchtung fand und zum Buddha wurde, zu den vier heiligsten Orten des Buddhismus. Oft wird es als wichtigstes buddhistisches Pilgerzentrum der Welt bezeichnet.
Am Ort der Erleuchtung steht heute ein mächtiger Nachkomme des besagten Bodhi-Baum. Und darum herum eine beeindruckende Tempelanlage: Mahabodhi. Deutlich spürbar ist, dass das keine touristische Attraktion sondern ein Ort gelebter Spiritualität ist. Buddhisten aus ganz Asien, vorwiegend Pilgergruppen von Mönchen oder Nonnen, und vereinzelt Menschen aus dem „Westen“, kommen hier her um ihre Religion intensiv und ganz unterschiedlich zu praktizieren.
Ich verbringe einen Nachmittag und, am nächsten Tag, einen Abend in der spirituell dicht aufgeladenen Atmosphäre der Tempelanlage.
Nicht nur das Fotografieren, sondern bereits das hineinbringen jeglicher elektronischer Geräte in die Anlage, ist verboten und wird streng kontrolliert.
Im Kern der Kleinstadt verteilt sich eine Vielzahl weiterer buddhistischer Tempel: Jede größere buddhistische Nation bzw. Strömung will mit einem eigenen Tempel am Ort der Erleuchtung präsent sein. I.d.R stehen diese Tempel nicht allein sondern gehören zu einem entsprechenden Kloster.
In zwei Tagen konnte ich 16 dieser Tempel besuchen. Vielleicht etwas exzessiv aber es führt mir die Vielfalt der Religionen bereits im Buddhismus vor Augen.
Zu Mittag bekomme ich das Gewünschte an einem Streetfood-Stand nicht mehr. Der Händler lädt mich spontan ein, in einem Verschlag hinter dem Stand mit ihm und zwei Kollegen zu essen, was sie für sich selbst gekocht haben. Es gibt Fisch mit Curry und Reis. Besteck gibt es nicht. Das Essen ist spannend und die Einladung ehrlich. Trotzdem lehne ich das abschließende Marihuana ab.
Am Abend kann ich mit einer Gruppe japanischer Pilger an deren Zeremonie in japanischen Tempel teilnehmen.
- Der fünfte Tag in Indien: Nalanda und Bihar Sharif

Da ich nach Bodh Gaya nur ein Bahnticket am späten Abend bekomme, „gewinne“ ich einen Tag und entschließe mich nach Nalanda und Bihar Sharif zu fahren.
Obwohl es Weltkulturerbestätte ist, hatte ich Nalanda ursprünglich nicht auf dem Plan, da Ruinen von Universitäten nicht mein Interessenschwerpunkt sind. Tatsächlich handelte es sich bei der „Universität“ aber um das geistige Zentrum des Buddhismus und Jainismus. Vermutlich 5. Jhd. vor bis 6. Jhd. nach Christus. Entlang einer Längsachse sind an der Nordseite die Ruinen von 14 Klöstern und jeweils gegenüber von 14 Tempeln erhalten. Schon spannender.
Trotz vieler Besucher bin ich offenbar auch hier der einzige westliche „Ausländer“. Wie seit meinem ersten Tag in Patna werde ich als Exot betrachtet und behandelt. Oft werde ich angesprochen, nach Herkunft und Grund meines Hierseins befragt und um gemeinsame Fotos gebeten. Oder nur beobachtet und „heimlich“ fotografiert. Am Ganges in Patna wurde ich von einer jungen Frau in gutem Englisch ausführlich befragt und fotografiert, mit der Begründung dass sie hier in ihrer Gegend noch nie einen Ausländer gesehen habe.
In Bihar Sharif möchte ich am Nachmittag ein Heiligtum des Sufismus besuchen: Die Grabstätte des Sufi-Heiligen Makhdum Shah Sharif-ud-Din Yahya Maneri aus dem 13. Jahrhundert. Maps führt mich durch die engen Gassen der Kleinstadt in der Provinz. Aber hier reagieren die Menschen richtig verblüfft auf mich. In der Moschee werde ich wieder befragt und „unterwiesen“. Erhalte dann aber ungefragt die Erlaubnis das Heiligtum zu fotografieren.
- Der vierte Tag in Indien: Pawapuri

Nach einiger Abwägung entscheide ich mich, die knapp 25 km von Rajgir nach Pawapuri zu Fuß zu gehen. Entlang der Straße von Dorf zu Dorf. Bihar gilt als der ärmste Bundesstaat Indiens. Mindestens jeder dritte Mensch lebt unter der Armutsschwelle. Die Eindrücke aus diesem Fußmarsch (auch hier verbat es sich die Situation der Menschen unmittelbar zu fotografieren) werden mir eindrücklicher bleiben als die spannenden Tempel in Pawapuri.
In der Kleinstadt Pawapuri befindet sich das vielleicht wichtigste Heiligtum des Jainismus (einer etwa zur gleichen Zeit wie der Buddhismus entstandenen Religion, diesem nicht unähnlich, bekannt durch das Gebot des Ahimsa: Absolute Gewaltlosigkeit gegenüber allen Lebewesen):
Der Shri Mahavirswami Jain Jal Mandir, ein Wassertempel, errichtet an der Stelle, an der der 24. und letzte Tirthankaras der Jain, Shri Mahavira, 527 vor Christus, Moksha, die endgültige Erlösung, erreichte. Darum herum befinden sich weitere wichtige Jaintempel.
- Der dritte Tag in Indien: Rajgir

Dass die Bahnfahrt nach Rajgir organisatorisch und praktisch gut funktioniert hat, macht mich für die weitere Reise zuversichtlich.
Die Situation (um nicht dass Wort Zustände zu benutzen) in der Kleinstadt scheint der in Patna ähnlich. Nur unmittelbar an den buddhistischen Heiligtümer ist es ruhig.
Zwei, die zu den wichtigsten Orten im Buddhismus gehören, liegen am Stadtrand von Rajgir:
Der Geierberg / Griddhakuta, wo der historische Buddha, der hier zeitweise lebte, sich zur Meditation zurückzog und seine wichtigsten Lehrreden (Lotus-Sutra und Sakkapañha-Sutta) vor seinen engsten Schülern hielt.
Und Venuvana, wo Buddha in einem vom König Bimbisara geschenkten Bambushain vor 2520 Jahren das erste buddhistische Kloster gründete und so den Wandel vom Wanderpredigertum zum monastischen Buddhismus begründete.
Besondere Momente waren die buddhistische Zeremonie auf Griddhakuta und der Abend, als letzter Gast im japanischen Tempel und an der Stupa. Und das Nilgau am Wegrand…
- Die zwei ersten Tage in Indien: Patna

Patna, Hauptstadt von Bihar am Ganges. Meine Idee war es, hier erst mal in Indien und am Ganges, dem ich in den kommenden Monaten bis zu seiner Quelle folgen möchte, anzukommen und ein wichtiges Sikh-Heiligtum und einen großen Hanuman-Tempel zu besuchen.
Der Plan ist tatsächlich aufgegangen, ich war zwei Mal in den Morgenstunden am Heiligen Fluss und habe Heiligtümer von vier Weltreligionen erlebt.
Nebst Patna: Das Ankommen in einer zwei-Millionen Stadt in Nordindien war natürlich die harte Tour. Elend und Müll habe ich nicht fotografiert. Chaos und Lärm sind fotografisch kaum darstellbar. Aber ich bin angekommen.
Morgen soll es weitergehen: Mit der Bahn knapp 100 km nach Rajgir.

































































































































































































































































































































































































































































